Freitag, 1. Mai 2015

"Männerbande" von Sylvia Pranga

Wo ist der Unterschied zwischen Freundschaft und Liebe?

John und Calum sind seit dem College beste Freunde, Nachbarn und können sich das Leben ohne einander nicht vorstellen. Callum geht (ebenso wie sein frecher Hund) in Johns Haus ein und aus, als wäre es sein eigenes. Das würde John bei Callums ja vielleicht auch machen, aber dessen Ehefrau ist eine echte Nervensäge …

Die tiefe Freundschaft der beiden Männer wird auf die Probe gestellt, als der ewige Single John sich vornimmt, zumindest den Versuch zu unternehmen, einen Partner zu finden. Calum will natürlich verhindern, dass sein bester Freund an den Falschen gerät. Oder warum scheint er an jedem der Männer, die John interessieren, einen gravierenden Fehler zu finden?

„Männerbande“ von Sylvia Pranga ist zuerst einmal die ruhig und wunderschön erzählte Geschichte einer tief empfundenen Freundschaft. Erst nach und nach wird klar, dass einer der beiden Männer viel mehr als nur platonische Liebe empfindet. Die große Frage ist nun natürlich, ob und wie der andere fühlt. Calum ist verheiratet und hat zwei Söhne. Er ist ganz klar hetero. Oder?

Sylvia Pranga Roman erzählt sehr sensibel und feinfühlig, wie schwer es sein kann, mitten im Leben vor sich und anderen zuzugeben, dass der eigene Lebensentwurf plötzlich nicht mehr passt. Ist das ein Versagen? Wie wird die Umwelt reagieren? Welche Konsequenzen hat ein so spätes Outing?

Aber ist das überhaupt wichtig? Calum und John müssen für sich und für einander herausfinden, ob sie nun Freundschaft oder Liebe füreinander empfinden und wie sie mit ihren Gefühlen füreinander umgehen sollen.

Ich fand es unheimlich toll zu lesen, wie Calum plötzlich an John und auch an sich selbst völlig unbekannte Seiten entdeckt, obwohl die beiden sich schon ewig kennen.

Die Charaktere der zwei Männer sind wunderbar ausgearbeitet. Liebenswerte Macken, nervige Angewohnheiten sorgen dafür, dass sie echt wirken und temporeiche Dialoge lassen sie dem Leser so richtig ans Herz wachsen. John und Calum sind beide nicht perfekt, aber so lebendig, dass man sie förmlich vor dem inneren Auge sieht und sich unwillkürlich fragt ob man sie nicht schon im Supermarkt oder in der Kneipe um die Ecke getroffen hat.

Mein Fazit: Herrlich ruhig erzählter Roman einer Liebe, die eben nicht auf den ersten Blick sondern erst nach vielen Jahren endlich erblüht. Gute 4 Punkte und eine Leseempfehlung!

Das Buch und der tolle Erzählsstil machen neugierig auf weitere Geschichten der Autorin.


Warum „nur" gute 4 und keine 5 Punkte?

Meine einzige, winzige Kritik an der Geschichte könnte einen SPOILER enthalten. Wer das Buch ohne den Spoiler kennenlernen möchte, sollte jetzt hier nicht weiterlesen!

John bemüht sich ehrlich, einen Partner zu finden, weil er nach all den Jahren glaubt, Calum würde niemals mehr als Freundschaft zwischen ihnen zulassen. Alle Männer, die er kennenlernt, haben aber … nennen wir es mal ganz platt „einen echten Knall“. Keiner von ihnen kommt eigentlich ernsthaft in Frage und keiner ist wirklich nett oder auf Dauer liebenswert. Ich finde das ein wenig schade. Für mich hat es den leichten Beigeschmack hinterlassen, als wäre Calum für John die einzige Alternative, die die er schließlich wählt, weil es keinen anderen Mann für ihn gibt und nicht weil sein Herz keinen anderen einlässt.

Wenn man ehrlich ist, kennt man doch jede Menge Menschen, die nett sind, ehrlich und passabel aussehen, mit denen man eine Menge Interessen teilt und die eigentlich der ideale Partner wären. Aber warum schlägt das Herz dann trotzdem nicht schneller? Warum rast es nur beim Anblick des einen, desjenigen, vom dem man eben Liebe will und nicht „nur“ Freundschaft.

„Männerbande“ hätte mir noch besser gefallen, wenn nicht so klar gewesen wäre, dass es zu Calum keine Alternative gibt, weil alle anderen Männer zu John einfach nicht passen oder nicht ehrlich zu ihm sind.




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- „Männerbande

Bildquelle: Sieben Verlag

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