Dienstag, 2. Dezember 2014

"At home - Teil 1-3" von Savannah Lichtenwald


At home: Die Clique im “Charleston”

Endlich gibt es die gesamte “At home“-Serie von Savannah Lichtenwald in einem Band. Jetzt kann man in einem Rutsch verfolgen, wie sich drei ungewöhnliche Paare finden. Jede der Geschichten ist wunderbar erzählt, verbindet eine Prise Drama mit einer guten Portion Romantik und ist mit geschmackvoller Erotik gewürzt. Keiner der Charaktere wirkt konstruiert. Sie alle sind so echt und lebendig beschrieben, dass man am liebsten in die Bar von Helge gehen möchte, um sich zu ihnen an die Theke zu stellen, sie kennenzulernen und einen der berühmten Cocktails zu schlürfen, die dort gereicht werden.

Hier noch ein paar Details zu den einzelnen Teilen:

1. At home – Für 128 Jahre
Steven ist ein knallharter Ex-Soldat, der sich nun mit verschiedenen Jobs über Wasser hält. Voller Unrast zieht er durch die Welt, weil er ein Zuhause niemals kennengelernt hat. Er will auch keines ...
Marvin wünscht sich ein Zuhause, hat aber ein riesiges Problem: sein durchgeknallter Ex-Freund stalkt ihn und macht ihm richtig Angst.
Als der Steven kennenlernt, bietet der ihm überraschend Schutz an, ohne zu ahnen, was sich für daraus entwickelt wird. Steven hat kein Problem mit Homosexualität, aber er selber steht definitiv auf sexy weibliche Kurven. Ganz sicher! Nur warum findet er plötzlich Marvin so anziehend?
Das muss Freundschaft sein. Oder Freundschaft mir gewissen Extras. Oder ist es doch noch viel mehr?
Die langsame Annäherung der beiden Männer ist wunderschön beschrieben, manchmal lustig und stellenweise verboten romantisch. Die Beziehung der Beiden ist so zärtlich und erotisch beschrieben, dass es schon lange kribbelt, bevor ES wirklich passiert.
Aber gibt es für die zwei wirklich eine gemeinsame Zukunft?

2. Not – At home
Helge, der Besitzer des „Charleston“, in dem sich die Clique immer trifft, ist eine zutiefst romantische Seele. Auf den buchstäblich allerersten Blick in die Augen des schüchternen Jannik verliebt er sich in den Mann. Leider versteckt der sich aber immer hinter einer hässlichen, riesigen, verspiegelten Brille und bringt kaum einmal ein Wort heraus. Außerdem klebt er förmlich an seinen Zwillingsbruder Leon. Der bestimmt über jeden Schritt. Ist Jannik ihm etwa hörig?
Erst als etwas Schreckliches geschieht, bemerkt Helge, dass nichts so ist, wie es aussieht. Aber kann und soll er seine Chance nutzen, an Jannik heran zu kommen?
Die Geschichte von Helge und Jannik ist sehr berührend. Sie geht zu Herzen, ist mit der richtigen Prise Humor gewürzt und bleibt im Gedächtnis haften, weil sie nebenher noch eine Menge Tiefgang hat. Sie zeigt mehr als deutlich, was passieren kann, wenn ein Mensch nur wieder nur auf sein Äußeres reduziert wird.

3. At home – With you
Leon musste als Kind hilflos mit ansehen, was sein Vater seinem geliebten Bruder Jannik angetan hat. Wut und das verhasste Gefühl der Hilflosigkeit brodeln bis heute in ihm und die Liebe hält er für eine kitschige Erfindung, die nur dazu da ist, den jeweils anderen zu erpressen, zu manipulieren oder ihm ein schlechtes Gewissen einzureden. Dass mittlerweile die halbe Clique im „Charleston“ turtelt und Zärtlichkeiten austauscht, kommentiert er mit ätzendem Spott.
Sein eigenes Leben ist gerade an einem Tiefpunkt: Nach einem homophoben Überfall hat er ein steifes, vernarbtes Bein zurückbehalten und beruflich läuft es aktuell auch nicht so rund: Andauernd muss er sich darüber ärgern, dass seine Ideen für eine Werbekampange von dem zuständigen PR-Berater einfach nicht abgesegnet werden.
Seine Laune ist also tief im Keller, als er Kay, einen alten Freund von Marvin kennen lernt. Der hübsche, blonde, junge Mann berührt etwas in ihm, das er sich nicht erklären kann.
Was an Kay ganz Besonderes ist, wieso Leon seine Überzeugungen überdenken muss und warum die sich die beiden plötzlich näher sind, als ihnen eigentlich lieb ist, ergibt eine anrührende Geschichte. Hier finden sich zwei Männer, die es nie leicht hatten im Leben und ihre Wunden auf der Haut und im Herzen davongetragen haben. Können sie vielleicht zusammen heilen?

4. Bonus: Nobody  -  At home
Werden Frederike, genannt "Freddy" und der schüchterne Tobias es endlich schaffen, sich ihre Gefühle zu gestehen? Oder muss da jemand nachhelfen, der eigentlich von der Liebe gar nicht hält? (Die Story ist einfach süß!)

Fazit: Savannah Lichtenwald hat einen ganz besonderen Erzählstil. Ihre Geschichten und ihre Helden gehen zu Herzen und bleiben im Gedächtnis haften. Die Storys stecken voller liebenswürdiger Details, die sich zu einem wundervoll stimmigen Gesamtbild zusammenfügen. Dazu tragen auch die tollen Kapitelüberschriften und die immer genau zur Geschichte passenden Zitate bei.
Ich habe die Storys bereits verschlungen, als die Einzelbände auf den Markt gekommen sind und sie dann voller Genuss noch das ein oder andere Mal langsam in aller Ruhe gelesen. Das Erscheinen des Sammelbandes hat mich dazu verführt, mir die Geschichten erneut zu Gemüte zu führen. Sie fallen alle drei auf jeden Fall in die Kategorie: Ruhig mehrmals lesen!!!
Da ich jeder der Geschichten für sich schon 5 Punkte gegeben habe, komme ich auf insgesamt 15 von 5 Punkten. Dazu stehe ich! Leseempfehlung? Klar! Am besten mehrmals!!!

Übrigens: Mein heimlicher Held ist und bleibt Leon. Raue Schale, zuckersüßer Kern ...
Aber: Psssssssssst! Das hört er nicht gerne.

Achtung: Das Buch gibt es auch als Print! Leider wird dies bei einem bekannten Online-Buchhändler nicht auf einer Seite mit dem e-Book angezeigt.

Bildquelle: amazon

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen