Sonntag, 22. Februar 2015

"Kussbilanz 2" von Kooky Rooster

Ein Kuss ist kein Kuss …

… scheint sich auch Kooky Rooster gedacht zu haben und erfreut hier die Leser nach „Kussblianz: Kurzgeschichten Band 1“ mit einem zweiten Sammelband voller Storys, die sich (nicht nur) um die Liebe drehen. In fünf wunderbaren Geschichten suchen und finden sich zwei Lippen, Körper und Herzen. Aber wie immer kommentiert Kooky Rooster das Geschehen aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel und öffnet mal mit witzigen, mal mit scharfsinnigen Worten sowohl das Auge der Protas, als auch das Auge des Lesers für Details, die sich vor der eigenen Nase abspielen und doch scheinbar stets unsichtbar waren. Natürlich kann man nicht mehr wegschauen, wenn man erst einmal weiß, dass sie da sind …

1. Kameragesicht:
Lukas verflucht sich selbst, weil sein „Apell-Ohr“ ihn dazu gebracht hat, für ein Schulprojekt Sven vor laufender Kamera zu küssen. Sonst ist er völlig selbstsicher, aber die Kamera scheint ihn irgendwie zu verändern. Oder ist das etwa Svens samtige Haut? Oder die Berührung seiner Lippen? Lukas weiß plötzlich nicht mehr, was er denken soll.

Diese Geschichte einer überraschenden Erkenntnis ist wunderschön geschrieben, sehr zärtlich und voller selbstironischem Humor. Für mich ist sie ein wunderbares Beispiel dafür, dass Erotik im Kopf beginnt und durch subtile Gesten und Blicke ausgetauscht wird. Bloße Haut braucht man dafür nicht unbedingt. Aber ein Blick auf einen nackten, flachen Bauch, der sich keuchend hebt und senkt, lässt das Kopfkino natürlich auch nicht kalt!
Alleine wegen dieser Geschichte lohnt es sich schon, das Buch zu lesen!

2. Ein Mangel an Fiona
Theo ist schwul und findet das gut. Ok, es ist vielleicht schwierig für einen homosexuellen Mann am Arbeitsplatz seine große Liebe zu finden, aber da kann man halt nix machen. Blöd auch, dass der freie Schreibtisch neben ihm prompt mit einer Frau besetzt wird. Theo will Fiona nicht mögen, aber Fiona ist kompetent, nett, sie sieht toll aus, ist hinreißend, bezaubernd ...

Moment mal? Hat sich Theo etwa in eine Frau verliebt?

Nicht nur Theo, auch der Leser ist zuerst ziemlich überrascht. Hat Kooky Rooster hier eine Heten-Geschichte eingeschmuggelt??? Das Rätsel muss man als Leser schon selber lösen, ich verrate hier nur soviel: „Aus Mangel an Fiona“ ist richtig witzig und macht Spaß, egal wie oft man die Geschichte liest. Alleine der „Post-it-Dialog“ ist es schon wert, die Story wieder und wieder zu genießen. Es besteht deutlich mehr als eine „Null-Prozent-Chance“ sie toll zu finden.

3. Weltfremd

42 ist die Antwort auf alle Fragen. Das weiß jeder, der „Per Anhalter durch die Galaxis“ kennt. Was das mit Ralf, Mario und peinlichen Experimenten zu tun hat … das kann ich jetzt hier auch nicht erklären. Kooky Rooster schon! Sie erzählt diese aberwitzige Geschichte so plausibel, dass man am Ende eine weitere Antwort auf alle Fragen kennt. Bloß verraten kann man sie nicht. Man muss nämlich erst mal Luft holen, das vergisst man vor lauter Lachen während des Lesens die ganze Zeit.

4. Mechanische Abläufe
Also eigentlich fängt alles ganz harmlos an. Aber Paul hat das Kleingedruckte nicht gelesen. Jetzt ist er völlig verzweifelt. Er soll einen Schwulen spielen! Dabei ist er doch gar nicht schwul und auch kein Schauspieler und sogar gespielter Sex erfordert Nähe und überhaupt …

Aber Übung macht den Meister und so beginnt er eine Affäre mit … Ok. Es steht ja im Klappentext: Auch Türrahmen können verflixt sexy sein! Wer das nicht glauben will, der sei gewarnt! Nach dieser Story wird man nie wieder einen Raum betreten ohne in Versuchung zu geraten …
Ne. Das kann und will ich nicht erzählen. Das kann nur Kooky Rooster mit ihrer unvergleichlichen Art.

5. World without Straights
Hier ist der Titel schon Programm. Diese Story ist bei aller Komik die ernsteste in dem Buch. Es wird erschreckend klar, wie oft auch in unserer ach so aufgeklärten Welt Minderheiten im kleinen und großen Diskriminierungen zu kämpfen haben.

Fazit: Ich bin richtig glücklich mit „Kussbilanz: Kurzgeschichten Band 2“. Die Storys sind bei aller Tiefe so lustig, dass ich beim Lesen laut und herzhaft gelacht habe und meine gute Laune in den Alltag retten konnte. (Kann auch daran liegen, dass ich jetzt jeden Türrahmen anlächele, wenn ich einen Raum betrete, die Menschen darin das auf sich beziehen und fröhlich zurücklächeln. Insgesamt verbessert diese Geschichtensammlung das soziale Klima also nachhaltig. ;D)

Bewertung? Echt jetzt? Natürlich die maximal mögliche Punktzahl.
Und eine Lesesempfehlung? Ja! Klar!!! Die Anschaffung lohnt sich alleine schon deshalb, weil jede der Storys nicht nur beim ersten, sondern auch noch beim zehnten Lesen richtig Spaß macht.


Autorenseite: Kooky Rooster
Verlag: bookrix

Bildquelle: amazon

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