Samstag, 5. April 2014

"Unvermeidlich" von Melanie Hinz

Unvermeidlich
"... verdammt gut und bei weitem nicht so verboten, wie du es dir einredest ..."

... sagt Alex an einer Stelle zu Daniella und meint damit ihre Beziehung. Warum sie glaubt, dass diese nicht erlaubt ist? Nun, Alex ist der Bruder von Steffen, von dem Mann, der der leibliche Vater ihrer kleinen Tochter ist.
Allerdings haben sich die Beiden schon lange getrennt und "Onkel Alex" ist für die 6jährige Anna die männliche Bezugsperson, die ihr Vater nicht sein kann oder will. Alex dagegen scheint immer da zu sein und Ela, die eigentlich eine ganz schön wilde Hummel ist, muss sich allmählich eingestehen, dass auch sie in Alex viel mehr sieht, als nur den "Beinahe-Schwager".
Aber darf das sein? Wie wird ihre Familie auf diese Beziehung reagieren und wie Steffen?

Sehnsucht und heimliche Liebe werden in der Hitze des Sommers zu einem explosiven Gemisch, dass die Gefühle überkochen lässt.

Ich war ehrlich gesagt überrascht, dass ausgerechnet Jakobs kleine, leicht ausgeflippte Schwester, solche Schwierigkeiten damit hat, ihrer Familie die Beziehung zu Alex zu gestehen. Nachdem ihre Eltern sie immer unterstützt haben und auch die sehr unkonventionelle Partnerschaft ihres Sohnes akzeptieren, konnte ich nicht immer so ganz nachvollziehen, wo eigentlich das Problem war: Alex ist ein toller Mann und ein liebevoller Vater. Alle müssten doch begeistert sein, oder?

Aber wie immer bei Melanie Hinz sind die Figuren auch in "Unvermeidlich" so echt, dass man glaubt, man müsse nur um die nächste Ecke gehen, um ihnen zu begegnen. Natürlich ist es für einen Außenstehenden immer leicht, zu sagen: "Mach es doch einfach so und so..."

Aber einfach ist es nicht für die Personen, die gerade in der Situation stecken. Wann ist die letzte Diskussion in einer Familie logisch abgelaufen? Und ist es einem wirklich egal, was die Eltern denken?
Familien sind komplizierte Gebilde und die unzähligen Kombinationen, aus denen sie sich zusammensetzen können, machen das nicht eben leichter.
Offenheit scheint das einzige Rezept zu sein, aber die ist manchmal ganz schön schwer und im "real life" ist ein Happy End leider nicht garantiert. Vielleicht sind Elas Ängste also gar nicht so absurd?

Auch wenn man die junge Frau manchmal schütteln möchte, so ist die Geschichte doch realistisch erzählt. Und Melanie Hinz wäre nicht sie selber, wen sie es nicht schaffen würde, mit leichter Hand an passender Stelle so erotische Szenen einzubauen, dass die glühende Sommerhitze dagegen plötzlich recht kühl wirkt.

Fazit: Wieder mal mehr als 5 Punkte und eine absolute Leseempfehlung.

P.S.: Ich haben mir zu "Unerwartet",der Story um Kati, Jakob und Paul eine Fortsetzung gewünscht und diese hier ja irgendwie bekommen. Leider kündigt die Autorin in ihrem Schlusswort an, dass dies die letzte Geschichte um die bekannten Charaktere ist und sie sich neuen Projekten zuwenden möchte. Auch wenn ich "nie genug" von Sam und Emma, Helena und Gabriel (mein persönliches Lieblingsbuch) und den anderen bekommen werde und mir immer noch wünsche, mehr über die ungewöhnliche Dreierbeziehung zu erfahren, kann ich das irgendwie verstehen.

Ich werde auch in Zukunft sehnsüchtig auf jedes neue Buch der Autorin warten, die in ihrem einmaligen Stil Geschichten erzählt, die unter die Haut gehen, die man nicht vergisst und die ich einfach liebe.

P.S.2: Auch in diesem Buch war wieder eine Szene (nicht nur eine aber diese kleine ganz besonders), die mich so berührt hat, dass mir heiße Tränen in den Augen standen. Warum? Natürlich, weil ich an jemand aus meinem persönlichen Umfeld gedacht habe. Vielleicht ist das das ganz Besondere an Melanie Hinz: Die Gefühle, die sie beschreibt, sind so echt, dass man glaubt, die Geschichte (oder zumindest einen Teil davon) nicht zu lesen, sondern selber erlebt zu haben.

Bleiben nur zwei Dinge zu sagen: "Danke" für einen wundervollen Geschichtenzyklus und "Hoffentlich: Bis bald!"

Bildquelle: amazon

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