Mittwoch, 14. Januar 2015

"Verbunden - Helen & Ben 1" von Greta Ley


Romantische Liebe in einer fremdbestimmten Welt

Das Regime beschützt seine Bürger und bestimmt dafür im Gegenzug jedes noch so kleine Detail ihres Lebens. Helen hinterfragt dieses System nicht. Als Tochter eines hochrangigen Beamten tut sie alles, um ihre Eltern zufrieden zu stellen.
Das sogenannte „Seelenlose“ den Menschen als Sklaven dienen, ist für die junge Frau so selbstverständlich, wie die ständige Überwachung, der sie sich bereitwillig unterwirft.
Als angehende Ärztin muss sie in einer Prüfung ein einziges Mal einen Seelenlosen zähmen, danach sollte sie dies eigentlich nie wieder tun müssen. Voller Entsetzen stellt sie fest, dass man ihr einen extrem wilden und gefährlichen Mann zugeteilt hat. Helen kann nicht anders und leitet die schmerzvolle Prozedur ein. Aber Ben geht ihr nicht mehr aus dem Kopf …
Ben ist auf einer geheimen Mission, als man ihn gefangen nimmt. Er weiß, was man mit ihm machen wird und hat dieses Risiko bewusst in Kauf genommen. Womit er nicht gerechnet hat, ist eine wunderschöne, junge Ärztin namens Helen. Er erkennt sofort, dass sie etwas ganz Besonderes ist. Seine Gefühle intensivieren sich, als das Schicksal sie erneut zusammenführt. Aber kann und darf er darüber sein eigentliches Ziel vergessen?

Verbunden – Helen und Ben 1“ ist entgegen meiner Erwartungen keine typische Vampir-Love-Story sondern eine interessante Dystopie mit einem leichten Fantasy-Anteil. Greta Ley präsentiert eine Welt, die nur auf den ersten Blick fremdartig wirkt. Wie weit sind wir eigentlich noch von einer totalen Überwachung entfernt, die uns unter dem Deckmantel des Strebens nach Sicherheit verkauft wird?
Die Einteilung der Menschen in ein Zweiklassen-System ist beklemmend. Hier zeigt sich deutlich, wieviel Macht Sprache haben kann: Es ist vielleicht für einen guten Demagogen nicht schwierig zu begründen, warum ein „Unsterblicher“ eine Gefahr für Menschen ist. Die Bezeichnung „Seelenloser“ macht es aber erst möglich, ihn wie ein (seelenloses!) Ding zu behandeln, ihn unter schrecklichen Schmerzen zu verstümmeln und ihn damit zu „zähmen“, ihn als Sklave in Fesseln zu legen und nach Belieben zu benutzen. Das dahinter etwas ganz anderes steckt, wird dem Leser relativ schnell klar …
Auch die Gedanken zur Medizin finde ich in der Geschichte außerordentlich spannend. Die Ausbildung der Ärzte konzentriert sich mehr oder weniger auf eine einzige „Heilmethode“. Das Wissen um andere Behandlungsmöglichkeiten ist völlig verloren gegangen und Helen muss sich sogar dafür verantworten, dass sie einen jungen Patienten durch Bens Hilfe mit einer „antiken Technik“ rettet. (Wenn das nicht mal Parallelen zur heutigen „Gerätemedizin“ und den bedenkenlosen Einsatz von Antibiotika als Allheilmittel aufzeigt …)
Fast schon perfide und heute gar nicht mehr so schwer vorstellbar ist die Reglung, dass nur „perfekte“ Menschen sich fortpflanzen dürfen. Ihre Gene sollen keinerlei Defekte aufweisen und die Befruchtung findet im Labor statt. Beklemmend ist hier die Definition von „Defekt“. Wer legt das eigentlich fest?

Dass all diese Einschränkungen bei den Menschen Widerstand hervorrufen, verwundert natürlich nicht. Aber bei einem System, dass allmächtig zu sein scheint, ist es mehr als schwierig, sich aufzulehnen. Man kann den Leuten, die sich angepasst haben, weil sie um ihr Leben fürchten, oder aber, weil sie es einfach nicht besser wissen, keinen Vorwurf machen. Das wird in der Geschichte sehr deutlich.
Unter dem Aspekt der Dystopie verdient die Geschichte von Greta Ley auf jeden Fall 5 Punkte.

Leider gibt es in meinen Augen ein kleines „aber“:
Die wachsende Beziehung von Helen und Ben nimmt im Buch einen großen Raum ein. Sie sind ja schließlich auch die Titelhelden. Allerdings haben sie mich mehr als einmal irritiert. Beide wirken sehr (!!!) jung. Bei Helen ist das fast noch verständlich, schließlich ist sie extrem behütet aufgewachsen. Ben dagegen ist über 500 Jahre alt und gilt als außerordentlich gefährlich. Dass ein solcher Mann trotz seiner aufkeimenden Liebe zu Helen sich so angepasst gibt, fand ich sehr schwer vorstellbar. Erst mit Hilfe von Helens Bruder Vik schaffen es die beiden schließlich, … (*grins* Nö. Mehr sage ich nicht. Das wäre sonst ein echter Spoiler!)

Vielleicht lese ich mittlerweile zuviele "erotische" Romanzen, aber die Unschuld, mit der sich Helen und Ben sehr lange begegnen, fand ich für zwei verliebte Erwachsene nicht wirklich glaubwürdig. Für mich wurde erst sehr spät im Buch klar, warum Sex für Helen zu Beginn eigentlich kein Thema war. Bei Ben habe ich es (ehrlich gesagt) bis zum Schluss nicht so richtig verstanden. Dabei geht es mir hier nicht darum, krampfhaft irgendwelche expliziten Szenen in das Buch einzufügen, sondern eher darum, dass Teile der Geschichte schließlich auch aus Bens Sicht erzählt werden. Von ihm hätte ich schon den einen oder anderen Gedanken zum Thema erwartet.

Gerade weil auf deutliche Schilderungen verzichtet wird und in der Liebesgeschichte die Betonung eher auf der romantischen Seite liegt, dass Buch sich aber intensiv mit den Folgen beschäftigt, die das Leben unter einem totalitären System nach sich ziehen könnte, ist die Geschichte in meinen Augen auch für junge Leser geeignet. Dazu passt, dass sich Helen im Laufe der Zeit mehr und mehr von ihren Eltern emanzipiert, eine Thematik also, die vor allem für Jugendliche interessant ist.

Fazit: Insgesamt habe ich voller Spannung verfolgt, ob und wie Helen und Ben, trotz aller Widerstände durch das übermächtige Regime, einen Weg finden ein Paar zu werden und in Freiheit zu leben. Die Welt, die Greta Ley entworfen hat, finde ich faszinierend. Die Love-Story hat in meinen Augen kleinere Schwächen, die allerdings gegen Ende weniger werden, weil sich dort einige Dinge aufklären.

Zusammengefasst finde ich das Buch gut und es erhält damit von mir 4 Punkte und eine Leseempfehlung, die auch für Jugendliche gilt.
Der Titel „Verbunden – Helen und Ben 1“ weist darauf hin, dass es noch eine weitere Folge geben wird. Ich bin ehrlich gespannt, wie es weitergeht und möchte unbedingt wissen, wie sich die Welt, in der sie leben, weiterentwickelt.


Bildquelle: bookshouse
 

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