Dienstag, 8. April 2014

"Ian Yery" von Kooky Rooster

Ian Yery & der Hardcore Absolute BeginnerLiebe ist ganz schön schwierig, oder?

Als Nils Mo gesteht, dass er Jungfrau ist, sagt der: "Ich bin Steinbock!" Wer kommt schon darauf, dass im 21.ten Jahrhundert ein Mensch um die Dreißig noch nie im Leben Sex hatte?

"Ian Yery" von Kooky Rooster ist auf den ersten Blick die humorvolle Geschichte um einen völlig neurotischen Computer-Freak, der seine soziale Inkompetenz kompensiert, indem er seinen Traum-Mann einfach (nein, eigentlich nicht wirklich "einfach", sondern technisch hochgradig ausgereift!) in einen virtuellen Charakter verwandelt und einige Bilder davon online stellt. Andere sind eindeutig NUR für den privaten Gebrauch bestimmt…
Jedenfalls gelingt ihm das so gut, dass eine internationale Spiele-Firma daraus den Held eines neuen und bald sehr erfolgreichen Baller-Spiels macht.

Nun nimmt das Schicksal seinen Lauf: Der echte Mann, Moritz "Mo", sieht sich mit seinem martialischen Avatar konfrontiert und ist alles andere als begeistert: Er ist schließlich Pazifist! Zornentbrannt macht er sich auf die Suche nach dem verantwortlichen Grafiker und löst damit eine Kette von unvorhergesehenen Ereignissen aus, die ihn immer wieder ausgerechnet mit Nils zusammenführen.

Zuerst ahnt Mo nicht, dass der süße, menschenscheue Computerfan und der verhasste, unbekannte Programmierer von "Ian Yery" ein und dieselbe Person sind. Als er es heraus findet, rastet er zunächst total aus. Aber was einmal im Netz steht, kann nicht mehr gelöscht werden. Egal, was er macht, sein Leben, aber auch das von Nils sind unwiederbringlich verändert und nun müssen beide damit klar kommen.

Die Geschichte ist eigentlich nicht kompliziert und könnte in wenigen Worten erzählt werden. Aber sie erhält ihren Reiz durch den unvergleichlichen Stil von Kooky Rooster. Die Autorin schafft es auf ihre einzigartige Weise, Gefühle und Situationen so zu beschreiben, dass gleichzeitig die Tragik und die absurde Komik zum Tragen kommen. Abgerundet wird das Ganze von einer Zärtlichkeit, die sich unter die Haut schleicht und mitten im Herzen Wurzeln schlägt. Man inhaliert die Worte und kann nicht genug davon bekommen.

Nils ist ein wunderbares Beispiel für die Menschen, die es scheinbar in unserer Gesellschaft gar nicht gibt: Während man sich in Talkshows zwanglos über jede Spielart austauscht, scheinen Menschen, die (warum auch immer), keinen Sex haben, nicht zu existieren. So etwas gibt es doch gar nicht, oder?

Nils Unschuld bedingt, dass die Erotik im Buch zunächst eher zurückhaltend ist. Aber ich habe selten ein Buch gelesen, dass so eindringlich die Sinnlichkeit von Blicken, Gesten und scheinbar belanglosen Berührungen schildert. Die kleinen Spielchen, die den Alltag versüßen können, werden einem urplötzlich wieder sehr bewusst.

Für Nils und Mo gilt: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

Doch wenn man das Buch aufmerksam liest, erinnert man sich plötzlich wieder an die Magie des ersten Verliebt-Seins und vielleicht, nur vielleicht schafft man es, den Zauber neu zu beleben. Nein, eigentlich hat man die Anleitung dazu in der Hand, es wird schon irgendwie klappen! So schwierig ist es doch gar nicht, mit der Liebe!!!

Das Buch ist ganz typisch Kooky Rooster: humorvoll, hintergründig, leicht schräg, tiefsinnig, erotisch, liebevoll, klug,...

Soll ich noch weiter machen??? Dieses Geschichte MUSS man gelesen haben!

P.S. 1: Die Geschichte ist zuckersüß. Aber der Schluss macht nachdenklich. Wie viele einsame HABs mag es geben, die glauben, sie wären alleine da draußen?

P.S. 2: Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob Medienkritik in der Story steckt und wenn ja, wie viel. Macht nix. Das ist wieder einmal eine der Geschichten, die ich öfter lesen werde. Ich habe also noch genug Zeit darüber nach zu denken.

Mein Lieblingszitat aus dem Buch:
Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass sondern Gleichgültigkeit.

Autorenseite: Kooky Rooster

Bildquelle: amazon

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