Dienstag, 13. Januar 2015

"Gefährlicher Geliebter" von Alexa Lor

Zweite Auflage, überarbeitet und mit einen wunderschönen, neuen Cover erschienen:


Ich habe die Geschichte von Sean und Torben mittlerweile mehr als einmal gelesen und freue mich total, dass der Main-Verlag, der jetzt die Rechte an dem Buch hat, eine Fortsetzung verspricht.



Viel mehr als eine Romanze!

Sean gibt nach außen hin den treusorgenden Familienvater und den braven Biologen. Aber das einzig echte Gefühl, das er zeigt, ist die Liebe für seine kleine Tochter Molly. Ansonsten ist sein Leben eine einzige Lüge. Seine Ehe ist eine Farce, eigentlich sehnt er sich danach, seine Homosexualität endlich ausleben zu können. Seinen Job hasst er. Ohne es wirklich zu wollen, ist er in der Hierarchie der Firma aufgestiegen und hat nun eine Position inne, die mit der Erforschung und Rettung von Leben nur wenig zu tun hat. Von seiner eigenen Neugier in die Falle gelockt, muss er grausame Tests an Vampiren durchführen, deren Existenz der Öffentlichkeit vorenthalten wird. Sie gelten als blutrünstige Bestien …
Sean will diese Aussage nicht hinterfragen, bis er eines Tages Tarben als Versuchsobjekt in seinem Labor findet. Von Tarben kann er sich nicht distanzieren, indem er in ihm nur eine Nummer sieht und ihn als ein „es“ bezeichnet, als ein Ding. Tarben hat einen Namen. Er kennt Tarben als Mann. Er weiß, wie es sich anfühlt, wenn Tarben ihm intim berührt. Tarben hat sich in Freiheit ihm gegenüber nicht wie eine gefährliche Bestie, sondern wie ein leidenschaftlicher Liebhaber verhalten. Sean bekommt Tarben einfach nicht aus dem Kopf und fasst einen Entschluss, der nicht nur sein Leben für immer verändert …

Man kann „Gefährlicher Geliebter“ von Alexa Lor als spannende Urban Fantasy Romanze mit einen guten Schuss Thriller lesen, sich in der Aktion und den heißen Szenen verlieren und atemlos verfolgen, ob und wie es Sean und Tarben schaffen, gegen jede Chance aus dem Labor zu entkommen und einen Platz zu finden, an dem sie in Sicherheit leben können. Die Geschichte ist temporeich erzählt, die Charaktere sind schlüssig und die Welt, die Alexa Lor entwirft, ist richtig interessant. Die Gesellschaft der Vampire mit ihren traditionsgebundenen Adelsfamilien und der herrschenden Monarchie erinnern übrigens ein wenig an J.R. Ward, es finden sich aber auch genug interessante Unterschiede. Besonders gefallen hat mir, dass es noch weitere paranormale Spezies gibt, die mehr oder weniger entspannt miteinander umgehen. (Ich bin nun jedenfalls auf „Liebe unaufhörlich (Jäger der Dessla 1)“ neugierig, eine Serie der Autorin, die im selben Universum spielt).

Ich muss gestehen, dass ich weder Tarben noch Sean am Anfang besonders sympathisch fand. Beide wirken eher kühl. Während Tarben wenigsten ehrlich ist und dafür auch eine Menge negative Reaktionen in Kauf nimmt, scheint Seans Leben eine einzige Lüge zu sein. Er hat sich sein ganzes bisheriges Leben treiben lassen und ist so in einer Ehe und einem Job gelandet, die er eigentlich gar nicht will.
Es ist aber unheimlich spannend zu lesen, wie die beiden Männer nach und nach verstehen, dass sie „Alles“ füreinander sein könnten, aber dass sie darum, wie um ihr Leben, hart kämpfen müssen. Traben und Sean nehmen das Schicksal in ihre eigenen Hände und wachsen dabei über sich selber hinaus. Mir sind sie dabei so sehr ans Herz gewachsen, dass ich auf eine Fortsetzung des Handlungsbogens rund um die Vampire und die Firma Phober hoffe, in der ich die Beiden, aber auch die interessanten Nebencharaktere, noch einmal wieder treffe.

Nun komme ich zu einem Aspekt, der mir von Anfang an außerordentlich gut gefallen hat: Natürlich ist das hier in erster Linie ein spannender Fantasy Roman, der vor allem der Unterhaltung dient (und der hin und wieder in Hollywood-Manier mehr Opfer fordert, als man zählen möchte ...).
Aber er hat auch einen sehr ernsten Hintergrund: Ausgrenzung von Randgruppen und Entmenschlichung, unter dem Deckmantel der dafür missbrauchten Wissenschaften. Allein der Firmenname „Phober“ ist ein deutlicher Hinweis. Die Firma schürt zuerst Ängste (Phobien) und macht dann Geschäfte damit, eine angebliche Lösung anzubieten. Die Beschreibung der Forschungen, die eigentlich Folterungen sind, ist grausam deutlich. Umso beklemmender ist es, zusammen mit Sean festzustellen, dass sie keinem echten Zweck dienen und dass die wirklich interessanten Fragen zum Vampirismus nie gestellt worden sind. Ob man mit den genannten Methoden eine vernünftige Antwort bekommen hätte, ist sowieso zweifelhaft.
Wie im richtigen Leben gibt die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe / Rasse erst einmal keinerlei Auskunft darüber, ob eine Person „gut“ oder „böse“ ist. Das zeigt sich erst in ihren Handlungen …

Fazit: „
Gefährlicher Geliebter“ von Alexa Lor ist ein interessantes, aber kein einfaches Buch. Die Beschreibungen der Grausamkeiten, aber auch der Liebe, die Sean und Tarben empfinden, sind zu intensiv, als dass man die Geschichte lesen und gleich wieder vergessen könnte. Bei aller Spannung und Unterhaltung, die geboten werden, bleibt es doch nicht aus, dass man nachdenklich wird. Die Welt ist halt nicht nur schwarz und weiß.
Mir jedenfalls hat das Buch mit jeder Seite besser gefallen. Deshalb gebe ich hier 5 Punkte und eine Leseempfehlung. Diese allerdings mit der kleinen Einschränkung, dass man hier keine locker-flockige Vampir-Romanze findet, sondern eine Geschichte, die bei aller Leidenschaft stellenweise sehr hart ist und die einen länger nicht loslassen wird.

Anmerkung: Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Sean und von Tarben erzählt. Dabei ist man als Leser sehr (!) nah am Geschehen dran und darf sogar an den bisweilen recht unverblümten Gedanken der beiden teilhaben. Das sorgt dann hin und wieder für ein Schmunzeln, dass man als Leser bei der Intensität der Geschichte braucht, damit sie nicht ins Drama abrutscht.


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Gefährlicher Geliebter 
Liebe unaufhörlich (Jäger der Dessla 1)
- Liebe unwiderruflich (Jäger der Dessla 2)
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Gefährlicher Geliebter
Nur zur Info: So sah das alte Cover aus:

Bildquelle: Sieben Verlag

1 Kommentar:

  1. Hallo liebe Ulla!
    Vielen lieben Dank für diese tolle Rezension, über die ich mich wirklich, wirklich, wirklich seeeehr gefreut habe.
    Die versprochene Fortsetzung GG2 ist sogar soweit schon fertig geschrieben. Sie wird "Gefährlicher Geliebter - Göttliche Intrigen" heißen und liegt dem Main-Verlag bereits vor. Da darin jedoch Figuren vorkommen, die man (wenn man auch die Dessla-Serie liest) erst im 3. Dessla-Teil kennenlernt, wird dieser zuerst veröffentlicht werden, sonst würde GG2 zu viel daraus vorweg verraten. GG2 wird wohl so im Oktober rum erscheinen (aber nagele mich nicht darauf fest, denn das ist ja vorwiegend die Entscheidung des Verlags).
    Und, um es gleich vorweg zu nehmen: Momentan plotte ich gerade am dritten Teil! Aber - psssst - nicht weitersagen! :)
    Liebe und herzliche Grüße,
    Alexa Lor

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