Sonntag, 6. September 2015

"Dämonenherz & Katzenjammer" von Tina Filsak

Knallhart, grausam und … überraschend zärtlich!

Der Jaguarwandler Manoel hat seine geliebte Familie und seine Freiheit verloren. Sein Leben hat für ihn keinen Wert mehr. Der Tod ist eine Erlösung, nach der er sich sehnt.
Dass sein Lebensfunke soll einen Dämonen nähren soll, ist Manuel herzlich egal. Überraschenderweise rettet ausgerechnet diese totale Gleichgültigkeit zuerst einmal sein Leben. Nun allerdings sitzt er mit einem Tracker, einem Angehörigen einer der gefährlichsten Dämonenspezies überhaupt, in einem Kerker fest.

Russel weiß nach einem Jahr Gefangenschaft und Folter schon fast nicht mehr, warum er sich weigert, das Leben der Futtersklaven zu nehmen, die man in seine Zelle schickt. Immer gelingt es ihm nicht, sie zu schonen. Doch diesmal hat es funktioniert und nun hat er einen völlig depressiven Wandler vor der Nase, der gar nicht gerettet werden wollte.

Was als widerwillige Zweckgemeinschaft, geboren aus Einsamkeit und Langeweile beginnt, wird nach und nach viel mehr. Russel findet ausgerechnet in seinem Gefängnis heraus, dass auch ein Tracker nicht unweigerlich an seine Killerinstinkte gebunden ist, sondern frei wählen kann, was er aus seinem Leben machen möchte und Manoel erkennt, dass sein Leben vielleicht doch noch nicht zuende ist.

Dämonenherz & Katzenjammer“ kann man kaum besprechen, ohne ein wenig zu spoilern, deshalb die Bewertung vorweg: Wenn man einmal angefangen hat, ist es unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. Es ist knallhart, stellenweise sehr grausam und dann wieder herzergreifend zärtlich. Vom mir erhält es 5 Punkte und eine Leseempfehlung, bei der ich mich allerdings der „Warnung“ der Autorin anschließe: Für zartbesaitete Leser ist das Buch nicht geeignet.


Ab hier SPOILER möglich:

Schon mit „Micah“ hat Tina Filsak eine Geschichte voller Überraschungen hingelegt, die nicht leicht zu lesen ist, aber eine gelungene Gratwanderung zwischen sehr grausamen und sehr erotischen Szenen bietet. „
Dämonenherz & Katzenjammer“ spielt im gleichen Universum wie „Micah“, darf allerdings nicht als Fortsetzung gesehen werden, da Micah und die Seinen erst ganz am Schluss einen Auftritt haben.

Das Buch konzentriert sich sehr auf die Geschichte von Manoel, Russel und dessen unwilligem Aufseher, dem Sturmdämon August. Alle drei kennen Schmerzen, Angst, Trauer, Folter und Einsamkeit, die auch sehr eindringlich geschildert werden. Die Geschichte ist an einigen Stellen wirklich schwer zu lesen.

Dafür „entschädigen“ Szenen, die so überraschend zärtlich und liebevoll sind, dass man sie in einem Kerker nie erwartet hätte. Russel hatte nie die Chance, etwas anderes als ein Tracker, ein dämonischer Auftragskiller, zu werden. Schon als Kind wurde er mit unmenschlicher Härte nur darauf gedrillt. Irgendwann kann und will er aber nicht mehr auf diese Tätigkeit reduziert werden und ausgerechnet das lässt ihn letztendlich in dem Kerker landen.

Manoels Leben endet im Grunde an dem Tag, an dem seine Frau getötet und seine Kinder von Dämonen entführt werden. Er ist nun ein anderer Mensch, selbst seinen alten Namen behält er nicht. Aus „Manoel“ wird „Noel“.

Die Russel und Noel leben zwangsweise sehr eng zusammen. Während der Dämon vorher nie die Möglichkeit hatte, einem anderen Wesen über einen längeren Zeitraum so nahe zu sein und nicht einmal weiß, ob er sich zu Männern oder zu Frauen hingezogen fühlt, vermisst Noel schmerzlich seine Familie. Die Katze in ihm trauert nicht so lange wie ein Mensch. Sie braucht Berührungen zum Leben so sehr, wie Russel Lebensenergie. Nur wenn ein Dämon regelmäßig kleine Mengen davon zu sich nimmt, kann er seinen Instinkt zu töten unterdrücken. Noel gibt Russel freiwillig Energie und erhält dafür den Körperkontakt, den er so dringend benötigt.

Es ist furchtbar zu lesen, wie die Männer leiden, aber wunderschön mitzuerleben, wie sie sich vorsichtig einander annähern und wie aus einer mit kaltem Verstand geschlossenen Zweckgemeinschaft etwas wird, das viel, viel mehr ist. Die Annäherung ist an keiner Stelle unglaubwürdig. Russel und Noel lernen nicht nur einander kennen, gleichzeitig lernen sie eine Menge über sich selbst.

Natürlich verrate ich nicht, wie das Buch endet, nur soviel: Ich fand den Schluss toll.

Außerdem macht er natürlich die Fans von „
Micah“ unheimlich neugierig darauf, was zwischen dem Ende des ersten Bandes und dem „Status Quo“ passiert sein könnte. Tatsächlich haben fast alle der liebgewonnenen Charaktere ihre kleinen Auftritte. Im Nachhinein muss ich grinsen, wie typisch jeder einzelne war (Beim ersten Lesen war ich zu hingerissen von der Hauptstory …). Russels Kompetenz wird ebenso gezeigt wie seine devote Seite, Dios ruhige Unterstützung für Micah schimmert genauso durch wie Darius etwas mürrisches Temperament.

Fazit:
Dämonenherz & Katzenjammer“ ist eine tolle, in sich runde Geschichte. Wer „Micah“ mochte, wird hier gut unterhalten, auch wenn der Tenor ein etwas anderer ist.


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 Hier kann man die Bücher von Tina Filsak kaufen: 
- "Micah"
- "Dämonenherz & Katzenjammer

"Sha" und  "Lorvaa" (Fantasy-Serie)

Bildquelle: amazon

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