Sonntag, 23. November 2014

"Alien Breed 3.2 Player" von Melody Adams

 Der Psychopath und die Psychiaterin

Player ist isoliert von den anderen Alien Breed aufgewachsen und seine „Mutter“ hat ihn zu einem sadistischen Psychopathen gemacht. Heute versteht er, dass seine Taten unverzeihlich waren, auch wenn er es früher nicht besser wusste.

Freiwillig will er sich einer Therapie unterziehen und lernt so Holly Westham kennen. Obwohl es nicht sein darf, fühlt sich die Psychiaterin von ihrem Patienten angezogen.

Normalerweise halte ich mich mit schlechten Rezensionen zurück, weil ich denke: „Dieses Buch ist nicht für mich geschrieben!“. Hier schreibe ich trotzdem mal eine, weil ich mich richtig geärgert habe. Kann sein, dass ich weiter unten SPOILERe, deshalb die Bewertung vorweg:

Von mir gibt es maximal ganz knappe 2 Punkte. Die Geschichte gefällt mir nicht und eine Leseempfehlung gebe ich hier auf gar keinen Fall. (Ich stehe übrigens mit meiner Meinung ziemlich alleine da. Aktuell hat das Buch sechs begeisterte 5 Sterne Rezis bei einem großen online-Händler, meine Einzelmeinung hängt in der Warteschleife fest ...)

Wen es interessiert, warum ich nach der Lektüre so sauer war, findet die Erklärungen hier:


Zuerst einmal das: Die Story „Bad Boy mit gequälter Seele, der endlich eine Frau findet, die ihn versteht“ hat natürlich immer wieder einen großen Reiz. Sie hat ihn auch auf mich, sonst hätte ich dieses Buch nicht gekauft und gelesen. Auch die Idee um die „Alien Breeds“ finde ich interessant und damit fällt die Story genau in mein Beuteschema.

Player“ ist nicht die erste Geschichte der Serie, die ich gelesen habe, jedes Mal wieder in der Hoffnung, dass die tollen Ansätze und Ideen endlich in GENAU DIESEM Band zu einem richtig guten Buch werden. Aber „Player“ ist definitiv mein letzter Versuch, mich mit der Serie anzufreunden. Mir reicht es jetzt.

Schon von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass sich Melody Adams von einigen amerikanischen Serien, speziell von einer, hat inspirieren lassen. (Wer in diesem Genre liest, wird die Parallelen der Hintergrundgeschichte, der Namensgebung der Breeds und ihrer Organisation und mancher Nebenfiguren erkennen). Aber OK. Inspiration ist erlaubt und muss nicht schlecht sein. Die Autorin sagt ja schließlich von sich selbst, dass sie schreibt, was sie gerne liest.

„Player“ ist mir aber richtig übel aufgestoßen, weil von einer sinnvollen Geschichte fast nichts mehr übrig war. Die Story ist völlig flach, in sich voller Widersprüche und scheint nur dazu zu dienen, Player und Holly in Situationen zu bringen, in denen sie es miteinander … können. Die Techniken werden dann ziemlich ausführlich geschildert. Erotisch ist das leider nicht wirklich, weil die Charaktere so wenig überzeugen und damit auch nicht nahe gehen.

Player ist ein völlig gestörter Charakter. Das erkennt er selber und unterzieht sich freiwillig (!) einer Therapie. Dann arbeitet er allerdings sehr lange nicht mal für 50 Cent daran mit. Wächter (nicht etwas Krankenpfleger) begleiten ihn immer zurück aus den Therapiesitzungen in sein Zimmer. Die braucht man eigentlich aber nicht, weil er sowieso völlig problemlos das Fenster im vierten Stock öffnen und herausklettern kann. Ich rege mich hier nicht über den 4. Stock und seine Fähigkeiten auf, sondern über den Widerspruch in der Situation und dem Setting. Ist das jetzt eine geschlossene Abteilung mit offenen Fenstern, oder wie? Die sehen in der Realität aus gutem Grund ganz deutlich anders aus …

Egal. In der Anstalt / dem Krankenhaus werden schließlich nicht nur die Fenster und die meisten Türen offen gelassen, auch die Personalakten sind für jeden zufällig vorbeischneienden interessierten Mitbürger völlig frei zugänglich. Datenschutz? Nie gehört …

Genau so ein wandelnder Widerspruch in sich ist Holly. Von der Verletzung sämtlicher ethischer Grundsätze rede ich mal gar nicht. Das ist Bestandteil dieser Geschichte und dass das kommen würde, wusste man schon nach der Lektüre des Klappentextes. Aber das eine Psychiaterin, die sich von Berufswegen den ganzen Tag damit beschäftigt, warum Menschen bestimmte Verhaltensweisen an den Tag legen, ihre eigenen Handlungen nicht ein einziges Mal hinterfragt oder gar reflektiert, dass kommt mir einfach total unwahrscheinlich vor. Holly ist als Figur in sich nicht schlüssig und wirkt deshalb total eindimensional, platt, flach … (Ich könnte das noch fortführen, aber ich glaube man versteht, was ich sagen will).

Die gute Frau lässt es nicht nur zu, dass die Grenze zwischen Arzt und Patienten von Player überschritten wird, sie entdeckt dabei auch noch ganz plötzlich und unerwartet ihre devoten Neigungen und ihre Lust am Schmerz. Das der erste Akt keine Vergewaltigung ist, kommt nur daher, dass sie sich in Player bereits verliebt hat. Sie selber ist sich darüber im Klaren, dass er nicht aufhören wird, egal was sie sagt oder macht. Ich fand es sehr schwer vorstellbar, dass sie eigentlich keinen Moment Angst hat, bzw. dieser sehr schnell vom Verlangen überlagert wird.
Das ist danach übrigens kaum anders.

Player und Holly lösen seine (nicht ihre, sie hat keine …) Probleme mit Sex. Mehr passiert in der Geschichte nicht. Entwicklungen der Hauptpersonen? Fehlanzeige!

Das finde ich richtig schade. Ich habe mir von der spannenden Grundidee eine ganze Menge versprochen und die expliziten Schilderungen wären doppelt so heiß, wenn Charaktere ein wenig glaubwürdiger wären. Dann würde man nämlich so richtig mit ihnen leiden und lieben.

Der Schluss der Story bringt mich schon fast wieder in Versuchung. „Beast“ wird vorgestellt. Aber ich werde mir fest auf die Finger hauen, bevor ich die nächste Geschichte kaufe.

Was die Serie in meinen Augen wirklich dringend braucht, ist ein gutes Korrektorat, das die interessanten Ideen würdigt und die logischen Fehler aufdeckt. Wenn es dann auch noch dafür sorgt, dass die Charaktere der Alien Breed und ihrer Frauen auch ein wenig an Tiefe gewinnen, wäre das nicht richtig klasse. Dann bin auch ich wieder dabei.

Bildquelle: amazon

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