Freitag, 2. Januar 2015

"Schneeseelen" von Nathan Jaeger

Schneeseelen
Winterkälte und Herzenswärme

Jaron hat eine harte Zeit hinter sich und versucht, in seiner alten Heimatstadt zu sich selbst zurück zu finden. Unter einem Pseudonym ist er eine Person des öffentlichen Lebens, aber eigentlich möchte er einfach nur wieder er selbst sein.
Als er Mika trifft, muss er sich entscheiden: Wagt er es, sein Herz zu öffnen und erneut jemandem zu vertrauen, oder haben seine Erlebnisse ihn zu sehr verletzt und unfähig gemacht, einen Menschen an sich heran zu lassen?
Mika würde gut zu ihm passen und sie haben sogar mehr gemeinsam, als Jaron im ersten Moment ahnen kann. Aber wieso bloß wirkt der junge Mann oft so unsicher?

Mit „Schneeseelen“ hat Nathan Jaeger eine Geschichte geschaffen, die ich schwer einordnen kann. Sie erzählt einfühlsam vom Beginn einer zärtlichen Liebe zwischen zwei Männern, die füreinander geschaffen zu sein scheinen. Beide jedoch tragen Ballast aus der Vergangenheit mit sich herum, der es ihnen nicht leicht macht.
Zu sagen, dies wäre „nur“ eine Romanze, ist zu einfach. Ohne zu dramatisieren, aber gerade deshalb sehr eindringlich, fließen andere Themen ein. Besonders berührt hat mich die Schilderung der alltäglichen Spitzen, die die beiden Männer wegen ihrer sexuellen Orientierung in der Nachbarschaft und sogar in der eigenen Familie ertragen müssen. Auch die Rolle, die ein Mensch in der eigenen Familie spielt, und die sich naturgemäß mit zunehmendem Alter ändern sollte, wird beleuchtet. Manchmal ist es für Eltern so schwer, ihre erwachsenen Kinder los zu lassen, wie für diese, einen neuen Platz zu finden.
Zusätzlich fließt noch ein, wie schwierig es ist, wenn Fans vergessen, dass der Star (in diesem Falle der Starautor) ein Recht auf ein Privatleben hat und respektlos Grenzen überschreiten. Gerade in sozialen Netzwerken erlauben sich virtuelle Freunde Dinge, die reale Freunde niemals machen würden.

Hört sich nach viel an, für einen Kurzroman ...
Vielleicht deshalb habe ich das Buch schon zweimal gelesen und trotzdem länger gebraucht, um meine Eindrücke in Worte zu fassen. Dabei wirkt die Geschichte übrigens keinen Moment lang überladen! Im Gegenteil: Ich hatte das Gefühl, als wären Jaron und Mika sehr real und würden mir das Privileg einräumen, sie eine Weile auf ihrem Weg zu begleiten. Sie sind so komplex und lebendig angelegt, wie man es von Nathan Jaeger gewohnt ist. Seine Helden scheinen immer zu atmen und nicht nur zwischen den Buchdeckeln zu existieren.
Ob und wieviel eigene Erfahrungen verarbeitet worden sind? Keine Ahnung. Es spielt in meinen Augen weder für die Qualität der Geschichte noch für das Lesevergnügen eine Rolle.

Ob man nun „Schneeseelen“ als wunderbare Romanze, als kritischen Blick auf die immer noch alltägliche Homophobie oder als Plädoyer für Respekt im Umgang persönlichen Grenzen liest, ist egal. Hauptsache man liest es!
Nur dann kann man mit Jaron und Mika erleben, wie sich inmitten des eisig kalten Winters ihre Herzen nach und nach füreinander erwärmen (und das des Lesers gleich mitnehmen …) und mit den beiden fiebern, ob und wie sie es schaffen einen gemeinsamen Platz in ihrer Welt zu finden.

Das Buch ist zärtlich, nachdenklich, wunderschön geschrieben und bei aller Dramatik hin und wieder richtig komisch. Dafür sorgen schon allein „Herr Leopold“ und die „Jungs“.
Fazit: Mindestens 5 Punkte und unbedingt eine Leseempfehlung!


P.S.: In "Jahreszeiten - Winter" gibt es eine kleine, wunderschöne Fortsetzung der Geschichte um Mika und Jaron. Die sollte man nicht verpassen!!!

Autorenhomepage: Nathan Jaeger

Bildquelle: amazon

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