Dienstag, 28. April 2015

"Rough Ride" von Màili Cavanagh

Ist das wirklich erst 30 Jahre her?
Im Frühjahr 1985 lernt stellt Heath, Sohn und Erbe eines Rinderbarons, einen neuen Cowboy ein. Man sieht Cam an, dass er dringend einen Job braucht, so mager und abgerissen, wie er wirkt. Aber Heath spürt trotzdem vom ersten Moment an, dass er sich zu dem anderen Mann hingezogen fühlt. Auch Cam scheint Interesse zu haben. Gibt es für die beiden Männer eine gemeinsame Zukunft? Das Leben und die Menschen auf eine Ranch sind rau, die Zeit ist knapp und man scheint trotz der Weite der Landschaft niemals unbeobachtet zu sein.
Für Heath beginnt ein weiter, oft sehr einsamer Weg zu sich selbst. Er muss sich nicht nur über seine sexuelle Orientierung klar werden, sondern auch herausfinden, ob Cam wirklich der richtige Mann für ihn ist …

Rough Ride von Màili Cavanagh ist eine melancholische Geschichte, die ganz ruhig erzählt wird und die mich doch oder vielleicht auch deswegen tief berührt hat. Der Klappentext und die Leseprobe verraten nicht wirklich, worum es in dem Buch geht und mich juckt es in den Fingern, weil ich nach Formulierungen suche, meine Begeisterung mitzuteilen, ohne zu spoilern.

„Rough Ride“ ist mehr als eine Romanze. Natürlich geht es um Zuneigung, Liebe, heiße Blicke, sanfte Brührungen und auch explizite Szenen fehlen nicht. Aber die Geschichte geht tiefer: Welche Erwartungen stellt man ans Leben? An einen Partner? Was, wenn man ihn gerne hat, aber eine seiner Neigungen nicht akzeptieren kann? Oder noch schlimmer: Was, wenn man Angst vor seinen eigenen Wünschen hat?

Nicht nur Heath muss sich in der Geschichte damit auseinandersetzen, wer er eigentlich ist und wer er in Zukunft sein will.

Die Story spielt in den 80zigern und das gibt ihr, obwohl es kaum eine Generation her ist, einen völlig anderen Hintergrund als den Gay-Romanzen, die im „heute“ spielen. Die Hysterie und die Vorurteile in Bezug auf AIDS und Schwule scheinen heute völlig absurd zu sein und waren doch damals nahezu an der Tagesordnung. (Teilweise sind sie es heute noch: Auch wenn das nicht unbedingt hier her gehört, Homosexuelle dürfen in Deutschland bis heute kein Blut spenden, eine Reglung die in dieser Zeit entstanden ist und immer noch existiert.) Stimmen, die zur Vernunft und Toleranz mahnten, wurden oft einfach überschrien.

„Political Correctness“ war noch nicht erfunden.

Die Autorin schildert deutlich, welche Folgen ein Outing damals haben konnte (und wahrscheinlich manchmal auch heute noch hat). Sie lässt die Geschichte aber nicht ins Drama abgleiten: Heath findet heraus, wer seine wahren Freunde sind und vor allem, wer er selbst ist und wer er sein möchte.

So. Mehr kann und will ich nicht verraten, sonst spoilere ich am Ende doch noch. Wenigstens beim ersten Lesen sollte aber jeder selbst das Vergnügen haben, herauszufinden, ob, wie und mit wem Heath schließlich glücklich wird.

Die Fragen und Probleme, die die Männer in der Geschichte haben, stellen sich übrigens auch 30 Jahre später noch. Vielleicht sind einige Dinge in 2015 weniger extrem, aber für mich haben die Kernaussagen des Buches nichts an Wahrheit oder Aktualität verloren.

Fazit: Eine berührende Geschichte, die erschreckend klar macht, wie wichtig Toleranz und Besonnenheit sind, aber auch dass man sich auf Dauer nicht vor den eigenen Gefühlen verstecken kann.

Ich habe eine Weile gebraucht, aber je länger ich über das Buch nachdenke, desto besser gefällt es mir. Ich werde Heath und sein Schicksal so schnell nicht vergessen. Also bekommt „Rough Ride“ auf jeden Fall 5 Punkte und eine Leseempfehlung!


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Bildquelle: amazon




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