Montag, 9. Februar 2015

"Seelenfänger" von Charlotta da Silva

Die dunklen Gassen von London …

William ist verzweifelt! Sein Vater ist tot, er hat seine Arbeit verloren und seine Schwester und deren unehelicher, kleiner Sohn hungern. Als er ganz unten angekommen ist, eröffnet ein geheimnisvoller Fremder ihm unerwartete eine neue Perspektive: William wird Vampirjäger! Eine Rechtfertigung für sein neues, grausames Handwerk ist schnell gefunden, schließlich ist sein Vater mit zwei offiziell nicht erklärbaren Einstichen im Hals gestorben. Vampire müssen vernichtet werden!

Williams Überzeugungen geraten in Wanken, als er in einem Gefangenen ausgerechnet den Mann erkennt, der ihm aus der Not geholfen hat. Richard ist nicht die bösartige Bestie, die Williams Kollegen in ihm sehen. Als sie Richard foltern, fasst William einen folgenschweren Entschluss.


Seelenfänger“ von Charlotta da Silva ist eine hochinteressante, aber keine ganz einfache Geschichte. Was mich von Anfang an fasziniert hat, ist die wunderbar dichte Atmosphäre in dem Roman. Man glaubt sofort, dass man sich im London des 18. Jahrhunderts befindet. Nach Holzrauch riechender Nebel kriecht über das Kopfsteinpflaster der dunklen, engen Gassen und in den Schatten verbergen sich finstere Schurken. Welche Rolle die Vampire wirklich spielen, ist eine echte Überraschung!

Das Buch hat für mich zwei Schwerpunkte: Einmal ist da der wachsende Respekt zwischen William und Richard, der natürlich von einem Ereignis überschatten wird, dass ich hier nicht verraten will. „Freundschaft“ ist vielleicht zu viel gesagt, aber miteinander lernen die beiden, ihr eigenes Schicksal zu akzeptieren.

Richtig gut gefallen hat mir Williams pragmatische Schwester Marie. Ihr Schicksal als Mutter eines unehelichen Kindes ist noch tragischer, als man es zuerst vermutet. Aber Marie gibt niemals auf. Sie hat sich Herzensgüte und Mitleid bewahrt und die zarte Pflanze der Liebe, die zwischen ihr und Richard langsam wächst, ist einfach hinreißend geschildert.

Das Buch bleibt seinem düsteren, bittersüßen Tenor bis zum Ende treu. Ich habe die ganze Zeit auf ein wenig mehr Glück für die Helden gehofft, aber im Grunde kommt alles so, wie es kommen muss. Ich glaube, ich mache es wie Marie und behalte die guten Dinge im Herzen …

Mich hat „Seelenfänger“ tief berührt. Auch wenn die Geschichte manchmal traurig ist, sollte man sie lesen. Sie ist weder eine klassische Vampirgeschichte, noch eine der typischen Urban-Fantasy-Romanzen, sondern mixt diese Genres gekonnt mit einem satten Anteil von historischem Roman. Heraus kommt etwas ganz Neues, Einzigartiges und Lesenswertes.

Deshalb gebe ich gerne, wenn auch ein wenig melancholisch, 5 Punkte und eine Leseempfehlung.


Bildquelle: amazon

Kommentare:

  1. Guten Morgen liebe Ulla, ich habe eine Frage zu "Seelenfänger" ist es ein Gay - Geschichte oder nicht? Ich danke dir im Voraus für Deine Antwort und Danke auch für deine immer tollen Rezensionen.
    LG Jacqueline

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    1. Hallo Jacqueline!
      "Seelenfänger" ist keine Gay-Geschichte. Die Freundschaft zwischen William und Richard ist zwar sehr wichtig für das Buch und die beiden Männer, aber Richard verliebt sich in Marie.
      LG ulla

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