Samstag, 31. Oktober 2015

"In Love: Karim" von Mieko aud der Heide

Überraschend breit angelegt

Karim sehnt so sehr nach einem Partner, dass er bereit ist, fast alles dafür zu tun. Er versteht allerdings nicht, dass er die Sache möglicherweise falsch angeht und ist deshalb immer wieder enttäuscht, wenn die Männer, die er in allen möglichen Clubs aufreißt, nur das eine von ihm wollen: Sex!
Als sein alter Schulfreund Sven sich bei ihm meldet, stimmt er gerne zu, ihn im Krankenhaus zu besuchen und sich ein wenig um ihn zu kümmern. Sven hat einen Unterschenkel verloren und hadert damit, weder seinen Job noch seinen geliebten Sport weiter betreiben zu können. Er glaubt, sein Leben wäre mehr oder weniger vorbei und verweigert die Mitarbeit bei seinen Therapien.
Alte Gefühle, neue Erwartungen, Ängste und Hoffnungen prallen aufeinander. Haben Karim und Sven wirklich eine Chance?

In love: Karim“ ist das erste 
richtige" Buch von Mieko aus der Heide, dass ich gelesen habe, nachdem mir die Kurzgeschichte „Bei Sonnenlicht und Mondenschein“ solchen Spaß gemacht hat. Hier ist der Tenor natürlich ein ganz anderer und sehr viel ernster. Karim ist einer der Nebencharaktere aus der Serie um Mike und Gabe in „Die ungewöhnliche Geschichte zweier Brüder, die keine waren“, kann aber für sich gelesen werden. Gabe wird mehrmals erwähnt, ansonsten spielt die Handlung nach (oder evtl. auch parallel) zu der Reihe.

Das Buch hat mich kalt erwischt. Nach dem Lesen des Klappentextes war ich darauf eingeschworen, einen „Tortured Hero“ (Sven) kennen zu lernen, der durch einen sanften Gegenpart (Karim) seine Lebensfreude zurückerhält.

So einfach ist die Geschichte aber bei weitem nicht. Karim schleppt seine eigenen Problem und Verletzungen mit sich herum. Er verbirgt sie nur ganz erheblich besser als Sven, dessen ruppige Art ihn am Anfang nicht eben sympathisch erscheinen lässt. Karims Familie stammt aus dem Iran und ist mehr als konservativ. Sie darf niemals erfahren, dass ihr jüngster Sohn sich zu Männern hingezogen fühlt. Eigentlich liebt Karim seine Eltern und seinen Bruder, was es für ihn unheimlich schwer macht, seine Neigungen zu verbergen. Er weiß aber, dass er alles verlieren wird, wenn er sich outet.

Mich hat die Auseinandersetzung mit dem Thema fasziniert. Karim Situation ist mit Sicherheit extrem, aber das Gefühl, dass Liebe an Bedingungen geknüpft sind und die Hilflosigkeit, die sich daraus ergibt, sind sehr berührend. Schließlich endet die eigene „Liebe“ zu den Eltern / der Familie nicht einfach, auch wenn das manchmal erheblich einfacher wäre.
Fazit: Wer am Ende für wen da ist und wer seine eigenen Bedürfnisse hinten anstellt, ist eine echte Überraschung. Die Geschichte war für mich nicht immer einfach zu lesen, trotzdem konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen.

Deshalb gibt es von mir solide 5 Punkte und eine Leseempfehlung, die ausdrücklich auch für Leute gilt, die die Serie vom Mieko aus der Heide noch nicht kennen.

P.S.: Der Autor arbeitet mit sehr vielen Wortwiederholungen. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das wirklich Absicht war. Darauf reagiere ich normalerweise allergisch.
Mich haben die Story und die alles andere als eindimensionalen Charaktere aber so fasziniert, dass ich trotzdem sehr bewusst eine Leseempfehlung ausspreche.
Mir hat außerdem gut gefallen, dass ich das Gefühl hatte, der Roman ist sehr gut recherchiert.


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Bildquelle: Main-Verlag

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