Freitag, 22. Mai 2015

"Micah: Gefährten Bande" von Tina Filsak

Abgründe voller Blut, Gewalt und … Erotik!

Tina Filsak ist in mit den Informationen zu „Micah“ im Klappentext sehr sparsam und auch die Leseprobe enthüllt nicht wirklich, auf was man sich mit diesem Buch einlässt.

Ich kann und will die Geschichte nicht besprechen, ohne ein wenig mehr zu verraten, deshalb meine Bewertung vorab:

Mit „Micah“ beginnt eine großartige, breitangelegte Serie, die mich jetzt schon voller Spannung auf den zweiten und hoffentlich auf viele weitere Teile hoffen lässt.
Von mir gibt es deshalb mindestens 5 Punkte und eine Leseempfehlung, die allerdings nicht für zarte Gemüter gilt, die mit BDSM und der Verbindung von Schmerz und Lust nichts anfangen können.


Ab hier SPOILER möglich:

Micah hat mit seinem Leben abgeschlossen. Sein größtes Geheimnis ist seine Emphatie, bei Berührungen kann er sich nicht von den Emotionen der anderen Menschen abschotten und seine mühsam errichteten Barrieren sind seiner Krankheit zum Opfer gefallen. Die Diagnose lautet Krebs im Endstation. Micah hat alle Brücken hinter sich abgebrochen, um niemand mit seinem Sterben zu belasten.

Das einzige Vergnügen, das er sich noch gönnt, sind die allabendlichen Besuche in einem Pub. Dort trifft er auch zum ersten Mal auf Darius. Zwischen den beiden ungleichen Männern entwickelt sich eine Freundschaft, in der Micah allerdings von Anfang an klar macht, dass mehr es nie zu mehr als netten Gesprächen kommen wird.

Er ahnt nicht, dass Darius kein Mensch ist. Erst als sich nach einem homophoben Überfall die Situation dramatisch zuspitzt, weiß sich Darius keinen anderen Rat mehr. Mit einer Gabe seines Bluts rettet er Micah zwar das Leben, setzt aber etwas in Gang, mit dem keiner gerechnet hat: Der junge Musiker ist ein Dhampir, ein Halbvampir, dessen Wandlung nun beginnt. Außerdem bindet Darius Micah gegen seinen erklärten Willen als Gefährten an sich. Er kann ja nicht ahnen, wie hart Micah um seine Freiheit gekämpft hat und dass er lieber tot sein möchte, als nicht mehr frei über sein Leben bestimmen zu können.

Darius hat nur den schwachen Micah kennengelernt, der im Angesicht seines Todes jede Hoffnung aufgegeben hatte. Nun findet er sich als Gefährte eines jungen Mannes wieder, der seinen eigenen Kopf und seine ganz eigenen Vorstellungen von der Zukunft hat. Eine auf Treue beruhende Zweierbeziehung kommt darin nicht vor, da ist Micah kompromisslos. Außerdem weiß er schon lange, dass er eine außerordentlich dominante Ader hat, die er mit Darius teilt. Können zwei Männer mit dieser Veranlagung überhaupt Partner sein?

Darius muss sich damit auseinandersetzen, dass sein Kampfgefährte Dio, der Mensch Rodney und der Wandler Tommy ihre eigenen Bindungen zu Micah haben bzw. aufbauen.


Wenn man den Klappentext und die Leseprobe liest, glaubt man zuerst noch, eine Gay-Variante des alten Motivs „Starker-Vampir-rettet-schutzbedürftige-Schöne“ gefunden zu haben. Ganz am Anfang scheint das Buch auch auf eine klassische Romanze zwischen zwei Männer hinauszulaufen. Allerdings wird schnell klar, dass Micah trotz der Zuneigung, die er für Darius empfindet, nicht bereit ist, ein Leben im goldenen Käfig zu führen. Er hat zu hart darum gekämpft, seine Kindheit voller Gewalt, Demütigungen und Missbrauch hinter sich zu lassen und seine Freiheit geht ihm über alles.

Micahs ist auf seine eigene Weise ein Krieger. Aber als Emphat kann und will er sich auch nicht vor den Gefühlen seiner Freunde verschließen. Besonders bei dem ruhigen Dio spürt er von der ersten Sekunde an, dass stille Wasser tief sind. Dazu im Gegensatz nutzt Rodney eine lärmende Fassade, um seine intimsten Wünsche zu tarnen.

Obwohl die Geschichte eindeutig ein BDSM-Roman ist, steckt sie auch voller sanfter und sehr zärtlicher Momente, sie ist aber nicht unbedingt romantisch. Das Leben der Männer ist zu hart, ihre Vergangenheit zu gewalttätig und sie stillen ihren Hunger nach Berührungen nicht mit Blümchensex. Micah hat Gefallen daran, seine Partner zu dominieren, er ist nicht abgeneigt, ihnen Schmerzen zuzufügen, wenn sie dies von ihm verlangen. Bei den Spielen fließt Blut und beide Seiten genießen es.

Mir hat gefallen, dass das Buch eine Menge verschiedener Arten von Sex schildert, ohne zu werten. Eine wichtige Grenze zwischen Gewalt und Sex wird allerdings deutlich gezogen: Zu Beginn muss jeder der Partner sein Einverständnis geben. Hingabe und Vertrauen, aber auch feste Regeln sorgen dafür, dass in dem Spiel mit Dominanz und Unterwerfung, mit Qual und Lust, mit Schmerzen und erotischen Reizen am Ende jeder seine Erfüllung findet.

„Abgründe voller Blut, Gewalt und Erotik“ zeigen sich in dem Buch. Viele der Männer haben Missbrauch am eigenen Leib erlebt und müssen irgendwie damit klar kommen. Einfach ist das nicht und Totschweigen oder Ignoranz sind der falsche Weg. Verständnis und Akzeptanz scheinen eher von Bedeutung zu sein.

Die Geschichte macht aber auch deutlich klar, dass die „Abgründe von Blut und Erotik“ auf keinen Fall finster sein müssen. „Micah“ gewährt offenherzige Einblicke in die Welt des BDSM und bringt sogar Praktiken näher, die dem Leser vielleicht völlig fremd sind. Tina Filsak gelingt es dabei, die Erotik der Handlungen deutlich zu machen, auch wenn man sie vielleicht nicht von Anfang an verstehen kann. Nicht eine der Schilderungen beschränkt sich auf den rein mechanischen Ablauf einer Session, sondern bei allen ist das Gefühl dahinter mindestens genauso wichtig und kommt auch beim Leser an.

Mich hat das Buch fasziniert. Ich möchte unbedingt wissen, wie es mit Micah, mit Darius und Dio, mit Rodney, Tommy und den anderen Vampiren, Wandlern und ihren Gefährten weitergeht. Natürlich will ich erfahren, ob der gesamte Rat in die finsteren Machenschaften verstrickt ist, die sich andeuten und was die Sonnentempler damit zu tun haben. Aber ich bin ehrlich: Ich will auch unbedingt mehr von den absolut heißen Spielen lesen, die sich Micah für seine Freunde und Gefährten immer wieder einfallen lässt.

Fazit:Micah“ ist ein spannender, sehr erotischer Roman voller überraschender, aber niemals unglaubwürdiger Wendungen. Ihn zu lesen, ist fast, wie an einem von Micahs sorgsam inszenierten Spielen teilzunehmen: Man weiß nie, was als nächstes kommt. Vieles ist grausam, aber wenn man das Buch abbricht, enthält man sich auch die tiefe Befriedigung vor, zu wissen, wie die Geschichte (hoffentlich nur vorläufig!) endet.



Haben wollen? 
 Hier kann man die Bücher von Tina Filsak kaufen: 
- "Micah: Gefährten Bande" (Band 1)
- "Micah: Schottische Überraschung" (Band 2)

SpinOff zu Micah: "Dämonenherz und Katzenjammer" (Spielt nach Band 2)

"Sha" und  "Lorvaa" (Fantasy-Serie)

Bildquelle: amazon


Kommentare:

  1. Liebe Ulla... du machst mich sprachlos (und das geschieht selten) ! Danke von ganzem Herzen, diese Rezi bedeutet mir sehr viel, zumal ich weiß, was du für Zweifel wegen der Geschichte gehabt hast.
    Danke
    Tina

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    1. Das Buch ist wirklich toll! Ich habe es gleich noch mal von vorne gelesen, nachdem ich durch war und kann mich immer noch nicht wirklich von Micah und seinen Gefährten trennen. Bitte schreib schnell weiter!!!
      GLG ulla

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  2. Ich bin von dem Buch genauso begeistert und möchte unbedingt wissen, wie es mit Micah weitergeht. Der zweite Teil kann kommen, bin schon ganz gespannt... ;)

    GLG Aileana

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    1. Hi Alieana!
      Dann sind wir immer hin schon zwei. Das Buch hat mich echt überrascht und zwar sehr positiv.
      GLG ulla

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