Dienstag, 8. April 2014

"Zuviel" von Kooky Rooster

Zuviel: Dick, sensibel, ungeliebtZuviel? Davon kann man nicht genug bekommen!

Sex sells! Das wissen wir, ohne es zu hinterfragen, weil uns Fernseher, internet, Zeitschriften und Bücher genau dies ununterbrochen präsentieren. Sex haben allerdings immer nur die hübschen Menschen. Große, breitschultrige Alpha-Männer und geschmeidige, zierliche Elfen (je nach Genre männlich oder weiblich) verlieben sich unsterblich und werden glücklich bis an ihr Ende. Ist ja auch zum Träumen schön! Film aus, Buch zu und die Realität hat uns wieder, inklusive Körperfettwaage im Bad.

Wieso also ein Buch lesen, dass von einem Mann handelt, der von fast Allem etwas "Zuviel" hat?

Zuviel Größe (1,90 m), zuviel Gewicht (140 kg) und zuviel Seele (weswegen er sich das ständige Mobbing total zu Herzen nimmt). Zu klein ist bei Wolfgang nur das Selbstbewusstsein.

Simon dagegen ist alles, was Wolfgang gerne wäre: Schlank, gutaussehend und offen. Er scheint keine Scheu zu haben, auf Menschen zuzugehen. Oder warum sonst ist er ständig so nett?
Wolfgang verachtet sich selbst viel zu sehr, um auch nur auf die Idee zu kommen, Simon könnte Interesse an ihm haben. Das kann doch gar nicht sein, oder?

Die Geschichte wird konsequent aus der Sicht von Wolfgang erzählt, so dass man seine Zweifel und seinen Selbsthass hautnah erlebt. Unwillkürlich fragt man sich auch als Leser, was Simon eigentlich antreibt. Die Antwort ist so verblüffend einfach und so behutsam eingeflochten, dass ich sie tatsächlich erst beim zweiten Lesen entdeckt habe: Simon hat bitter erfahren müssen, das Aussehen völlig unwichtig ist und die inneren Werte zählen.

Nach all den schönen Menschen in der gefilmten oder virtuellen Welt, sowie zwischen den Seiten der Bücher, ist es ungewöhnlich, einen so unperfekten Helden wie Wolfgang auf seinem Weg zu begleiten. Er hat eben nicht nur eine Narbe oder vielleicht ein steifes Bein an einem sonst völlig perfekten Körper, wie viele der anderen Charaktere in den aktuellen Romanen.

Mich hat dieses Buch so richtig gepackt. Das liegt auch an dem unvergleichlichen Stil von Kooky Rooster: Sie beschreibt schonungslos die Welt in all ihrer Hässlichkeit, ohne ins Drama abzugleiten. Im Gegenteil, viele der Szenen sind absurd komisch und dann sorgt sie wieder mit sanften, leisen Zwischentönen, dass die Romantik nicht zu kurz.

Schade, dass aufgrund des Genres wahrscheinlich nur wenige Leser in den Genuss kommen werden, zu erleben, ob und wie Wolfgang und Simon ein Paar werden. Die Geschichte ihrer Liebe ist universell und die Art wie sie erzählt wird, hat es eigentlich verdient, von einem breiten Publikum gelesen zu werden.

Von mir gibt es deutlich mehr als 5 Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung. Mehr noch: Die Story ist wirklich etwas Besonderes. Man sollte sich ernsthaft überlegen, ob man darauf verzichten will.
Autorenseite: Kooky Rooster

Bildquelle: amazon

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