Freitag, 14. November 2014

"Ben: Liebe am Abgrund" von Kooky Rooster

Dunkle Abgründe voller Grausamkeiten 

Ben ist völlig fertig. Mit sich, mit dem Leben, mit der Welt. Dafür sorgt sein mehr als psychopatischer Bruder Jochen mit immer neuen, perfiden Angriffen auf seinen Körper und – viel schlimmer - auf seinen Geist. Eigentlich will Ben nur noch, dass alles vorbei ist. Als es in einer eiskalten Winternacht endlich soweit sein könnte, halten ihn plötzlich starke Arme fest. Das ist der Beginn einer … Freundschaft?
Nein. Ben hat keine Freunde, niemand liebt ihn, er ist Abschaum. Das hat ihm Jochen äußerst erfolgreich eingetrichtert. Aber Paul scheint das nicht zu verstehen. Er kommt immer wieder auf Ben zu, lässt nicht locker und fühlt sich auch in den schlimmsten Situationen nicht abgestoßen.
Für Ben ist Paul der Himmel, wo Jochen die Hölle ist.
Doch was passiert, wenn Himmel und Hölle aufeinandertreffen? Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt!

Ben: Liebe am Abgrund“ von Kooky Rooster ist nicht wirklich eine Romanze, sondern hat viel von einem sehr düsteren Psycho-Thriller. Das Grauen in Form von Jochen lauert hinter jeder Ecke. Manchmal ist er es in Persona, aber oft genügt schon ein Erinnerungsfetzen, um Ben in bodenlose Angst zu stürzen. Völlig absurde Details, die immer wieder in seiner gequälten Seele aufblitzen, machen das auch für den Leser erschreckend realistisch.
Es gibt den Spruch: „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann!“
Was aber, wenn die Erinnerung ein vergifteter Sumpf ohne Ausweg ist? Ein Abgrund, aus dem man sich nicht befreien kann?
Pauls Liebe wird für Ben zum Leuchtfeuer. Doch auch Paul ringt mit den Dämonen aus seiner Vergangenheit und Jochen versucht alles, um zu verhindern, dass Ben sich aus seiner Unterdrückung löst. Der Weg ans Licht ist lang und qualvoll.
Die Geschichte ist nicht einfach zu lesen und die kleinen Glücksmomente, die hin und wieder aufblitzen, werden meist umgehend von einer neuen Welle des Entsetzens hinweg gespült. Kooky Roosters unvergleichliche Fähigkeit, treffende Bilder zu finden, sorgt dafür, dass man als Leser jedes Mal mitgerissen wird. Man findet sich in einem Sog, einem unerbittlichen Strudel wieder, fühlt mit Ben das Grauen nahen und kann doch, genau wie er, nicht entkommen. Man muss einfach weiterlesen, Zeile um Zeile verschlingen, weil man wissen will, was als Nächstes passiert.
Die Geschichte packt und wirkt nach. Was Ben und Paul erlebt haben, ist extrem, weil sie mit voller Absicht misshandelt wurden. Aber es zeigt nur überspitzt, wie sehr sich unbedachte Worte oder gezielte Beleidigungen und körperliche Misshandlungen in die Seele hineinfressen und wie schwer es ist, Demütigungen hinter sich zu lassen, um ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Das Bewertungssystem, mit dem eine Rezension eingeordnet werden soll, versagt für mich bei diesen Buch. Eigentlich dürfte ich der Geschichte nur einen Stern geben. Sie gefällt mir nämlich überhaupt nicht.
Ich hasse den Gedanken, dass es Menschen wie Jochen gibt oder geben könnte, und ich bin entsetzt darüber, was Ben und Paul erlitten haben, wie zerstört ihre Seelen sind.

Aber es gibt auch einen anderen Aspekt: „Ben: Liebe am Abgrund“ ist großartig geschrieben und hat mich weit aus meiner persönlichen Wohlfühlzone weit herausgezogen. Ich bin Ben und Paul in den Abgrund gefolgt und habe voller Angst gefiebert, ob es für sie einen Ausweg gibt und wohin sie sich danach wohl wenden werden.
Ich will hier das Ende der Story natürlich nicht spoilern. Aber es passt und es gefällt mir. Die Vergangenheit verlässt uns alle, genau wie bei Ben und Paul, nie. Wir können nur versuchen, Schritt für Schritt unsere eigene Zukunft zu erobern, die alten Monster und Abgründe hinter uns zu lassen, neue zu meiden und stattdessen versuchen, zu den schönen Dingen im Leben zu gelangen und sie zu genießen.

Die Geschichte von Ben und Paul ist mir tief unter die Haut gegangen. Wenn sie nicht so grandios geschrieben wäre, hätte ich den weiten Weg mit den beiden niemals zurücklegen können. Das „gefällt mir sehr gut“ und damit muss ich dem Buch dann doch 5 Punkte geben.

Leseempfehlung? Keine Ahnung. Die Geschichte ist wahnsinnig intensiv erzählt. Aber sie ist wirklich nichts für schwache Nerven. Wer keine Angst davor hat, sich in die dunklen Abgründen der menschlichen Psyche entführen zu lassen, findet hier spannende Unterhaltung.
Vorsicht! Wenn man einmal angefangen hat zu lesen, kann man nicht mehr aufhören!
Wie Ben kann man dann dem Grauen nicht mehr entkommen und muss sich zusammen mit ihm fragen, wie man aus dem Abgrund wieder herausfinden soll. Man MUSS das Buch zu Ende lesen …

Autorenseite: Kooky Rooster

Bildquelle: amazon

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