Sonntag, 8. Februar 2015

"Jinn" von Francisca Dwaine


Jinn
Wunderschönes lustiges und überraschend kluges Märchen!

Der verträumte Nori interessiert sich mehr für Geschichte, als für aktuelle Ereignisse, und sammelt Antiquitäten. Eigentlich mag er es in einer festen Beziehung zu leben, aber er ist nicht besonders gut darin, sie zu pflegen. Gerade als er wieder einmal eine in den Sand gesetzt hat, fällt ihm eine alte Lampe in die Hände. Dass sie von einem waschechten Dschinn bewohnt wird, kann ja niemand ahnen!

Jinn stellt Noris Leben komplett auf den Kopf. Mit seiner Mischung aus Unschuld und Verruchtheit, Hilflosigkeit in Alltagdingen und der Macht Wünsche zu erfüllen, überfordert er Nori komplett. Der muss sich nämlich plötzlich nicht nur dauernd fragen, was er sich tatsächlich wünscht, sondern auch noch seiner Umgebung plausibel erklären, warum ein heißer Typ in Haremsklamotten ihn „Meister“ nennt.


Ich habe eine nette Komödie mit ein paar heißen Szenen erwartet, als ich „Jinn“ von Francisca Dwaine aufgeschlagen habe. Genau das steckt auch in dem Buch und macht riesigen Spaß: Wenn Jinn Nori dafür bewundert, dass der angeblich ein mächtiger Magier ist, weil er Wasser ohne Flamme erhitzen kann (dem Wasserkocher sei Dank!) oder dem Regen befehlen kann, zu fallen (in der Dusche) ist das einfach lustig. Witzig ist auch Noris Verlegenheit, wenn Jinn ihn konsequent mit „Meister“ anspricht und nicht nur die Wünsche als Befehl ansieht, die Nori ausspricht, sondern auch dessen geheimste Gedanken erahnt und ihn glücklich machen will.

An der Stelle wird es (finde ich zumindest) richtig interessant! Ohne, dass der Humor verloren geht, gewinnt die Geschichte hier deutlich an Tiefe. Ich will nicht spoilern und die vielen kleinen Beispiele aufzählen, die sich um diese Problematik drehen, die mir alle gut gefallen haben und doch so nachdenklich machen. Kernproblematik bleibt aber Folgendes:
Wenn ich nahezu jeden Wunsch erfüllt bekomme, was soll ich mir dann wirklich wünschen? Und was ist die Erfüllung eines Wunsches überhaupt noch wert? Nori will um seiner selbst willen geliebt werden. Jinn himmelt ihn an. Aber findet er Nori aus eigenem Antrieb heiß, oder nur weil Nori sich das gewünscht hat?
Schließlich findet Nori heraus, wie Jinn seine Freiheit wiedererlangen kann. Bedeutet das etwa auch das Ende ihrer Beziehung?

Ich finde, das „Jinn“ ein ganz wunderbares, klug erzähltes Märchen ist, das man lächelnd genießen kann, das aber trotzdem nachdenklich macht und im Gedächtnis haften bleibt. Deshalb gebe ich gerne 5 Punkte und eine Leseempfehlung.




Waikiki Beach StorysWer die Autorin noch nicht kennt, hat übrigens in den (kostenlosen) "Waikki Beachs Storys" eine Gelegenheit, in eine ihrer Geschichten hineinzulesen. "Hineinlesen" sage ich hier sehr bewusst. Die "Hawaiianischen Erinnerungen"  sind zwar in sich abgeschlossen, die eigentliche Story um Mirco und Phil ist aber ein integraler Bestandteil der "Brunch"-Reihe um ein Kölner Cafe und die Männer, die dort ihr Glück finden.


Bildquelle: amazon

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