Freitag, 16. Januar 2015

"Winterlied" von Katjana May



Voller Magie ...

Ein eisig kalter Wintersturm zwingt die „Wanderer“ in der Burg Falkenflug unterzuschlüpfen, obwohl diese als verflucht gilt und ihre Bewohner den Fremden abweisend gegenüberstehen. Tir will die Beleidigungen nicht auf sich sitzen lassen, sucht seinen eigenen Weg, seinen Wert zu beweisen und erfährt dabei Dinge über sich selbst, die ihn überraschen.
Gemeinsam mit der Ailys, der blinden Tochter des Burgherren, kommt er einem uralten Geheimnis auf die Spur.

Ich bin durch Zufall über dieses Buch gestolpert und war davon völlig hingerissen! Die Geschichte ist auf so vielen Ebenen gut, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll:

Zum ersten ist „Winterlied“ von Katjana May in einer wunderschönen Sprache verfasst. Wie die Melodien, mit denen die Wanderer die Burgbewohner unterhalten, schleichen sich die sorgsam gesetzten Worte unter die Haut und setzten sich dann mitten im Herzen fest. Dabei führen sie wunderbar leicht durch das Geschehen. Nie hat man das Gefühl, ein einziger Ton wäre falsch. Jedes Wort passt.

Dann fand ich die Symbolik einfach großartig: Der eiskalte Winter, die Stürme und die Dunkelheit, die im ersten Teil zusammen mit der Spannung immer mehr zunehmen und an Mittwinter ihren Höhepunkt finden. Zusammen mit den steigenden Temperaturen und der Erwartung des Frühlings, kommen auch Tir und Ailys der Auflösung des Geheimnisses immer näher …

Die Fantasy-Elemente und die Magie sind so wunderbar in das Geschehen eingewoben, dass man als Leser völlig verzaubert zurückbleibt und das Buch nicht aus der Hand legen kann, bis man weiß, wie die Geschichte ausgeht. Sie steckt voller unerwarteter, aber nie unglaubwürdiger Wendungen.

Alle Charaktere sind trotz der Kürze des Romans tief und vielschichtig angelegt. Weder Tir und Ailys, noch die Nebencharaktere sind eindimensional. Mich hat mehr als eine Szene zu Tränen gerührt, mal vor Glück und mal vor Mitgefühl. Besonders anrührend ist immer wieder, wenn die blinde Ailys die Musik der Wanderer hört und vor ihren Augen statt Dunkelheit auf einmal bunte Bilder erscheinen. Aber auch der Ausritt, den Tir ihr ermöglicht, ist so wundervoll beschrieben, dass man die Kälte, den Schnee, aber auch die Sonnenstrahlen auf der Haut zu spüren glaubt und das Glücksgefühl mit Ailys förmlich teilt.

Am liebsten würde ich hier noch seitenweise weiter schwärmen. Damit stehle ich aber dem Leser nur die Zeit, das „Winterlied“ selber kennen zu lernen.
Von mir gibt es hier auf jeden Fall deutlich mehr als 5 Punkte und eine völlig verzauberte Leseempfehlung. Was Tir und Ailys in diesem Winter erleben und erfahren, MUSS man unbedingt mit verfolgen!!!

Anmerkung: „Winterlied“ ist eine wunderschöne Liebegeschichte voller Magie. Man kann sie lesen und wird sich gut unterhalten fühlen, dass garantiere ich.
Sie hat aber bei aller Leichtigkeit zusätzlich eine Tiefe, die gerade unter den aktuellen Geschehnissen aus dem Buch etwas ganz Besonderes macht. Die Wanderer, die Gründe warum sie dazu geworden sind, und das Misstrauen der Burgbewohner gegenüber den Fremden und ihrer ungewohnten Kultur scheinen eine Parabel zu sein, die diese Geschichte verblüffend modern wirken lassen. Darf man daraus ein Märchen mit Happy End machen? Ich finde, ja!
Die Kernaussagen der Geschichte sind nämlich für mich ganz simpel diese: Anders ist nicht schlecht und wenn man sich mit gegenseitigem Respekt, statt mit Misstrauen oder Angst begegnet, kann man nicht nur voneinander lernen, sondern auch voneinander profitieren. Das kann man eigentlich gar nicht oft genug sagen …


Bildquelle: Bookshouse


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