Dienstag, 26. Mai 2015

"Im freien Fall" von Pinco Pallino

„Das Leben ist eine Welle“

Chris und Janosch versuchen beide ihr Abitur nachzuholen, scheinen aber ansonsten nichts gemeinsam zu haben: Der eine ist ein ernsthafter junger Mann aus gutem Hause, der konzentriert auf ein Ziel hinarbeitet, der andere ein kiffender Unruhestifter mit Dreadlocks. Oder dealt er nur mit dem Stoff? Chris ist das zuerst einmal gleichgültig, bis er Janosch im „69“ trifft und doch eine Gemeinsamkeit entdeckt: Sie beide stehen auf Männer und suchen einen Partner für einen One-Night-Stand. Leider gibt es ein Problem: Sie sehen sich täglich in der Schule und sollen auch noch zusammen lernen. Dabei erfahren Chris und Janosch mehr voneinander, als sie zuerst wissen wollten. Sie müssen beide erkennen, dass sich hinter einer glatten Fassade dunkle Geheimnisse verbergen können und entscheiden, ob es sich lohnt umeinander zu kämpfen.

Im freien Fall“ von Pinco Pallino beginnt zwar, wie viele Kurzgeschichten des Autors, im Club „69“, ist aber deutlich länger als die anderen Storys in der Reihe und wie schon bei „
Die letzte Zigarette“ wird man dem Buch nicht gerecht, wenn man es „nur“ als Romanze ansieht.

Sowohl Chris, als auch Janosch haben schon einiges hinter sich. Beide zweifeln an ihrem eigenen Urteil, ob sie einem Menschen vertrauen können und sich auf ihn einlassen sollen oder nicht.

Chris versteiftes Knie ist nur ein äußeres Zeichen einer Narbe, die tief in sein Inneres hineingeht. Er hat völlig verzweifelt versucht, mit einem Kapitel seines Lebens abzuschließen und dies beinahe nicht überlebt. Pinco Pallino geht hier sehr sensibel auf das Thema Missbrauch von Schutzbefohlenen ein, dass immer noch viel zu oft totgeschwiegen wird, und schafft es, die Gefühle eines Betroffenen glaubhaft zu schildern, ohne Klischees zu bedienen.

Janosch muss seine eigenen Dämonen bekämpfen. Er ist ohne Vater aufgewachsen und hat auch seine Mutter früh verloren. Die Familie seines Onkels nimmt ihn zwar auf, hier findet er aber weder Trost noch Zuneigung und verfällt in ein Muster, dass ihn fast in den Abgrund reißt: Wenn man schon keine positive Aufmerksamkeit erhält, dann tut es auch negative.

Chris und Janosch sind in der Geschichte zwar schon volljährig, aber in dem Buch werden sie erwachsen. Beide beginnen, sich mit den Dämonen ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen und beide müssen erkennen, dass diese sie niemals loslassen werden, solange sie sie nicht wirklich gehen lassen. Nur dann liegt auch eine gemeinsame Zukunft im Bereich des Möglichen …

Im freien Fall“ beginnt ganz locker, scheint eine „typische“ Geschichte um einen Streber und einen Bad Boy zu sein. Aber das Buch gewinnt mit jeder Seite an Tiefe. Es ist nicht immer einfach zu lesen und wirkt noch eine ganze Weile nach. Die Story ist manchmal tieftraurig, aber sie hat auch wunderbar zärtliche und sinnliche Momente.
„Das Leben ist eine Welle“, behauptet Chris. Er muss es wissen. Wasser ist sein Element. Man kann gegen die Wellen ankämpfen, oder sich mit ihnen bewegen …
Ob und wie Chris und Janosch es schaffen, nicht unterzugehen und wo die Wellen des Lebens sie schließlich hinbringen, sollte man unbedingt selber lesen. Von mir gibt es jedenfalls mehr als 5 Punkte und eine Leseempfehlung!

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- "Im freien Fall"
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Bildquelle: amazon

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