Mittwoch, 21. Oktober 2015

"Er ist wieder da" - Der Film

"Arsch huh, Zäng ussenander!"

Für diejenigen, die Kölsch zwar trinken, aber der Sprache nicht mächtig sind, das beduetet "Arsch hoch, Zähne auseinander!" und hat auf den allerersten Blick nichts mit Er ist wieder da – Der Roman“ von Timor Vermes zu tun, dem Buch, das monatelang die Bestsellerlisten angeführt hat und wird immer noch heiß diskutiert.

Ich habe den Roman nicht gelesen, zumindest nicht ganz, sondern nur ein paar Auszüge, die ich ganz witzig fand, die aber auch irgendwie ein unangenehmes Gefühl hinterlassen haben. Darf man über Hitler-Parodien lachen? Keine Ahnung, mir gelingt das meistens nicht …

Nun also läuft der Film in den Kinos, ein Film der sich am Buch orientiert, aber ihm nicht in allen Teilen folgt, das haben mir die Leute versichert, die beides kennen. Die Kernaussage von Film und Buch ist aber eine ähnliche und wohl genauso bedrückend.

„Er ist wieder da“ wird als „Komödie“ beworben und ist vordergründig erst einmal ganz lustig. Da wacht ein Typ nach fast 70 Jahren in einer modernen Metropole auf und wird statt von fallenden Bomben mit Handys attackiert, weil jeder Tourist ( und anscheinend auch jeder Depp …) ein Selfie mit dem vermeintlichen „Führer-Double“ machen möchte. Die Menschen lachen über Hilter, sehen ihn als komische Figur und … stimmen dem zu was er sagt. Als Hitler kapiert, wie man mit dem Computer und dem „Inter-Netz“ umgeht, ist sein Aufstieg zum Medienstar nicht mehr aufzuhalten. Das Fernsehen, die Presse und selbst hippe Blogger unterstützen ihn dabei, ohne ein einziges Mal zu hinterfragen, was der Typ da von sich gibt.

Das wirklich Beklemmende am dem Film sind aber die dokumentarischen Szenen, in denen „Hitler“ mit echten Menschen über moderne Politik diskutiert. Ich konnte es einfach nicht glauben, dass jemand solche Dinge von sich gibt, wenn eine Kamera läuft und auch noch eine Einverständniserklärung unterschreibt, dass es gesendet werden darf.

Haben aber alle gemacht, wie die Filmemacher versichern …

Natürlich ist die Auswahl so, dass ein bestimmtes Bild entsteht, und wenn ich nicht gelesen hätte, dass es sogar mehrere Beschwerden und Anzeigen gegen die Auftritte gegeben hätte, würde ich wirklich an Deutschland verzweifeln.

Vielleicht ist das mein Fazit aus dem Film: Schweigen ist einfach und doch unheimlich gefährlich. Es reicht nicht, im stillen Kämmerlein „Gegen Rechts“ zu sein, man muss es auch immer wieder laut, deutlich und öffentlich formulieren, um so ein eindeutiges Zeichen setzen.

Damit bin ich da angekommen, wo ich hinwollte: "Arsch huh, Zäng ussenander!" ist ein Motto, dass mir immer schon gefallen hat und das ich in der nächsten Zeit wieder ein wenig ernster nehmen werde. Wenn rechts immer noch und immer wieder aktuell ist, braucht man auch immer noch und immer wieder jede einzelne Stimme, die sich für ein vernünftiges und friedliches Miteinander einsetzt. Gelegenheiten dazu gibt es in den aktuellen Diskussionen genug.

Sollte man sich den Film "Er ist wieder da!" eigentlich ansehen? 
Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich war nicht alleine im Kino und wir haben mittlerweile eine Menge über die verschiedenen Szenen diskutiert. Mir ist das Lachen mehr als einmal im Halse stecken geblieben. Aber vielleicht ist das auch Absicht und der Film rüttelt auf.
Ob das bei allen funktioniert, weiß ich nicht. In der Reihe vor mir saß eine Gruppe Jugendlicher, die sich einen Spaß daraus machten, mit Hilfe einer Handy-App Selfies in Hitler-Porträts zu verwandeln. Auf mich wirkt das wie eine Verniedlichung, die über das Grauen und die menschenverachtende Denkweise hinwegtäuscht.

Link zu Homepage von "Arschhuh": www.arschhuh.de/

Bildquelle: amazon

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