Donnerstag, 13. August 2015

"Tote Poeten und Pickelstift" von Kooky Rooster

Nicht für mich geschrieben und doch wie für mich gemacht …

Zu behaupten in „Tote Poeten und Pickelstift“ gehe es um einen Lehrer, der sich in seinen Schüler verliebt ist so aussagekräftig, wie zu erklären, dass es in „Cyrano de Bergerac“ um einen hässlichen Kerl mit langer Nase geht.
Beides ist wahr und sagt doch weder etwas über den Kern der Geschichten, noch über den Zauber, der ihnen innewohnt aus.

Weil ich nicht weiß, ob ich die Rezi schreiben kann, ohne zu spoilern, gibt es das Fazit mal wieder vorneweg: Begeisterte 5 Punkte und eine Leseempfehlung, die sich gerade auch an Leute richtet, die (wie auch ich) normalerweise mit dem Lehrer-Schüler-Thema so gar nichts anfangen können!

Ab hier SPOILER möglich:
Erik ist gerade dabei, sich vom übergewichtigen, pickeligen Teenager in einen jungen Mann zu verwandeln, als er sich in seinen Lehrer Jonas Keilmann verliebt. Da er sein Leben lang gemoppt wurde, glaubt er nicht den Hauch einer Chance zu haben. Erstens … der Kerl ist sein LEHRER! Zweitens ist er unglaublich heiß und wird von allen weiblichen Wesen angehimmelt und drittens ist es Erik so sehr gewöhnt, gemoppt zu werden, dass er von sich selbst nicht glaubt liebenswert zu sein.

Nichtsdestotrotz ist auch eine hoffnungslose Liebe eine Liebe und so erlebt Erik Himmel und Hölle gleichzeitig, zumal Jonas einige seiner Hobbys zu teilen scheint. Die Aufführung eines Theaterstücks bringt die beiden einander dann tatsächlich näher. Aber damit fangen die Schwierigkeiten natürlich erst an …

Ich habe mich mit dieser Ausgangssituation eigentlich nicht wohlgefühlt. Ich mag Geschichten, bei denen sich die Partner auf Augenhöhe begegnen und bisher ist mir keine Lehrer-Schüler-Story unter gekommen, bei der dies wirklich der Fall war. Irgendwie scheint einer der beiden immer ein Opfer zu sein …

Aber natürlich war mit klar, dass es in einem Roman von Kooky Rooster niemals so einfach sein würde. Und ich bin nicht enttäuscht worden!
In „Tote Poeten und Pickelstift“ begegnen sich zwei junge Männer, die zwar zuerst als Lehrer und Schüler aufeinandertreffen, aber sich durchaus ebenbürtig sind. Jonas, der wahnsinnig gut aussehende „Gott“ versteckt ebensoviele Ängste und Zweifel unter seinem gutaussehenden Äußeren, wie Erik, der noch gar nicht realisiert hat, dass er das hässliche Entlein hinter sich gelassen hat und zu schönen Schwan geworden ist.
Wie so oft bei Kooky Rooster ist die Schilderung der Beziehung, der Gefühle und Gedanken so einzigartig intensiv, dass man nicht nur glaubt dabei zu sein, man glaubt die Dinge wirklich zu erleben. Wahre Liebe, das wird schnell deutlich, zeigt sich nicht in den schönen Momenten einer Beziehung, sondern in den furchtbaren. Wie reagiert man, wenn sich scheinbar die ganze Welt gegen einen verschworen hat? Und , als wäre das nicht schon genug, was macht man, wenn dann auch noch der eigene Körper zu Verräter wird?

Unschuld, gepaart mit Entschlossenheit, trifft auf Erfahrung, unterlegt mit Zweifeln und Ängsten. Erik und Jonas lieben einander nicht nur wirklich, sie ergänzen einander auch wunderbar.

Ich würde hier am liebsten seitenweise über einzelne Szenen schwärmen, die auf den ersten Blick weder romantisch und noch schön anzusehen sind und mir doch im Nachhinein die Tränen in die Augen getrieben haben, weil ich dachte: JA! Das ist sie! Die wahre, die große, die einzige Liebe!

Interessanterweise ist mir auch erst später klar geworden, dass ich nicht nur eine traumhaft schöne Romanze gelesen habe, sondern auch eine leidenschaftliches Plädoyer für Fairness.
Die Vorurteile, denen Jonas und Erik begegnen, sind keinesfalls an den Haaren herbeigezogen und die Vorstellung, sich täglich mit einem solchen Unsinn auseinandersetzen zu müssen, treibt mir einen kalten Schauer den Rücken herunter. Besonders Jonas wird aufgrund seiner Homosexualität einer Ungeheuerlichkeit beschuldigt, die sich kein Mann, der eine jüngere, aber doch fast volljährige Frau liebt, anhören muss.

Was bleibt also „hängen“ von diesen Buch?
Es ist eine wunder-wunderschöne Liebesgeschichte, eine Auseinandersetzung mit dem Erwachsenwerden und — in meinen Augen — ein leidenschaftliches Plädoyer für einen fairen Umgang miteinander.
Zuerst glaubte ich ja, es wäre nicht für mich geschrieben. Aber es ist einfach wie für mich gemacht. Ich liebe es und werde es auf jeden Fall mehr als einmal lesen.

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- "Tote Poeten und Pickelstift"

Autorenseite: Kooky Rooster
Verlag: bookrix

Bildquelle: amazon

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