Montag, 21. April 2014

"Winterbrunch" von Fancisca Dwaine


Winterbrunch - Heißes zum Kaffee
Coming out und junge Liebe

In „Winterbrunch“ flüchtet der knapp 18-jährige Nick völlig kopflos vor seinem gewalttätigen Vater und steht dann ohne Plan, ohne Geld und ohne Unterkunft im winterlich – kalten Köln.Frierend rettet er sich in ein kleines Bistro. Der nette Kellner scheint zu ahnen, dass der junge Mann nicht zu seinen üblichen Kunden zählt, aber statt ihn auf die Straße zu setzten, bietet er ihm Kaffee und etwas zu essen gegen Hilfe beim abendlichen Aufräumen an.

Sadi geht dann sogar noch einen Schritt weiter und lässt Nick fürs Erste bei sich übernachten. Die beiden werden richtig gute Freunde. Irgendwann stellt sich aber die Frage, ob Freundschaft wirklich das Einzige ist, was sie für einander empfinden. Nur… würde Sex nicht alles zwischen ihnen verändern?

Francisca Dwaine beschreibt einfühlsam den Weg der beiden jungen Männer: Da ist einmal Sadi, der sich zwar gegenüber seiner Familie schon geoutet hat und seit dem keinen Kontakt mehr zu seinem heißgeliebten jüngeren Bruder haben darf, aber seinen alten Freunden bisher verschwiegen hat, dass er sich zum anderen Geschlecht hingezogen fühlt. Auf der anderen Seite steht Nick, der bisher nie größeres Interesse am Sex hatte und sich nun fragen muss, ob er bisher vielleicht das falsche Geschlecht in Augenschein genommen hat.

"Winterbrunch" verschweigt keines der Probleme, die durch das Outing ergeben können und wartet gegen Ende sogar mit einem Mini-Thriller auf. Es lebt aber trotzdem von einer gewissen Leichtigkeit. Sadi und Nick sind beide jung und suchen ihren Weg zu sich selbst und zu einander. Manchmal habe ich mir mehr Tiefe in ihrer Charakterisierung gewünscht, aber obwohl die zwei schon so einiges mitgemacht haben, halten sie sich nicht in ihrer Vergangenheit auf. Sie leben damit, so gut es eben geht und wenn sie grübeln, dann über ihre Gegenwart und ihre Zukunft. Das hier und jetzt zählt! Diese Haltung ist vielleicht eine treffendere Charakterisierung eines jungen Menschen, als eine Altersangabe oder die Beschreibung eines faltenlosen Gesichtes.

Auch wenn in dem Buch einige deutliche Szenen vorkommen, liegt für mich der Fokus weniger auf der Erotik, als vielmehr auf der Liebesgeschichte zwischen Sadi und Nick. Ich finde sogar, dass Buch ist auch gut für ältere Teenager geeignet, da es genau das Thema aufgreift, die in diesem Alter interessant ist: Wer bin ich genau und mit wem will ich mein Leben verbringen?

Ich habe zwar etwas überlegt, aber von gibt es doch volle 5 Punkte und eine Leseempfehlung. Nicht zuletzt, weil ich mich jetzt schon wirklich darauf freue zu erfahren, wie es mit dem „Kuschelbär“ Phil und dem Polizisten Mirko weitergeht. Die Autorin hat uns Lesern „Frühlingsbrunch“ fürs Frühjahr 2014 versprochen. Ich zähle darauf!!!
Bildquelle: amazon

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