Dienstag, 13. Oktober 2015

Sechs neugierige Fragen an Norma Banzi

Norma Banzi lebt mit ihrem Mann und einem felinen Mitbewohner in einer kleinen, aber feinen Wohnung in Hamburg und hat noch einen Koffer in Berlin.

Sie war so nett, mir einige Fragen zu ihrem aktuellen Buch zu beantworten.


Hallo Norma!
Ich habe dein Buch „Die Scherben der Kindheit und das brüchige Glück der Gegenwart“ verschlungen und war begeistert.

1. Frage: Mich interessiert, wie und wann du auf die Idee zu dem Buch gekommen bist. Die Geschichte „
Verabredung im Bootshaus“ ist ja schon anderthalb Jahre alt und Orlando und Mike „kenne“ ich auch schon länger. Leben all die Jung ständig in deinem Kopf?

Normas Antwort:
Laut den Dokumenteneigenschaften der Datei habe ich die erste Entwurfsfassung von „Die Scherben der Kindheit …“ im Oktober 2012 angelegt. Das mag wohl stimmen.

Meine Wurzeln als Leserin sind in folgenden Genres zu finden: Ich las als Kind viel Science Fiction & Fantasy, noch mehr Superheldencomics und einen Haufen Heftromane (insbesondere die vom Cora-Verlag). Meine Zuneigung zum Heftroman hielt sich über die Jahre, ist aber mittlerweile für mich eher eine liebe Erinnerung. Es wird in der Massenware immer schwieriger, die Perlen herauszufinden. Oh, es gibt sie, auch im Bereich Heftroman. Insgesamt muss ich aber feststellen, dass gute Plots mit einer wirklich modernen und selbstbewussten Frau darin immer seltener vorkommen. Und deshalb habe ich die Suche vor einiger Zeit aufgegeben.

Jedenfalls ist einer der Standardplots im Heftroman, dass der Milliardär (früher reichte auch noch der Millionär) die wunderwunderschöne Frau dazu erpresst, ihn zu heiraten. In solchen Plots hat er sie meistens in der Hand, weil er die Schulden ihres Vaters aufgekauft hat oder etwas weiß, was den Kerl ins Gefängnis bringen könnte. Und sie ist natürlich seine Jugendliebe, die damals zu stolz war, ihn zu heiraten (oder er glaubt das nur, weil ihr Vater ihn belogen hat).

In „Die Scherben der Kindheit …“ habe ich diesen Klassiker in die Gayromance transportiert.

Nein, nicht alle Jungs leben ständig in meinem Kopf. Diese Ehre gebührt allein Orlando, der mein ganz persönlicher Gary Stu ist, ich schäme mich nicht, das zuzugeben.

„Die Scherben der Kindheit …“ gab es schon als Rohfassung, als ich „Verabredung im Bootshaus“ sowie „Sonne, Strand, Cocktails und zwei knallharte SEALS“ geschrieben habe.

2. Frage: Du schreibst zwar, dass das Buch wenig mit echten SEALs zu tun hat, aber immerhin ist James einer und dies ist ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte. Wie recherchierst du zu dem Thema?
Normas Antwort:
Ich recherchiere im Internet. Wikipedia ist eine recht gute Informationsquelle, wobei natürlich immer die Gefahr besteht, dass die dortigen Artikel nicht zu hundert Prozent authentisch sind. Oft helfen mir auch Artikel in Online-Ausgaben von Zeitungen weiter. Außerdem sehe ich mir im Fernsehen jede Dokumentation über Spezialeinheiten an, die ich finden kann, um meinen SEALS trotz aller schriftstellerischen Freiheit eine gewisse realistische Grundlage zu geben. Darüber hinaus habe ich SEAL-Romane bestimmter amerikanischer Autorinnen verschlungen. So wie die Hollywoodfilme sind das natürlich Quellen aus zweiter Hand. Ich will aber kein gutes Militärbuch schreiben, sondern einen unterhaltsamen Liebesroman und orientiere mich natürlich an den Mitbewerberinnen am Markt.

Ich bin keine Autorin, die Freude daran hätte, das Leben eines Soldaten in allen Einzelheiten zu beschreiben. Ich sehe den SEAL immer nur im Kontext des Liebesromans als Heldenfigur oder auch als Tortured Hero. Müsste ich ein Buch über die wirklichen Erlebnisse eines Soldaten verfassen, würde ich ständig heulen, was ich da schon in den Sachinformationen so gelesen und gesehen habe. Meine Helden können nur deshalb Helden sein, weil ich sie aus der Distanz einer Liebesromanschreiberin sehe. Würde ich mehr Realität einbauen, wären sie keine Helden mehr, sondern sehr depressive Menschen mit sozialer Phobie oder auch Täter, die ihre Menschlichkeit verloren haben und selbst Gräueltaten verüben. (Da neige ich gerade Orlando das eine oder andere Mal in die grausige Richtung. Ob er die Grenze zur Unmenschlichkeit jemals überschreiten wird, die Leserin darf gespannt sein.)

3. Frage: James lebt ja offen schwul, Sam nach seine Heirat auch. Das ist aber in deinen Büchern nicht immer so. Angel zum Beispiel (aus „Der Popstar und sein Anwalt“) hat sehr lange eine Alibifreundin und sein Partner Vincent Gable äußert sich öffentlich grundsätzlich nicht zu seinem Beziehungsstatus. Wieso ist das so?

Normas Antwort:
Eigentlich sind Angel und Vincent sehr stolze Schwule, die spätestens nach der Katastrophe mit Jamie ihre Beziehung sehr offen als Paar leben, aber jeglichen Fragen dazu standhaft aus dem Weg gehen. Das liegt an Vincent. Er kann sehr stur sein und ist der Meinung, sich zu seinem Privatleben nicht öffentlich erklären zu müssen, nur weil er zufällig mit einem Popstar liiert ist. Außerdem, und das ist wohl sein Hauptgrund, will er seine Mutter, eine streng gläubige Christin, nicht verletzen. Maria Gable ignoriert die Homosexualität ihres Sohnes komplett und beharrlich. Wenn er es öffentlich zugeben würde, könnte sie diese Vogel Strauß-Politik nicht mehr betreiben und müsste Stellung beziehen. Sie würde ihren Sohn wahrscheinlich „verstoßen“. Vincent liebt seine Mutter und beugt sich diesem Eiertanz, auch wenn es ihm wehtut.

Dahinter steckt wohl auch meine eigene Idee, nicht alles in meinen Romanen immer in Wohlgefallen auflösen zu wollen. Gerade Eltern/Kinderkonflikte kann man manchmal nicht bewältigen, auch wenn man sich noch so sehr bemüht. Man muss lernen, damit zu leben.

4. Frage: Noch eines unterscheidet deine Bücher von vielen anderen: Die Männer führen oft Beziehungen, die nicht unbedingt auf Treue beruhen. Was macht für dich das Einzigartige an in ihren Partnerschaften aus?
Normas Antwort:
Ah, das ist eine richtig schwierige Frage (Haare rauf!). Nee ernsthaft … wenn ich mich an eine Ménageszene herantaste, muss ich mir ja immer überlegen, was für Emotionen die jeweiligen Personen umtreibt. Dominant ist natürlich die Lust aufeinander und eine unbezähmbare Neugier. Lust auf mehr als eine Person, Lust darauf zuzusehen, Lust darauf, Dinge zu wagen, die man zu zweit nicht hinbekommt usw.

Wenn sich in einem meiner Romane Figuren in eine Ménagesituation begeben, dann können sie gönnen und genießen. James gönnt Samuel die Aufmerksamkeiten der dritten Person und zieht seine eigene Lust daraus, durch das Zusehen und Mitmachen.

Ich weiß nicht, ob man „das Einzigartige“ an der jeweiligen Partnerschaft mit den polyamoren Neigungen der Charas in Zusammenhang bringen sollte. Sehe ich meine promisken Figuren mit ihren Lebenspartnern und werde von einer Interviewerin dazu angehalten, das näher zu erklären, dann spielt die Ménage nicht so die Riesenrolle (so komisch es Leserinnen jetzt anmuten mag, die die Paare in Romanen lieber treu hätten).

Alle meine polyamor lebenden Charas zeichnet ein gesundes Selbstbewusstsein und ein gewisser Mangel an Eifersucht aus. Sie fühlen sich nicht angegriffen oder zurück gesetzt, wenn der Liebste oder die Liebste in erotischer Interaktion mit einem anderen ist. Außerdem sind sie sanft zu denjenigen, die zwar neugierig sind, aber doch innerlich über eine gewisse Grenze nicht können, ohne emotional verletzt zu werden. In „Sonne, Strand, Cocktails …“ macht Orlando nicht alles mit seinen und Mikes Urlaubsbekanntschaften, weil er genau spürt, wie weit er bei diesen gehen kann. Er nimmt seine eigene Lust nicht als Maßstab für dieses spezielle Ménageabenteuer, sondern schaut sehr genau, was seine Partner genießen können und wo sie zu zerbrechen drohen (was denen im Moment der Hitze vielleicht selbst gar nicht bewusst ist, aber Orlando und Mike sind da viel erfahrener).

Natürlich ist das eine literarische Überhöhung, aber ich schreibe keine Eifersuchtsdramen, sondern Bücher, in denen die Figuren selbstbewusst zu ihren Wünschen stehen. Und ganz so einfach mache ich es mir und meinen Charas auch nicht. Werden bestimmte Regeln im Umgang miteinander verletzt, kann der eigentlich gönnende Chara auch ganz schön kiebig und besitzergreifend werden.

5. Frage: Wird es weitere Geschichten aus dem „Popstar“- bzw. „SEALs in Love“- Universum geben? Wenn ja, kannst du uns schon sagen welche und wann wir damit rechnen können?
Normas Antwort:
Ja, es wird noch viele Romane aus der Popstar-Reihe geben. Im nächsten Roman sind Vincent und Marc wieder in Hauptrollen dabei und nicht nur als Cameos. Marc tanzt in seiner exaltierten Art erneut seinem Vincent auf der Nase herum, ohne es böse zu meinen, woraufhin Vincent seinem Mann eine Art Aufpasser engagiert, einen mit einer SEAL-Vergangenheit.

Wann ich den Roman zur Veröffentlichungsreife bringe, kann ich derzeit nicht sagen.

6. Frage: Zum Schluss noch eine ganz andere Frage: Sams kleine Tochter Liza liebt Waffeln und Pancakes. Darauf habe ich auch Lust bekommen. Allerdings mag ich das Zeug nicht zum Frühstück. Waffeln sind für mich ein typisches Samstag-Nachmittags-Gebäck und Pfannkuchen, egal ob süß oder herzhaft liebe ich zum Abendessen.
Würdest du mir die Rezepte verraten, die dir vorschwebten, als du das Buch geschrieben hast?
Normas Antwort:
Ich hatte ehrlich gesagt keine besonders raffinierten Pancakes im Sinn. So würde ein Amerikaner sie wohl nicht machen:

Link zum Rezept für Pancakes 



Bildquelle: http://kochen-mit-carmen.blogspot.de/2012/02/pancakes-mit-rumtopf.html

Danke für deine Offenheit, Norma! 
Wer noch mehr über die Autorin wissen möchte, kann hier nachschauen:

Norma Banzi im Internet:


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