Sonntag, 8. November 2015

"Du mich auch!" von Marlene Lauterbach

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Freundschaft und Liebe?

Nick und Marcel sind echte Sandkastenfreunde, die miteinander durch dick und dünn gehen. Dabei scheinen sie auf den ersten Blick nichts gemeinsam zu haben: Nick kleidet sich konservativ, gibt sich intellektuell und steht auf Splatterfilme. Marcel ist total flippig, eher unordentlich und hasst es, wenn auf der Leinwand Blut spritzt. Ein ständiger Streitpunkt zwischen den Freunden ist Marcels, Angewohnheit, Männer abzuschleppen und sie nur eine einzige Nacht in sein Bett zu lassen. Nick bevorzugt Frauen und hält nichts von One-Night-Stands, auch seine Beziehungen überdauern allerdings in der Regel nur wenige Wochen.
Alles ändert sich, als Nick Marcel darum bittet, für einige Zeit seinen Freund zu spielen, um seinen Vater mit seiner angeblichen Homosexualität zu schockieren. Plötzlich finden die beiden Jungs sich in einem Konstrukt aus Lügen und Halbwahrheiten wieder, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint.

Ich muss gestehen, das „Du mich auch!“ mich ziemlich überrascht hat. Der Name Marlene Lauterbach steht bei mir für humorvoll-ironische Wohlfühl-Lektüre, die man mit einem Lächeln lesen und genießen kann. Ganz so einfach machen es einem Marcel und Nick aber nicht. Marcel, aus dessen Perspektive die Story erzählt wird, gibt gerne die Diva und will auf keinen Fall Gefühle zulassen, die über Freundschaft hinausgehen. Er glaubt, dass Sex seine Beziehung zu Nick nachhaltig stören würde. Woran das genau liegt, erschließt sich erst im Laufe der Geschichte.

Auch Nicks Motive bleiben dem Leser zunächst unklar, weil man ihn durch Marcels Augen betrachtet und der einfach nicht begreift, was in seinem besten Freund vorgeht. Als dann noch Nicks Stiefbruder Lucas auf den Plan tritt, ist der emotionale Supergau vorprogrammiert.

Für mich werden Marcel und Nick, auch wenn sie es nach Jahren längst sind, in diesem Buch erwachsen. Beide müssen sich fragen, was sie wirklich vom Leben und von einer Beziehung erwarten. Marcel tanzt auf einem Drahtseil und es dauert sehr lange, bis er begreift, dass er nicht alleine in die Tiefe fallen wird, wenn er abstürzt.

Insgesamt ist die Geschichte erheblicher ernster und nachdenklicher, als die anderen Bücher von Marlene Lauterbach. Zwar fehlt auch hier der Humor nicht, weil die Autorin ein Auge (oder ein Händchen?) für absurde Situationskomik hat, insgesamt ist die Story aber nicht wirklich lustig, sondern setzt sich ernsthaft mit der Frage nach dem Unterschied zwischen Freundschaft und Liebe auseinander. Die Antwort darauf finde ich außerordentlich interessant und ich bin mir nicht sicher, ob sie für jeden Leser gleich ausfällt.

Fazit: Ich habe eine locker-flockige Love-Story erwartet und ein spannendes Beziehungsdrama bekommen. Immerhin konnte ich die Geschichte keine Sekunde aus der Hand legen, bis ich wusste, ob und wie Marcel und Nick ihre Probleme gelöst haben. Das spricht doch für sich, oder?
Deshalb verdiente 5 Punkte und eine Leseempfehlung für diesen „ungewöhnlichen“ Marlene- Lauterbach-Roman.

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Bildquelle: amazon

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