Montag, 9. Februar 2015

"Sommer am See" von Susann Julieva

Abschied von der Kindheit
Das Ferienhaus am See ist für Tom untrennbar mit den glücklichsten Erinnerungen an seine Kindheit verbunden. Voller Wehmut fährt er ein letztes Mal dort hin, um es auszuräumen und für den anstehenden Verkauf auf Vordermann zu bringen.
Ein neuer Nachbar erregt sofort sein Interesse: Samir sieht nicht nur wahnsinnig gut aus, erscheint auch richtig nett zu sein. Leider lebt er mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter zusammen. Oder ist das gar nicht so?
Tom lernt Samir kennen und kleine und große Geheimnisse enthüllen sich. Vielleicht kann Tom in diesem Sommer am See nicht nur endlich den Abschied von seiner Kindheit nehmen, sondern auch mit etwas ganz neuem beginnen …

Dass „Sommer am See“ eine Kurzgeschichte ist, verblüfft mich immer noch. Susann Julieva erzählt auf wenigen Seiten bildgewaltig, komplex, berührend, traurig, hoffnungsvoll und wunderschön von einem Wendepunkt im Leben von Tom. Ich hätte dieser Liste noch problemlos ein paar weitere Adjektive hinzufügen können. Ohne dass die Story überladen ist, hat man das Gefühl, nicht nur die wenigen Tage mit Tom und Samir am See verbracht, sondern einen Einblick in deren ganzes Leben erhalten zu haben. Ich habe die Story zu Ende gelesen und hatte das Gefühl, ein tolles, dickes Buch verschlungen zu haben.

Ich weiß, dass ich ins Schwärmen gerate, aber allein die Schilderung der sommerlichen Idylle ist so toll, dass man nicht nur den mit Entengrütze überwucherten See förmlich vor Augen sieht, nein, man spürt die träge Hitze der Sommersonne auf der Haut und hört das Summen der Insekten und das Zirpen der Grillen. (Keine Ahnung, ob die wirklich erwähnt werden, aber ich bin halb und halb davon überzeugt, dass eine der Mücken aus dem Buch entkommen ist und jetzt durch mein Wohnzimmer schwirrt.)
Die Annäherung zwischen Tom und Samir ist wunderbar dargestellt und so erotisch, dass das Kopfkino auch ohne explizite Szenen auf Hochtouren läuft.

Außerdem hat Susann Julieva noch ganz nebenher ein kleines Thriller-Element eingebaut, einen tragischen Moment, der Toms wundervolle Kindheit abrupt beendet hat und seinen Erinnerungen bei aller Süße eine gewisse Traurigkeit verleiht. Dabei ist nicht die Auflösung das Entscheidende, sondern der Schluss, den Tom für sich daraus zieht.
Ich würde am liebsten noch weiter schwärmen, aber dann wird die Rezi am Ende noch länger als die Geschichte. Tipp (und damit nehme ich die Leseempfehlung hier vorweg): Runterladen, solange sie noch kostenlos ist und unbedingt sofort lesen!!!
(Wenn sie nicht mehr kostenlos ist: Trotzdem kaufen und lesen! Es lohnt sich!)

Fazit: Bei der Schwärmerei weiter oben sind die 5 Punkte für
 Sommer am See“ nur noch reine Formsache. Aber ich gebe sie hier richtig, richtig gerne.

Das Buch gibt es leider nicht mehr "solo", dafür finde man es nun in der Antho: "Yep - Warum nicht anders".

Bildquelle: amazon

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