Samstag, 28. Februar 2015

"Totenstille und andere Kurzgeschichten" von Mira Bluhm

Ganz schön böse!!!

Die Anthologie „Totenstille“ enthält vier sehr unterschiedliche Kurzgeschichten der jungen Autorin Mira Bluhm, die allerdings trotzdem etwas gemeinsam haben: Sie sind richtig gut geschrieben!

1. Ficus Benjamini Vita
„Benjamin“ ist eine Lebendpflanze, die sich Thomas und Ruth voller Begeisterung angeschafft haben. Aber die Haltung stellt sie vor echte Probleme und schließlich bleibt ihnen keine andere Wahl: Benjamin muss zurück in die Gärtnerei! Leider sind Lebendpflanzen aber auch im Tontopf mobil und das Bäumchen ist so hartnäckig wie anhänglich. Ob die selbsternannten Experten wirklich Rat wissen?
Natürlich gibt es keine Lebendpflanzen! Wäre ja auch unvernünftig, sich ein Wesen in die Wohnung zu holen, dessen Ansprüche man nicht kennt und die man dementsprechend nicht erfüllen kann. Falsche Fütterung … ich meinte „Düngung“ und Zeitmangel sind da fast noch die geringsten Probleme. 

Völlig unrealistisch? Von wegen! Die Geschichte hat es in sich und hält ziemlich klug einer Gesellschaft den Spiegel vor, die sich längst nicht mehr mit Hund und Katze als Haustier zufrieden gibt. Was die Exoten davon halten, bliebt im Ungewissen. Sie können sich noch weniger artikulieren als Benjamin …

2. Totenstille
Alexa ist verzweifelt! Alle Kinder auf ihrem Raumschiff sind einer heimtückischen Infektion zum Opfer gefallen. Aber was es damit wirklich auf sich hat und wie das einzige Heilmittel aussieht, das der Besatzung einfällt, ist wirklich … gruselig!
Diese Kurzgeschichte fängt relativ harmlos an. Aber man ahnt schnell, dass sie eigentlich kein gutes Ende nehmen kann. Nix für schwache Nerven!!!

3. Der Hochzeitstag
Georg liebt Katharina, obwohl sie ein komplizierter Mensch zu sein scheint. Wie tief dieses Gefühl wirklich ist, erschließt sich erst am überraschenden Schluss der Geschichte. Ein wenig traurig und bittersüß, aber absolut lesenswert!

4. Schwebezustand
„Schwebezustand“ scheint eine einfache Teenie-First-Love-Story zu sein. Man findet alle typische Elemente darin: Eine Schülerin, die anders ist und deshalb gemobbt wird. Ein guter Freund, der eigentlich mehr sein will. Eine vorsichtige Annäherung …
Eigentlich sind Teenies nicht „meine Baustelle“. Das lese ich nicht unbedingt gerne. Umso überraschter stelle ich fest, dass mich gerade diese Story immer noch beschäftigt. Der letzte Satz hat es nämlich in sich und lässt einen alles noch einmal in einem ganz anderen Licht betrachten.
Mira Bluhm erliegt nicht der Versuchung, dem Leser die Weisheit, die in der Geschichte steckt vorzubeten. Man muss schon selber darauf kommen.

Mein Fazit: Mir haben die vier kleinen, teils bitterbösen, teils klugen Geschichte in "Totenstille" jede für sich richtig gut gefallen. Die Zusammenstellung ist vielleicht ein wenig willkürlich, aber das tut ihrer Qualität keinen Abbruch. Ich gebe der Sammlung gerne 5 Punkte und eine Leseempfehlung.

P.S.: Mir hat (obwohl auch das ein wenig eine Teenie-Geschichte ist) „Untote knutschen nicht“, das aktuelle Buch von Mira Bluhm ebenfalls richtig gut gefallen. Wer sich von „Totenstille“ gut unterhalten fühlt, sollte sich dieses Buch auch unbedingt zu Gemüte führen. Dort hat der schwarze Humor der Autorin ausreichend Platz sich so richtig zu entfalten …

Hier geht es zu meiner Rezi: "Untote knutschen nicht"

Bildquelle: amazon







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