Freitag, 22. Mai 2015

"Von der Herrin vermietet" von Kiara Grey

Misslungener Ausflug in die Fetisch-Szene

„Kiara Grey“ ist laut ihrem Autorenprofil ein Pseudonym einer deutschen Autorin. Sie schreibt außerordentlich fleißig Kurzgeschichten, für die Klappentexte bleibt da weniger Zeit. Sie sind fast zu jedem Buch identisch und weisen meist energisch darauf hin, dass die Bücher „sündig“ und „erotisch“ sein sollen.

Zitat: „Kribbelnd, prickelnd, scharf... Die Wertung obliegt der Einstellung des Lesers zur schönsten Sache der Welt.“



OK, eine Chance könnte man den Geschichten ja einfach einmal geben, hin und wieder entdeckt man gerade bei den Selfpublishern echte Perlen …

Sorry! Dieses Buch gehört definitiv nicht dazu! Schon in der Leseprobe (und das wird im Verlaufe des Buches nicht besser …) fallen die ersten Rechtschreib- und Grammatikfehler auf, falsche oder nachlässige Formatierung runden das Bild eines schnell herunter getippten Textes ab, der scheinbar durch keine Korrektur gelaufen ist. Das erklärt dann wahrscheinlich auch gleich die unzähligen Wortwiederholungen.

Aber kommt es nicht letztendlich mehr auf den Inhalt an? Genau!!! Der ist doch das Wichtige an einem Buch, oder?

Erotisch soll der Inhalt sein, verspricht mir der Klappentext. Darunter verstehe ich eine gewisse Sinnlichkeit, ein paar Gefühle, nicht die rein mechanische Beschreibung irgendwelcher Handlungen.

Genau das bekommt man allerdings leider in der Titelstory geliefert: „Von der Herrin vermietet“ ist eine Geschichte, die wohl verschiedene Fetische beschreiben soll. Allerdings bleibt die Erotik dabei völlig auf der Strecke. Ganz egal, ob man die beschriebenen Handlungen, Kleidungen und Praktiken anregend findet oder nicht, durch die völlig lieblose Aneinanderreihung liest sich die Geschichte so prickelnd wie die Bedienungsanleitung eines Staubsaugers. Die „TV“-Herrin und ihr Sklave ziehen sich unzählige Male um und präsentieren dabei verschiedenste Latex-Fummel. Das wirklich interessant gewesen wäre, ist was die beiden dabei empfinden. So wie sich die Story liest: Wohl eher nichts, deshalb wechseln sie wohl auch vor lauter Langeweile wie Barbie-Puppen dauernd die Klamotten …

In „Der letzte Kunde“ will ein Mann kurz vor Feierabend noch rasch einen kleinen Einkauf im Erotik-Shop tätigen. Die Inhaberin ist erstaunlich gewieft, aber der Kunde erlebt gerade deshalb eine erotisch Überraschung. Diese Geschichte ist eindeutig das Highlight des Buches und durchaus lesenswert.

„Fesselnde Gier“ ist letze und längste Story im Buch. Sie beginnt recht vielversprechend, verliert aber dann an Spannung. Im Grunde genommen liest sich die Geschichte, ähnlich wie die erste, als hätte jemand über einen Fetisch recherchiert und wolle nun eifrig alle Ergebnisse auf ein paar Seiten unterbringen.

Fazit: Sorry, dieses Buch hat mich nur von einem überzeugt: Weiteres „Bett-Geflüster“ (So heißt die Serie …) von Kiara Grey möchte ich nicht lesen. Hier scheint die Qualität eindeutig unter der Quantität zu leiden.
Schade eigentlich. Die Ideen hinter den Geschichten sind nicht schlecht und sie könnten nach einem vernünftigen Lektorat und Korrektorat das sein, was der Klappentext verspricht: „Kribbelnd, prickelnd, scharf ...“

Eine Leseempfehlung bekommt dieses Buch auf keinen Fall von mir!

Wer sich trotzdem selber überzeugen will, kann das natürlich gerne tun. Zum Profil der Autorin geht es hier: Kiara Grey

Bildquelle: amazon

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