Freitag, 3. Juli 2015

"Flammenerbe" von Karo Stein

Wie schreibt man eine „Bewertung“, wenn das Punktesystem versagt?

- Achtung!!! Der Text enthält SPOILER !!!  -


Im mag die Bücher von Karo Stein, weil sie Charaktere erschafft, die mich faszinieren und eine Schreibstil hat, der mich immer wieder tief berührt. Also war es keine Frage, dass ich „Flammenerbe“ lesen musste, schließlich liebe ich Urban Fantasy. Kann doch nur gut werden, oder?

Zuerst das Positive: Mathis und Justus sind sympathische Helden, die genug Ecken und Kanten haben, um nicht eindimensional zu sein. Ich habe gerne und voller Leidenschaft mit den beiden geliebt und gelitten. Der Klappentext ist interessant und die Geschichte spannend erzählt. Voller Vergnügen bin ich Mathis gefolgt und habe mir unsere Welt mit seinen Augen angeschaut. Auch Justus, mit seinem anfänglichen Widerwillen Verantwortung zu übernehmen, und seinen Ärger über sich selbst, als er sich dabei ertappt, dass er das schon längst gemacht hat, ist klasse. Die Nebenfiguren bleiben in diesem Buch ein wenig blass, was aber nicht so schlimm ist, weil die Hauptpersonen die Geschichte problemlos tragen.

Trotzdem habe ich bei ca. 15% fast meinen Kindle voller Wut erst Mal fast in die Ecke geworfen.

Ich wähle meine Bücher in der Regel sehr sorgfältig aus, lese den Klappentext und die Rezensionen und nutze den „Blick ins Buch“. Fehlkäufe sind bei mir daher eher selten. (… und ich kann sie mir bei meinem Lesekonsum ehrlich gesagt auch nur bedingt leisten …)

OK. Ich habe bei diesem Buch NICHT davon Gebrauch gemacht, dass es wohl 
vorab eine längere Leseprobe auf Bookrix gegeben hat. (Übrigens bewusst nicht, weil ich es hasse, Bücher nicht in einem Rutsch lesen zu können.)

Was ist also hier schief gelaufen? Meine Erwartungen an "Flammenerbe" gingen ganz klar in Richtung Urban Fantasy. Das habe ich auch bekommen, allerdings war eines der zentralen Themen etwas, mit dem ich überhaupt nichts anfangen kann: Männliche Schwangerschaft.

Was jetzt kommt, ist meine absolut persönliche Meinung: Ich lese Gay-Romane, weil ich es heiß finden, wenn zwei Männer sich suchen und finden. Ich mag es, dass die Dynamik zwischen den Helden eine andere ist, als die in Love-Storys zwischen einem Mann und einer Frau. Für mich verschwindet dies aber, wenn einer der Männer schwanger wird. Mit dieser Thematik kann ich absolut nichts anfangen. 
Wenn ich einen Hetero-Roman hätte lesen wollen, dann hätte ich mir einen gekauft. Mache ich ja schließlich sowie dauernd.

Wie soll ich also eine Rezi schreiben und ein Buch bewerten, dass mir einerseits überhaupt nicht gefällt und das ich eigentlich gar nicht lesen wollte, dass ich aber dann andererseits mit gemischten Gefühlen zu Ende gebracht habe. 
(Ich habe den Kindle schließlich doch nicht weggeworfen …).

Für Karo Steins Charaktere, ihren Schreibstil, den Handlungsbogen und einige absolut toll geschilderten Szenen würde ich sofort 5 Punkte geben. 
Für das Thema? Mit ganz viel gutem Willen höchstens 2.

Für mein Gefühl werden beide Bewertungen werden der Geschichte nicht gerecht und der „Mittelweg“, also 3 oder 4 Punkte fühlt ebenfalls irgendwie falsch an. Das Punktesystem der verschiedenen Shops versagt hier in meinen Augen auf ganzer Linie. Deshalb werde ich diesmal die Besprechung auch nicht in einem der Shops posten.

Eine Rezension ist immer (!!!) ein sehr persönlicher Eindruck. Ich kann nicht behaupten, „Flammenerbe“ hätte mir „sehr gut“ gefallen. In einer Rezi Punkte abzuziehen, weil ich für mich ein falsches Buch gekauft habe, finde ich aber auch unfair. Darüber ärgere ich mich oft genug bei absolut geniale Geschichten, die eine schlechten Bewertung unter dem Motto bekommen: Ich möchte eigentlich gar keine Bücher lesen, in dem ein Mann Sex mit einem anderen Mann hat ...

Auf der anderen Seite hätte ich es als fair empfunden, wenn irgendwo ersichtlich gewesen wäre, worum es eigentlich geht. Wahrscheinlich hätte ich „Flammenerbe“ dann nicht gekauft.

Das ist keine Abwertung der Geschichte, sondern betrifft einfach nur meinen persönlichen Geschmack. Ich lese auch ungerne Krimis und will deshalb wissen, wenn es in einem Buch in erster Linie um die Auflösung eines Verbrechens geht. Damit fliegt es nämlich von meiner Wunschliste runter oder landet zumindest irgendwo weit hinten …

Fazit: „Flammenerbe“ von Karo Stein ist gut geschrieben und hat mit Mathis und Justus sympathische Helden. 
Wer sich mit dem Thema „Männliche Schwangerschaft“ anfreunden kann, ist gut bedient. 
Wer damit nichts anfangen kann, wird mit dem Buch nicht ganz so glücklich werden.


Haben wollen? 
 Hier kann man die Bücher von "Karo Stein" kaufen: 
"Flammenerbe"

Das Buch liegt auch als Print vor: "Flammenerbe"

Bildquelle: amazon

Kommentare:

  1. Ich freu mich trotzdem, dass dir Mathis und Justus gefallen haben. Es tut mir leid, dass ich nicht geschafft habe, dich mit auf die Reise dieser beiden Männer zu nehmen. Die Geschichte war ein Experiment, sowohl im Fantasybereich als auch das Thema ansich. Es hat mir viel Spaß gemacht, aber ich weiß, dass ich in dieser Hinsicht nicht wirklich geeignet bin.
    Trotzdem danke ich dir für dein Durchhaltevermögen und bin froh, dass du deinen Reader nicht kaputt gemacht hast (es wäre vermutlich auch leichter gewesen, die Geschichte einfach runterzuschubsen ;-) )
    lg
    Karo Stein

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  2. Die Story war - und das ist halt persönlicher Geschmack - bis auf diese eine Sache toll. Wer sich mit der Thematik anfreunden kann, wird mit Sicherheit gut unterhalten.

    GLG ulla

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  3. Deshalb ist es so wichtig, die Interessenten beim Klappentext nicht im Unklaren zu lassen, worum es in dem Buch geht. So eine zentraler Punkt muss mindestens angedeutet werden. Über solche Überraschungsmomente ärgere ich mich auch immer wieder, wobei mich das Thema, was dich ärgert, selbst jetzt nicht schreckt.

    Im Prinzip wendet man sich bewusst einer bestimmten Thematik zu und bekommt einen ganz anderen Plot serviert. Das kann extrem nerven.

    (Sorry, bin zu faul, mich einzuloggen.)

    Ganz liebe Grüße
    Norma

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