Mittwoch, 14. Oktober 2015

"Die wahre Geschichte von Robinson Crusoe" von J. Walther

Es wird heute Nacht Regen geben ...

Jeder kennt die Geschichte von Robinson Crusoe, oder? Aber was ist wirklich auf der Insel passiert?

J. Walther schafft es in der Kurzgeschichte „Die wahre Geschichte des Robinson Crusoe“ dem scheinbar alten und altbekannten Roman ganz neue Aspekte abzugewinnen. Wenn man sie gelesen hat, kann man sich kaum vorstellen, dass es anders gewesen sein sollte …

Robinson ist trotz seine Überlebensfähigkeiten … nun ja … nicht so klug und weltgewandt, wie man ihn aus anderen Varianten der Geschichte kennt. Auch seine sozialen Fähigkeiten sind ziemlich rudimentär, was einerseits daran liegt, dass er so lange alleine war, andererseits der Zeit geschuldet ist, in der er lebt.

Der „Wilde“ erweist sich nicht nur als überraschend klug. Er hat Kenntnisse und Fähigkeiten, die für die beiden Männer das Leben auf der Insel deutlich angenehmer machen. Das ist, wenn man darüber ein klein wenig nachdenkt, wenig überraschend, schließlich ist er in der Gegend aufgewachsen und hat gelernt dort zu überleben.

Wirklich witzig finde ich, wie er Robinson geschickt verführt. Siriaku weiß was er will und zögert nicht, zur Not auch Tricks anzuwenden, um es zu bekommen.

Die Geschichte ist aber nicht lustig im eigentlichen Sinne und auch keine klassische „schwule Romanze“ mit ausgeprägten expliziten Szenen. J. Walther spielt sehr geschickt damit, dass jeder die Grundmotive des Romans von Daniel Defoe kennt. Die scheinbar altertümliche Sprache der vorliegenden Geschichte steht dabei in scharfen Gegensatz zu der zeitgemäßen Betrachtung des Geschehens. Robinson, der als Ich-Erzähler auftritt, braucht eine ganze Weile, um herauszufinden, was richtig und was falsch, was wichtig und was nebensächlich ist.

Als Leser kann man sich über ihn amüsieren und mit ihm darüber freuen, dass er schließlich doch die richtigen Entscheidungen trifft

Außerdem könnte man – nur so als Idee und aus aktuellem Anlass – noch einmal darüber nachdenken, ob man selbst einer fremden Kultur wirklich ohne Vorurteile gegenübersteht, wie verletzend gedankenlos daher Gesagtes sein kann, und wie bereichernd offenes Miteinander ist.

Ich gebe zu, dass ich eine kleine Schnulze erwartet und eine überraschend kluge, nachdenkliche und außerdem wunderbar geschriebene Geschichte gefunden habe, die deutliche aktueller ist, als gedacht.

Punkte? Mehr als 5. Leseempfehlung? Zu 100%!

Und eine Warnung: Egal ob Buch oder Film, das nächste Mal wird man Robinson Crusoe mit ganz anderen Augen sehen. Seine „wahre Geschichte“ setzt sich nämlich im Gedächtnis fest.


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Weiter Geschichte und Bücher:
"Der dünne Boden, auf dem wir stehen" 
"Im Zimmer wird es still"
"Phillips Bilder"

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Tolle Hintergrundinfos zu der Geschichte findet man übrigens auf dem blog von J.Walther:
"MonteChiaro"



Bildquelle: amazon

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