Mittwoch, 7. Mai 2014

"Landsby" von Christine Millmann

Zitat: „Wir sind Verlorene in einer verlorenen Welt.“

LANDSBYNur wenige Menschen sind nach einem weltweiten Seuchenzug übrig geblieben und versuchen in abgeschirmten und streng bewachten "Kolonien" zu überleben. Alle müssen sich strikten Regeln beugen und dem Wohl der Gemeinschaft dienen. Die schlimmste Strafe ist Verbannung, denn hinter den Mauern lauern nicht nur Hunger und wilde Tiere, sondern auch grausame Mutanten. Das weiß jeder, da es die Kinder schon in der Schule lernen.

Insgeheim zweifelt Jule schon lange an dem System, aber sie hat keine Ahnung, wie ein anderes Leben für sie aussehen könnte. Als die Umstände sie zur Flucht zwingen, scheinen sich alle Gerüchte zu bewahrheiten: Die Außenwelt ist voller Gefahren und die Menschen und Mutanten darin sind ihr nicht wohlgesonnen. Immerhin bringen sie sie nicht sofort um.
Langsam begreift Jule, dass erlerntes Wissen noch lange keine Wahrheit sein muss und dass Vorurteile und Hass dort am besten gedeihen, wo Unkenntnis und Angst herrschen. Die Außenwelt und die Kolonien könnten voneinander profitieren. Aber irgendjemand muss den ersten Schritt machen.

Die Geschichte von Jule ist eine der besten Dystopien, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Christine Millman entwirft in "Landsby" ein realistisches und in sich logisches Szenario, dass ohne Fantasy- oder übertriebene Technik-Elemente auskommt. Die Geschichte lebt von der Entwicklung ihrer Charaktere: Jule wird vom unsicheren, rebellische Teenager zu einer jungen Frau. Sie lernt, dass Entscheidungen ihren Preis haben und blindes Vertrauen allzu leicht verraten werden kann. Eine solche Entwicklung braucht Zeit und genau die nimmt sich die Geschichte.

Auch der "geheimnisvolle Galen" aus dem Klappentext braucht eine Weile, bevor Jules Herz (und das des Lesers) erobert. Galen entspricht so wenig dem Klischee eines Helden, wie man es sich nur vorstellen kann. Er ist aber typisch für alle Figuren im Buch: Sie haben ihre großen und kleinen Macken, ihre Stärken und Schwächen, keine ist nur gut und keine nur böse. Nicht einmal die Nebenfiguren wirken eindimensional. Alle sind glaubhaft.
Christine Millman schafft es, eine düstere Zukunftsvision zu entwerfen, ohne dabei völlig in die Finsternis abzugleiten. Die Hoffnung auf ein besseres Leben treibt sowohl die Menschen, als auch die Mutanten an. Vielleicht gibt es ja eine Lösung, an die bisher niemand gedacht hat?

Ich bin wirklich begeistert! Ob die "Verlorenen" verloren bleiben, sollte man unbedingt selber heraus finden. Ich werde es hier sicher nicht verraten. Nur so viel: Die Geschichte ist in sich abgeschlossen. Trotzdem würde ich mich über eine Fortsetzung sehr freuen. Unter dem letzten Satz steht "Ende" und dann eine "1". Das lässt doch auf "2", "3" usw. hoffen, oder?
Von mir gibt es jedenfalls 5 Punkte und ein Leseempfehlung. Das Buch ist für Erwachsene genauso geeignet, wie für ältere Teenager. Es ist echt klasse!


Bildquelle: amazon

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