Mittwoch, 2. September 2015

"Scherben der Hoffnung" von Nalini Singh

Hoffnungssplitter

Endlich liegt mit „Scherben der Hoffnung“ die Geschichte um Aden und Zaira auf Deutsch vor! Das Buch, in dem es auch um die Neuorganisation der Pfeildarde nach dem gewaltigen Umbruch im MedialNet geht, ist selbst für Nalini Singh etwas ganz Besonderes! Unheimlich berührend, spannend, und bildgewaltig erzählt sie ihre Saga weiter.
Wie immer Nalini Singh kann ich auch diese Geschichte wahrscheinlich nicht besprechen, ohne ein wenig zu spoilern. Deshalb die mal wieder die Bewertung, die – ebenfalls wie immer – die Skala sprengt, und einer begeisterte Leseempfehlung vorweg.

Vielleicht das noch: Ermüdungserscheinungen? Keine Spur! Aden und Zaira sind ganz eigenständige Charaktere, die sich Problemen stellen, die so noch nie in der Serie aufgetaucht sind. Nicht nur einige der bekannten und geliebten „alten“ Helden haben ihre Auftritte, es gibt auch neue, unheimlich interessante Charaktere, die neugierig auf ihre eigenen Geschichten machen. Außerdem gewinnt der Bogen der übergreifenden Rahmenhandlung langsam an Profil und verspricht richtig spannend zu werden …

Ab hier SPOILER möglich!!!
Sogar seine eigenen Eltern glauben, Aden wäre nur ein mittelmäßiger Telepath, gerade gut genug, um bei der Elitetruppe der Pfeilgardisten als Sanitäter zu dienen. Niemand, der nicht im inneren Kreis ist, versteht, wie er sich plötzlich an die Spitze der Elitetruppe setzen konnte. Die Gardisten allerdings wissen genau, was sie an Aden haben: Viel zu oft sind sie von ihren Anführern betrogen und für dunkle Ziele missbraucht worden. Die einzigen Gefühle, die in ihrer kalten, einsamen Welt Platz haben, sind Ehre und Treue. Im Gegensatz zu Ming Le Bon wird Aden eher sterben, als seine Kameraden zu verraten, sie auszunutzen oder sie wie kaputte Maschinen zu entsorgen, wenn sie seinen Zwecken nicht mehr genügen.
Nach dem Wandel braucht die Garde eine starken Anführer, der sie in eine ungewisse Zukunft führt: Die Männer und Frauen sollen zwar weiterhin innere und äußere Bedrohungen für ihre Rasse bekämpfen, aber nicht mehr als austauschbare Schatten im Dunkel leben. Die Gefühle, die ihnen grausam abtrainiert wurden, sind plötzlich erlaubt und sogar erwünscht. Wie sollen die Gardisten damit umgehen?

Männern wie Judd und Vasic haben es zwar geschafft, sich aus dem Gefängnis von Silentium zu befreien und ihr Glück zu leben, aber ihrer Gefährtinnen sind eine Wandlerin und eine E-Mediale. Sie haben sozusagen persönliche Trainerinnen. Kann das auch funktionieren, wenn sich zwei Arrows zueinander hingezogen fühlen? Passen die Gardisten überhaupt noch in die Welt nach Siletium? Die Erwachsenen fühlen die dunklen Schatten von Schuld auf ihrer Seele und die Kinder und Jugendlichen sind traumatisiert, vom Verlust ihrer Familien und der brutalen Härte der Ausbildung. Außerdem haben viele schlicht Angst vor ihren eigenen Fähigkeiten. Sie sind in der Garde gelandet, weil ihre Gaben unkontrolliert zur tödlichen Gefahr werden können.

Aden dagegen hat ein klares Ziel vor Augen: Er möchte aus der Garde einen sicheren Hafen für alle Pfeilgardisten machen. Sie sollen ohne den unmenschlichen Druck, der bisher herrschte, lernen, sich zu kontrollieren und keine Angst mehr davor haben, auch einmal einen Fehler zu begehen. Über das „Wie?“ ist sich Aden allerdings nicht klar. Ihm fehlen schlicht die Vorbilder und seine Feinde ruhen nicht.

Nicht nur sein Leben ist in Gefahr, als er mit Zaira, die schon lange im Geheimen seine Verbündete ist, in einer dunklen Zelle erwacht. Zaira ist schwer verletzt und keiner von ihnen kann sich seiner angeborenen Fähigkeiten bedienen. Verwirrt und verwundet kämpfen sie gemeinsam ums schiere Überleben. Ihr einziger Vorteil sind die tödlichen Fähigkeiten im Kampf, die jeder Pfeilgardist erlernen muss.
Ihre wilde Flucht gelingt schließlich dank eines schweren Hurrikans, der allerdings schnell zur Bedrohung vor allem für die verletzte Zaira wird. Ohne die überraschende Hilfe von völlig unerwarteter Seite hätten die beiden Pfeilgardisten das Unwetter wohl nicht überlebt. Aden findet dabei aber außerdem etwas, was für ihn und die Seinen unendlich wichtig ist: Er sieht endlich einen Weg vor sich, den er mit den Pfeilgardisten gehen kann. Es ist ein steiniger Weg, aber einer der hoffentlich in eine bessere Zukunft führt.
Einige Frage müssen außerdem noch gelöst werden: Wer waren die Entführer? Gibt es eine Verbindung zu den irritierenden kleinen Zwischenfällen, die überall in der Welt für Unruhe zwischen Menschen, Wandlern und Medialen sorgen? Bisher konnte das Schlimmste verhindert werden, aber wie lange noch wird es dauern, bis aus einem der Vorfälle ein Flächenbrand an neuen Unruhen ausbricht?

Allein die Geschichte um Aden, Zaira und die Zukunft, die sie für die Garde aufbauen möchten, ist schon unheimlich spannend und sehr berührend geschildert. Aber auch die Rahmenhandlung nimmt einen wieder einmal völlig gefangen und macht jetzt schon wieder neugierig auf den nächsten Band der Serie. „
Scherben der Hoffnung“ ist genial! Man kann das Buch eigentlich nicht eine einzige Sekunde aus der Hand legen, obwohl es im Print satte 651 Seiten hat (ohne Personenverzeichnis und eine Leseprobe der neuen Serie „Rock Kiss“).
Immer noch nicht genug? Hier noch ein paar zusätzliche Infos zu den Hauptcharakteren, für die Leser, die gerne so viele Infos wie möglich haben:

Aden kennt man ja schon als stillen Ruhepol innerhalb der Garde. Dass er alles andere als durchschnittlich sein kann, weiß man instinktiv, wenn Männer wie Vasic und Judd ihn voller Respekt „Freund“ nennen. Wenn man die Serie verfolgt hat, weiß man, dass er alles für die tun wird, die unter seiner Obhut stehen. Unvergessen ist sein Kampf für Vasic, als der sich in „Pfade im Nebel“ selbst längst aufgegeben hatte. Aber auch sein bedingungsloses Eintreten für Gardisten, die Ming als „defekt“ eliminieren lassen wollte ist in lebhafter Erinnerung. Sie haben es Aden zu verdanken, dass sie in „geheimen Häfen, ihr Leben so friedlich wie möglich weiter leben konnten, statt wie Abfall entsorgt zu werden. Für Aden zählt jeder Einzelne!

Zaira hat Aden schon als Leiterin des geheimen Unterschlupfs Vendig unterstützt. Sie hat eine sehr fürsorgliche Ader, will aber weder vor sich noch vor anderen zugeben, das ihr wirklicher SoftSpot Aden ist, zu dem sie sich hingezogen fühlt. Warum Zaira glaubt, dass sie es nicht wert ist, an seiner Seite zu stehen, hat mit ihrer grausamen Kindheit und einem bluterfüllten Ereignis darin zu tun. Es dauert lange, bis sie erkennt, dass ihr Feuer, ihre Treue und ihre Liebe genau das sind, was Aden braucht.

Da es in erster Linie um die Pfeilgarde geht, erfährt man ein wenig mehr zu einigen der Gardisten, die bisher immer nur kurz erwähnt wurden: Ich hoffe, das Christobal, Amin und Axl, der junge Abbot und einige andere noch ihre eigenen Geschichten bekommen werden.
Von den „altbekannten Helden“ spielen Vasic, der ja selbst immer noch Gardist und Adens bester Freund ist, aber Judd und Walker Lauren haben eine große Rolle. Es ist einfach toll, wie die drei den anderen vorleben, dass auch ein Mensch mit tödlichen Fähigkeiten sich Liebe und Glück nicht versagen muss.

Die Wandler um Lucas und Hawke kommen zwar auch vor, da es aber um Internas der Garde geht, nehmen diese Szenen nicht ganz so viel Raum ein.
Dafür kommt Remi von den RainFire-Leoparden wieder auf dem Plan. Aufmerksame Leser werden sich vielleicht erinnern, dass in „Ruf der Vergangenheit“, der Geschichte um Dev Santos und Katya schon einmal erwähnt wird. Er möchte ein neues Rudel aus verschiedenen Einzelgängern gründet und dafür bei Lucas um Rat fragt. Mittlerweile sind die RainFire-Leoparden ein stabiles Rudel, das in „Schrben der Hoffnung“ eine wichtige Rolle spielt. Remi hat einige höchst interessante Typen um sich versammelt, die unheimlich neugierig auf ihre eigenen Geschichten machen.

Wichtig für das Buch sind auch die BlackSea Changelings, mit ihrer eiskalten Anführerin Miane. Sie ist im wahresten Sinne des Wortes ein echter Hai. Ich bin gespannt, ob die BlackSea Wandler nicht auch richtig heiße Gefühle entwickeln können …

Nicht vergessen darf man in dieser Aufzählung natürlich den neuen, noch namenlosen Feind (oder ist es eine ganze Gruppe?), der in den Trümmer und dem Chaos, die sich im Medialnet breitmachen, die Chance sieht, die Macht an sich zu reißen. Mit klug gewählten Aktionen und gezielten Nadelstichen arbeitet er daran, die verschiedenen Rassen auf breiter Front gegeneinander aufzubringen? Wer mag dahinter stecken? Wenn Lucas und Hake nachdenken, erkennen sie die Strategie. Aber ist es wirklich der gleiche Mann? Oder hat jemand nur gut aufgepasst?
Oh, Mann! Ich kann die Fortsetzung(en) echt kaum erwarten …

Scherben der Hoffnung“ lebt aber nicht nur von der spannenden Geschichte. Wie so oft bei Nalini Singh findet man eine ganz besondere Stimmung in den Büchern. Werte wie Liebe, Vertrauen und Familie werden mit absolut starken Bildern so lebhaft erzählt, dass man sie nicht nur vor Augen sehen, sondern auch tief im Herzen spüren kann.
Dabei verschweigt die Autorin nicht einmal, dass es auch innerhalb einer Familie Tragödien geben kann und dass gerade dort, wo sich Kinder geliebt und sicher fühlen sollten, manchmal unvorstellbare Grausamkeiten passieren. Für Nalini Singh scheint das kein Widerspruch zu sein. Es ist die Aufforderung, sich um die Menschen zu kümmern, die man liebt. Ob man dabei durch Blut oder Freundschaft verbunden ist, spielt keine Rolle. Wichtig ist aber, dass es für jeden einen Ort geben sollte, an dem er sich fallen lassen kann und aufgefangen wird, auch wenn er einmal einen Fehler gemacht hat.

Für mich ist das eines der ganz großen Wunder an den Büchern: Sie machen Hoffnung! Sie erinnern daran, wie glücklich es einen Menschen macht, wenn man ihm hin und wieder mit einer kleinen (oder großen) Geste zeigt, dass man ihn liebt.
Das ist es am Ende dann auch, was die Betonung im Titel verschiebt: Zuerst sieht es so aus, als würde alles in „Scherben“ liegen. Tatsächlich werden diese aber nach und nach zusammengefügt und die „Hoffnung“ erstrahlt von neuem.

Konkret ist es außerdem einfach schön zu lesen, wie zwei Menschen, die nie die Hoffnung hatten, Liebe in ihrem Leben zu finden, ganz vorsichtig aufeinander zu gehen, sich nach und nach öffnen und schließlich gemeinsam zu etwas werden, das deutlich mehr ist als die Summe seiner Einzelteile. Selten gönnt man zwei Menschen ihren vorsichtigen Griff nach dem kleinen, riesengroßen persönlichen Glück mehr als Aden und Zaira!
Immer noch nicht genug geschwärmt???
Doch! Wer noch mehr lesen will, sollte sich einfach (wieder und wieder) auf das Buch stürzen …



 Haben wollen? 
 Hier kann man die Bücher von Nalini Singh kaufen: 
- "Scherben der Hoffnung"

Die Serie beginnt Lucas und Sasha in "Leopardenblut" und sollte unbedingt in der richtigen Reihenfolge gelesen werden. Sie ist einfach genial!

Bildquelle: amazon


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen