Sonntag, 18. Januar 2015

"Liebe unaufhörlich (Jäger der Dessla 1)" von Alexa Lor

Komm in die Puschen, Mann!

Das möchte man als Leser Gor mehr als einmal zurufen, als der Anführer einer Truppe unsterblicher Jäger nach mehr als 300 Jahren endlich wieder auf seine totgeglaubte Liebste Inkia trifft. Sie hatten einander einen in der Kultur der Dessla besonderen Schwur geleistet, um eine entgegen aller Standesgrenzen ihr Leben zusammen verbringen zu können, wurden aber durch unglückliche Umstände und eine Intrige getrennt.
Das Gor gerade eine neue Gefährtin genommen hat, wäre bei den Dessla kein Grund, nicht auch mit Inkia zusammen zu leben. Aber diese ist nach einem Leben in Leibeigenschaft nun endlich frei. Wird sie Gor als Partner überhaupt noch wollen?
Als hätte er nicht gerade genug privaten Stress, scheint die ganze paranormale Welt verrückt zu spielen und Gor und seine Jäger wissen bald vor lauter Aufträgen nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht …

Wie schon bei „Gefährlicher Geliebter“ , einem weiteren Buch von Alexa Lor, das im gleichen Universum spielt und eine Art Side-Story zu „Die Jäger der Dessla“ ist, habe ich einen Moment gebraucht um in die Geschichte einzusteigen. Und wieder muss ich sagen: Dieses Buch wird mit jeder Seite besser!

Inkia aus "Liebe unaufhörlich (Jäger der Dessla 1)" ist eine wirklich sympatische Heldin, die nie leicht hatte, sich aber nun endlich ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben mit einem Job, der sie erfüllt, und Freunden, mit denen sie sich gut versteht, aufgebaut hat. Nur ihr Herz gehört nach wie vor Gor, den sie über alles geliebt und dann verloren hat. Dass sein Tod eine Lüge war, ist ein Schock für sie. Aber für Inkia ist es gar nicht so einfach herauszufinden, wer sie belogen hat und warum.
Inkia strahlt eine ruhige Freundlichkeit aus, die wirklich sympathisch wirkt. Man glaubt sofort, dass mehr als ein Mann an ihr interessiert ist und fragt sich, warum sie noch so lange an dem ziemlich stoffeligen Gor festhält.

Mit Gor wird man nicht so schnell warm. Er scheint irgendwie überhaupt keine Ahnung von Frauen zu haben. Aber nach und nach enthüllt sich, dass er zwar immer gute Freunde hatte, aber nach Inkia niemals wieder sein Herz für jemanden wirklich öffnen konnte oder wollte. Seine Gefühle für sie sind heute noch genauso tief, wie vor dreihundert Jahren. Da er danach nie mehr geliebt hat, ist er am Anfang mit der Situation schlichtweg überfordert. Er hat schreckliche Angst, seine Inkia, die einzige Frau, die ihm je etwas bedeutet hat, könnte ihn zurückweisen.
Ich muss gestehen, diese kleine, allzumenschliche Unsicherheit hat mich schließlich dazu gebracht, Gor richtig zu mögen.

Alexa Lor konzentriert sich aber in diesem ersten Band der Serie nicht nur auf ihre beiden Helden, sondern stellt auch die anderen Jäger, ihre Freunde und Feinde, sowie die interessante Kultur der gesamten paranormalen Welt vor. Überraschenderweise spielt das Buch nicht im fernen Amerika, sondern im beschaulichen Bayern. Obwohl die Dessla und sogar die von uns unwissenden Menschen als Vampire bezeichneten „Wempyre“ gern in ruhigen Kleinstädten und bürgerlichen Mietshäusern leben, ist ihr Alltag so spannend, wie man das bei einem Roman dieses Genres erwarten kann.
Die interessanten Nebencharaktere lassen auf eine ganze Reihe weiterer Geschichten hoffen. Ich freue mich jetzt schon auf den im Mai erscheinenden Band 2 „
Liebe unwiderruflich“ in dem Krus hoffentlich sein Glück finden. Aber auch Temm und der „Angerol“-Mischling Manus sind hochinteressante Gestalten. Sogar der Wempyr Max und der Lykomorph Estobar sind alles andere als eindimensional und sorgen für eine echte Überraschung.

Besonders gut gefallen hat mir schon in „
Gefährlicher Geliebter“, dass die Welt, die Alexa Lor den Lesern präsentiert, nicht so einfach in Schwarz und Weiß einzuteilen ist. Wenn man viel in diesem Genre liest, bleibt natürlich auch der Vergleich mit anderen Urban Fantasy Serien nicht aus. Ich mag die allseits bekannten Bücher und Serien auch sehr gerne und verschlinge jedes einzelne davon, aber manchmal finde ich es schade, dass die „Bösewichte“ dort eigentlich keine Chance haben, sich für die eine oder die andere Seite zu entscheiden. Das macht es zwar für die Helden moralisch leichter, sie zu killen, aber interessanter ist ein anderer Ansatz: Die „Guten“ und die „Bösen“ bei Alexa Lor sind nicht so klar zu unterscheiden. Es kommt immer auf die einzelne Person an, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist noch lange keine Garantie für moralische Überlegenheit.
In „
Liebe unaufhörlich“ geht es zwar in erster Linie darum, wie sich Gor und Inkia (wieder-) finden, aber der Serienauftakt lässt schon erahnen, dass die gesamte Welt vor großen Veränderungen steht.
Ich freue mich wirklich darauf, zu lesen, was die Zukunft für die Jäger bereit hält, welche Allianzen die Dessla noch schließen werden und wie gewissen Personen ihre Ehrenschulden zurückzahlen wollen …

Ich glaube man merkt meiner Rezi meine Begeisterung und die gespannte Erwartung an, die sich beim Lesen aufgebaut hat. Ich geben jedenfalls für diesen tollen Serieneinstieg gerne 5 Punkte, eine Leseempfehlung und eine Warnung: Vorsicht! Suchtgefahr!

Wer davor keine Angst hat, hier zur Info eine Übersicht der
 Bücher von Alexa Lor:
Gefährlicher Geliebter 
Liebe unaufhörlich (Jäger der Dessla 1)
- Liebe unwiderruflich (Jäger der Dessla 2)


Bildquelle: amazon



Liebe unaufhörlichNur zu Info: So sah das alte Cover aus:

Bildquelle: Sieben Verlag

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