Donnerstag, 16. Juli 2015

"Flüstern der Ewigkeit" von Tanja Bern

Schatten der Vergangenheit

Andrei verdankt es wahrscheinlich seinem guten Aussehen, dass er nicht wie die meisten anderen Bewohner seines Dorfes bei einem Überfall blutrünstiger Vampire einfach ausgelöscht wird. Der grausame Orville begehrt ihn und lässt ihn aus eine experimentelle Art wandeln.

Ob dies dazu führt, dass Andrei anders ist? Rasch stellt er fest, dass die meisten der Legenden, die er über die Wesen der Nacht gehört hat, nicht wahr sind. Er empfindet Freude, Mitleid und Schmerz, sein Herz schlägt weiterhin in seiner Brust. Doch leider stimmt es, dass er Blut trinken muss und sich gegen den Zwang bei Hunger nicht wehren kann und dass Sonnenlicht für ihn tödlich ist.

Andrei beschließt, seinen ganz eigenen Weg zu gehen und lässt sich dabei auch von den Vampiren, die ihm im Gegensatz zu Orville, freundlich gesonnen sind, nicht beirren.

Samuel hasst sein Leben. Seine Familie, besonders sein Vater haben ihn mit brutaler Gewalt in die Rolle eines Vampirjägers gepresst. Doch Samuel verspürt oft Zweifel an seinem Tun und Mitleid. Das Töten höhlt ihn aus, bis er sich entschließt zu fliehen. Den Vampiren kann er nicht entkommen: Er spürt sie und dank seine Ausbildung fühlt er sich verpflichtete, den Menschen gegen sie beizustehen.

So ist sein erster Impuls auch, Andrei zu töten, als er ihn zufällig entdeckt. Irgendetwas ist aber anders an dem Verhalten des jungen Vampirs. Samuels Neugier wird geweckt. Je näher er Andrei kennenlernt, desto mehr wächst seine Faszination. Ist es nur sexuelle Anziehung, oder steckt viel mehr dahinter?

Samuel muss sich bald entscheiden, denn er wird verfolgt. Sein Vater will ihn zurück in den Reihen der Jäger haben …

Flüstern der Ewigkeit“ von Tanja Bern ist ein unheimlich spannend erzählter Vampir-Roman, der fast völlig ohne explizite Szenen auskommt. Er fängt, trotz der Dramatik der Geschehnisse, ein wenig langsam an, wird aber von Seite zu Seite spannender und besser. Richtig toll wird die Geschichte in dem Moment, als sich die Männer zum ersten Mal begegnen. Andrei und Samuel finden sich zwar von Anfang an interessant, aber sie wissen beide, dass eine Menge Geheimnisse zwischen ihnen stehen. Beide fühlen sich schuldig für die Geschehnisse in ihrer Vergangenheit und beide glauben, dass diese für immer zwischen ihnen stehen wird.

Sie erleben eine Überraschung: Es ist leichter, dem Menschen zu verzeihen, den man liebt, als sich selbst.

Mir hat „Flüstern der Ewigkeit“ richtig gut gefallen. Ich habe mit Samuel und Andrei gefiebert, ob sie es schaffen die Schatten ihrer Vergangenheit zu überwinden und ihre Feinde zu besiegen.

Natürlich verrate ich nicht, wie das Buch ausgeht. Auch wenn die Geschichte in sich abgeschlossen ist, hätte ich nichts dagegen, mehr von den beiden und der Welt in der sie leben, zu lesen.

Man ist sehr nahe an den Gefühlen der Hauptpersonen, weil Tanja Bern die Story abwechselnd aus Samuels und Andreis Perspektive erzählt. Beide Männer haben etwas vom einem „Tortured Hero“, aber im Gegensatz zu vielen anderen Geschichten des Genres sind ihre Wunden frisch. So sehr ich auch viele der bekannten Serien mag, so denke ich dort doch manchmal: „Hey, Junge! Das ist jetzt 500 Jahre (oder so …) her! Komm drüber hinweg!“ Bei Andrei und Samuel hat man dieses Gefühl nie. Sie sind erwachsen und zusammen wachsen sie weiter, für ihre gegenseitige Liebe sogar über sich hinaus.

Eines noch zum Schluss: Mich faszinieren Geschichten, in denen die Partner in einer Beziehung gleich stark sind. Das kommt hier wunderbar heraus. Hingabe ist keine Schwäche, sondern ein Geschenk, das Stärke, Mut und Vertrauen erfordert.

Fazit: Auf jeden Fall 5 Punkte und eine Leseempfehlung.


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Bildquelle: www.bookshouse.de



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