Freitag, 3. April 2015

"Mucksmäuschenstill" von Coco Zinva

Still in einer lauten Welt

Valentin hört alles, was um ihn herum vor sich geht. Aber er ist stumm. Aber er ist stumm. Das macht ihn zum stillen Außenseiter in einer lauten Welt. Valentin hat seine Versuche sich nonverbal mitzuteilen schon fast aufgegeben, weil die meisten Menschen ungeduldig reagieren oder schlicht nicht wissen, wie sie mit ihm umgehen sollen.

Das scheint auch an der neuen Uni nicht anders zu sein. Gleich zu Beginn hat Valentin einen unangenehmen Zusammenstoß mit dem Leon, dem bewunderten Anführer einer angesagten Clique von Studenten. Gutaussehend, wohlhabend, absolut cool und dabei auch noch gut in dem was er macht. Nur in Mathe hat er Probleme. Also soll Valentin ihm Nachhilfe geben. Dass er Leon unheimlich attraktiv findet, macht es für ihn nicht gerade leichter. Er wird aus Leon einfach nicht schlau. Aber er ist völlig fasziniert und stellt entsetzt fest, dass er außerdem auf dem besten Wege ist, sein Herz zu verlieren …

„Mucksmäuschenstill“ von Coco Zinva scheint auf den ersten Blick ein typischer Roman von und für Teenager / junge Erwachsene zu sein.

So kann man die Geschichte auch lesen. Sie hat aber außerdem eine unerwartete Tiefe. Denn natürlich ist nicht alles so, wie es auf den ersten Blick aussieht und unter der Oberfläche liegen eine Menge Schwierigkeiten und Geheimnisse, die sich erst nach und nach erschließen.

Mich persönlich hat an dem Buch von Anfang an besonders die Problematik der „Sprachlosigkeit“ fasziniert. Dass Valentin keine Stimme hat, ist dabei überraschenderweise gar nicht der Kern der Sache. Die Geschichte dreht sich um Kommunikation, darum wie man anderen etwas sagt / vermittelt, so dass sie es auch verstehen. Wie oft im Leben hat man schnell dahergeredet, ohne zu überlegen, was man da gerade ausgesprochen hat? Wie oft hinterfragt man eigentlich, was man da gerade von sich gegeben hat und wie es evtl. auf den Anderen wirken könnte? Wie oft nimmt man Aussagen und Reaktionen sofort persönlich, ohne zu hinterfragen, ob das Gegenüber es überhaupt so gemeint hat?

Coco Zinva verpackt ihre klugen Überlegungen dazu in eine wunderschöne, glaubwürdige Liebesgeschichte mit sympathischen, nachvollziehbaren Helden. Sowohl Leon, als auch Valentin müssen lernen, genau zuzuhören und hinzusehen, bevor sie sich eine Meinung bilden. Daran kann sich der Leser dann nur noch ein Beispiel nehmen.

Einen erhobenen Zeigefinger sucht man übrigens vergeblich. Den braucht man auch gar nicht, die Geschichte ist so gut, die erwischt einen, krallt sich fest und am Ende nickt man sprachlos - aber zufrieden(!) - mit dem Kopf.

Dafür findet man nahezu nebenbei wunderbar zärtliche Szenen zwischen den beiden jungen Männern. Gesten, Blicke aber auch Berührungen sind so intensiv geschildert, dass man vom Lesen eine Gänsehaut bekommt und zwar eine der gute Art!!!

In dem Buch lernen Val und Leon eine Menge über sich selbst, über einander und werden dabei erwachsen. Ob sie auch die wahre Liebe finden? Unbedingt selber lesen! Es lohnt sich auf jeden Fall!

Fazit: „Mucksmäuschenstill“ ist tiefsinnig und zuckersüß, traurig und mitreißend, zärtlich und voller Hoffnung. Ich gebe gerne 5 Punkte und eine begeisterte Leseempfehlung.

Ich habe übrigens in dieser Geschichte meine ersten Worte in Gebärdensprache gelernt. Keine Ahnung, ob ich sie jemals brauche. Aber ich finde es schön, sie in einer weiteren Sprache zu kennen.




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Bildquelle: amazon

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