Dienstag, 17. November 2015

"Wo schreibst du am liebsten, Kooky Rooster?"

Ungewöhnliche, oft ein wenig schräge Helden, die mit der Absurdität des Alltags zu kämpfen haben, sind die Spezialität von Kooky Rooster. Sie scheut sich nicht, Hässlichkeiten und peinliche Moment zu schildern und schafft es trotzdem (vielleicht auch gerade deshalb) herzzerreißend rührende Geschichten zu erzählen, die unheimlich zu Herzen gehen. Und sie machen Mut, an die Liebe zu glauben ...

Die wundervolle Kurzgeschichte "Neurotisch, männlich, ausrangiert sucht: Gay Romance" gibt es im Moment kostenlos. Aber Vorsicht! Kooky Rooster macht süchtig!!! Vergessen wird man sie auch so schnell nicht mehr. 


Also: Wo schreibst du am liebsten, Kooky Rooster?


1. Mich interessiert, wie deine ideale Schreibumgebung aussieht. Würdest du sie beschreiben?
Die ideale Schreibumgebung wäre ein eigener Raum, jede Wand ein Bücherregal bis zur Decke. Der Schreibtisch wäre riesig, der Stuhl bequem, es gäbe ein riesiges Fenster, davor ein verwilderter Garten. Es wäre still, ich hätte meine Ruhe, es wäre mein Reich, in dem mich keiner stört. Es gäbe viel Holz, es röche nach altem Papier. Nachts würde der Raum im Dunkel verschwinden, während ich im Kegel einer Schreibtischlampe säße.

2. Und wie ist es in der Realität? Wo schreibst du deine Geschichten? Hast du im Sommer einen anderen Lieblingsplatz als im Winter? 
In der Realität schreibe ich in der Küche, wo ich mit Gaffer-Tape eine abenteuerliche Konstruktion an einem Tisch befestigt habe, um die externe Tastatur halbwegs ergonomisch benutzen zu können. Statt deckenhoher Bücherregale stapeln sich Türme schmutzigen Geschirrs. Der Wasserhahn tropft, der Kühlschrank surrt und die Kaffeemaschine röchelt. Es riecht nach Essen und Spülmittel. Ich sehe auf ein paar Innenhöfe voller Parkplätze, und wenn ich gedankenverloren in die Ferne starre, blicke ich auf die Wohnhäuser gegenüber. Dabei gerate ich in Versuchung, mir auszudenken, wer die Menschen dort drüben sind, welche Leben sie führen, was sie tun. Bei meinem Hirn kommen dann so Dinge raus, wie ein 60-jähriger Mann, der den Tod seiner Frau nicht verwunden hat und seitdem jede Nacht mit ihren Kleidern als Travestiekünstler auftritt. (In der Tat gibt es bereits einen Anfang zu dieser Geschichte auf meinem Rechner.)  

3. Was darf an deinem Schreibplatz auf keinen Fall fehlen?
Mein Netbook inklusive Equipment, wie Kühlplatte, Maus und externe Tastatur. Ein mit Leitungswasser gefüllter Bierkrug. Kugelschreiber (das ungeschriebene Gesetz besagt: Egal, wie viele Schreibgeräte auf deinem Tisch liegen, es funktioniert nur eines, und zwar jenes, zudem du zuletzt greifst). Zettel. Papiertaschentücher für ergreifende Momente. Süßkram und Diätcola. (Je weniger Kalorien du mit dem Trinken zu dir nimmst, umso mehr kannst du in Form von Schokolade zu dir nehmen.)

4. Gibt es geheime Suchtmittel beim Schreiben? (Kaffee, Tee, Kakao oder vielleicht eine dicke Zigarre??? ;) Schokolade oder lieber ein Schinkenbrot? Was ganz anderes?) 
Coke Zero. Ohne geht nicht. Das ist meine Koffeinquelle, da ich Kaffee nicht einmal riechen kann. (Die olfaktorische Herausforderung zu »… die Kaffeemaschine röchelt vor sich hin«.) Alpenmilchschokolade. Meine Hirnnahrung. Während intensiver Schreibphasen gibt es Tage, da »ernähre« ich mich ausschließlich so. Während des Schreibens gilt striktes Alkoholverbot. Ich bin süchtig nach einem klaren Kopf.

5. Hörst du Musik beim Schreiben (Welche?) oder brauchst du Stille?
Ich bin ein Stillefetischist. Es gibt zwar Musik, die mich inspiriert, und fast jedes Buch hat seinen eigenen Soundtrack, den höre ich aber nur um reinzukommen. Beim Schreiben selbst muss es mucksmäuschenstill sein. Manchmal setze ich dafür auch meine Schallschutzkopfhörer (siehe Foto) auf. (Eine der wichtigsten Investitionen der letzten Jahre.)
Die Musikauswahl variiert von Geschichte zu Geschichte und die Songs sind für mich danach fest mit dieser Geschichte verknüpft. Daher denke ich, wenn ich »Pornophonique« höre, an »Satellit – Liebe in der Umlaufbahn«, bei »Boys of Melody« an »Zuviel – Dick, sensibel, ungeliebt« und bei »Selig« an »Tote Poeten und Pickelstift«.

6. Magst du ein wenig über dein aktuelles Projekt erzählen? 
Momentan befinde ich mich in einer Umorientierungsphase. Happy End, Liebe und Sex sind ein Genre-Diktat, mit dem ich nicht mehr klarkomme. Gay Romance ist daher derzeit Gift für meine Muse, also tüftle ich an verschiedenen Ideen herum, ohne noch sagen zu können, in welches Genre es mich letztendlich verschlagen wird. Nur Fantasy wird es keine werden und ziemlich sicher auch keine Romanze. Ich liebäugele derzeit mit einer Geschichte um ein paar schräge Leute, die sich in einer dystopischen Welt behaupten müssen.

Vielen Dank für deine Antworten!

P.S.: Zuletzt erschienen von Kooky Rooster ist "Tote Poeten und Pickelstift", das von der wirklich ungewöhnlichen Liebe zwischen einem Lehrer und einem Schüler erzählt.

Ich muss gestehen, dass ich ALLE Bücher von Kooky Rooster liebe, aber "Iltis: Räudige Hunde" mein absoluter Favorit ist, obwohl ich normalerweise weder etwas für Anzugträger, noch besonders viel für Typen wie ... Illtis halt ... übrig habe. Das spricht doch für die Qualität der Geschichte, oder?

Link zur Amazon-Seite der Autorin: Kooky Rooster

Bildquelle: pixabay.com, Kooky Rooster und amazon


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