Freitag, 27. Februar 2015

"Schuldfrage" von S.B. Sasori

Scharfe Scherben und der Geschmack von Erinnerungen
Cedric ist das, was „normale“ Menschen auch schon einmal einen „Psycho“ nennen. Er ertrinkt in Ängsten und Zwangshandlungen. Besonders schlimm ist es in der Dunkelheit. Licht hilft ihm nicht. Nur Sex, am besten hart und gefühllos …

Mika ist das, was „normale“ Menschen auch schon einmal einen „Penner“ nennen. Er lebt auf der Straße und findet, dass er nichts Besseres verdient hat. Sein einziger Halt ist Greta, in deren Haus er sich manchmal aufwärmen und erholen darf. Greta ahnt allerdings nicht, dass er auch noch aus einem anderen Grund kommt.

Als Cedric und Mika in Gretas Haus aufeinander treffen, sind beide gezwungen sich ihrer Vergangenheit endlich zu stellen. Beide glauben von sich, eine schwere Schuld zu tragen ...


Ich muss gestehen, dass mich diese Geschichte und die Art und Weise, wie sie erzählt wird völlig fasziniert haben. Ich will nicht spoilern, aber zuerst war ich mehr als skeptisch, ob aus der Ausgangsituation glaubhaft Liebe und Verzeihung erwachsen können. (Meist funktioniert das für mich nicht.) "Schuldfrage" ist zu Recht unter „Dramatik“ eingeordnet, es bleibt nämlich bis zum Schluss spannend.

S.B. Sasori hat mit Cedric und Mika zwei sehr ungewöhnlich Charaktere geschaffen, die bei aller Andersartigkeit niemals unglaubwürdig oder unrealistisch wirken. Als Leser spürt man die abgrundtiefe Verzweiflung, die das Leben beider Männer beherrscht und sie an den Rand der Gesellschaft drängt. Cedric und Mika kennen die Dunkelheit. Der eine fürchtet sie, der andere mag sie, weil er glaubt, nicht mehr im Licht stehen zu dürfen.

Als Leser kommt man Cedric und Mika sehr, sehr nahe. Sie halten nichts zurück, sie zeigen in dem Buch ihre auch schlimmsten Seiten. Aber S.B. Sasori schafft es, dass man sich nicht abwendet, sondern neugierig wird. Genauer hinschaut. Sich auf die beiden, die wirklich anders sind einlässt und allmählich verstehen kann, warum sie so und nicht anders handeln.

Besonders Mika, der einen ungewöhnlichen „Tick“ hat, wird man so schnell nicht wieder vergessen. Alleine dafür, diesen im positiven Sinne merk-würdigen(!) Menschen kennenzulernen, hat es sich gelohnt die Geschichte zu lesen.

Bei aller Traurigkeit und Angst, die zwischen den Zeilen immer wieder hervorbrechen, gibt es übrigens auch intensive Glücksmomente, die so wunderschön beschreiben sind, dass sie lange im Gedächtnis haften bleiben.

Für mich es übrigens wieder einmal eine der Geschichten, die ich in meine persönliche Favoritenliste schiebe, damit ich sie auf dem reader möglichst rasch wiederfinde, weil ich sie mehr als einmal lesen will. Wenn man jeden Tag ein Buch verschlingt und dann trotzdem noch eines findet, bei dem man denkt: „WOW! Das hast du so noch nie gelesen!“, ist das schon ein besonderer Moment.

Klar, dass „Schuldfrage“ von S.B. Satori  von mir mindestens 5 Punkte und eine wirklich begeisterte Leseempfehlung erhält.


(Hinweis: Die Rezi ist bei mir unter dem "Klarnamen" der Autorin gelistet: Swantje Berndt)

Bildquelle: amazon

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