Montag, 19. Januar 2015

"Der Sexgott am falschen Ort" von Norma Banzi


Der Sexgott am falschen OrtSchönheitsideale sind verschieden!

Der Surfprofi Ken hat Mist gebaut und muss deshalb einige Zeit in einer Kleinstadt in der tiefsten Provinz verbringen, weit weg von allen Versuchungen, aber auch von dem Meer, dass er so sehr liebt. Zu seiner Überraschung erblickt er eines Tages Jeff, der sein Herz augenblicklich schneller schlagen lässt, während sein Blut sich in Richtung Süden begibt. Jeff reagiert misstrauisch und schüchtern auf seine Flirtversuche. Hat hier etwa noch keiner diesen Sexgott für sich entdeckt?

Jeff kann gar nicht glauben, wer sich da plötzlich für ihn interessiert! Ken scheint direkt aus seinen feuchten Träumen zu entstammen. Was bringt diesen göttlichen Mann nur dazu, Zeit mit ihm zu verbringen?

Der Sexgott am falschen Ort“ ist der zweite Teil der „Lake Beautown“-Reihe von Norma Banzi. Manche Leser werden Ken und Jeff schon als Nebencharaktere aus „Sonne, Strand, Cocktails und zwei knallharte Seals“ kennen. Hier erfährt man endlich, wie sie sich kennengelernt haben.

Ich war ziemlich gespannt auf ihre Geschichte, weil mit Jeff ein ungewöhnlicher Held präsentiert wird. Er ist … O.K.: Mit deutlichen Worten gesagt: Jeff ist ziemlich fett. Dieses Schicksal teilt er mit vielen realen Menschen, die sich in seinen Zweifeln und Ängsten gut wiederfinden werden. Wie so oft im echten Leben ist Jeff wegen seiner Figur das Opfer von Spott und Häme und bleibt zunächst einmal alleine. Allerdings sind natürlich nicht alle Übergewichtigen einsam und unglücklich. Der Ansatz, dass Jeff für Ken ein Schönheitsideal verkörpert, weil dessen kultureller Hintergrund nicht so auf schlanke Menschen fixiert ist, gibt eine gute Grundlage für die Geschichte ab. Was dann folgt, finde ich außerordentlich interessant. Wie sehr kann und will sich jemand für die Liebe ändern? Ist er danach überhaupt noch der gleiche Mensch? Oder ist eine Weiterentwicklung (gerade bei jungen Leuten) nicht ganz natürlich?

Norma Banzi erzählt die Geschichte von Jeff und Ken gewohnt offenherzig und mit deutlichen Worten. Natürlich dürfen auch ein paar explizite Szenen nicht fehlen, aber hier geht es doch her darum, wie sich aus spontanem, sexuellem Interesse eine Freundschaft und vielleicht auch mehr bildet.

Richtig witzig und sehr lebendig fand ich auch dieses Mal die Nebenfiguren. Sheriff Grant und seinen Lover Steve kennt man ja bereits aus „Der Weihnachtssheriff“, aber Jeffs auch Familie ist einen zweiten Blick wert. Seine selbstbewusste (übrigens mollige) Schwester Heather, sein gutmütiger Bruder und seine Eltern, die ziemlich pragmatisch versuchen, über die Runden zu kommen, sind klasse beschreiben. Der Umgangston in der Familie fällt eindeutig unter die Kategorie „Hart, aber Herzlich!“. Dabei kristallisiert sich nach und nach heraus, das Jeffs Mutter und Vater zwar echte Kleinstadtbewohner sind, aber trotzdem auf die gängige Moral pfeifen, wenn es um das Glück ihrer Kinder (oder um das eigene!) geht.

Ich mag diese Geschichte total. Wer hier der „Sexgott am falschen Ort“ ist, darauf gibt hier keine so eindeutige Antwort, wie ich am Anfang noch gedacht habe. Wenn man die Story aufmerksam liest, findet man eine Menge Menschen darin, die völlig unterschiedlichen Schönheitsidealen huldigen. Das hat mir richtig gut gefallen!!!

Deshalb erhält die Story vom mir fette 5 Punkte und eine dicke Leseempfehlung. Sie spricht es nicht offen aus, aber in meinen Augen ist dies ihr Fazit: Wenn sich ein Mensch in seinem Körper wohlfühlt, strahlt er seine ganz eigene Schönheit aus. Das Gewicht ist dabei zweitrangig und genau dann befindet sich der Sexgott wieder am richtigen Ort!



Bisher erschienen in der Lake Beatown - Reihe:

1. Teil: 
Der Weihnachtssheriff
2. Teil: 
Der Sexgott am falschen Ort


Link zur Homepage: Norma Banzi 

Bildquelle: amazon

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