Sonntag, 15. November 2015

"Wo schreibst du am liebsten, Seth Ratio?"

Seth Ratio hat bisher nur wenige Geschichten veröffentlicht, die allerdings zwei Dinge gemeinsam haben: Alle sind sehr intensiv geschrieben und immer geht es um die Liebe zwischen zwei Männern.

Besonders interessant ist der Episodenroman "Little Things" der es schafft, aus kleinen, scheinbar zusammenhanglosen Szenen das Bild einer tiefen Freundschaft zu malen, die schließlich zu Liebe wird.



Also: Wo schreibst du am liebsten, Seth Ratio?

1. Mich interessiert, wie deine ideale Schreibumgebung aussieht. Würdest du sie beschreiben? 

Schreiben kann ich immer und überall. Aber die traumhafte Umgebung ist für mich das Wohnzimmer. Die Couch ist meine Schreiboase. Am bestens abends/nachts, wenn es im Haus und auch draußen ruhig ist und die Katze so müde, dass sie sich einfach zu mir legt. Wenn es dann noch einen Kaffee dazu gibt, ist mein Idealzustand erreicht. Je nachdem, was ich schreibe, gehört dazu noch gute Musik auf die Ohren. 

2. Und wie ist es in der Realität? Wo schreibst du deine Geschichten? Hast du im Sommer einen anderen Lieblingsplatz als im Winter?
Die Realität sieht natürlich ein wenig anders aus. Wenn die Muse mal wieder winkt und sich ohne vorher zu fragen ankündigt, ist mir die Umgebung nahezu egal. Dann muss raus, was raus muss. Da werden dann die ersten Sätze in der Bahn in Mitten von lärmenden Fahrgästen geschrieben oder ich unterbreche das Wäsche waschen für zwei Minuten, um mir Notizen zu machen. Meistens schaffe ich es aber immer, mich abends für einige Zeit an den Laptop zu setzen – auch wenn ich das nicht immer zum Schreiben nutze, wie ich zugeben muss. 

Generell schreibe ich im Winter mehr und auch besser. Ich mag die ruhige Atmosphäre, die in den letzten Monaten des Jahres herrscht. Im Sommer ist jeder Tag über 25 Grad ein kleiner Krimi, weil man dann wetten kann, ob mein Laptop zuerst den Geist aufgibt oder ich.

3. Was darf an deinem Schreibplatz auf keinen Fall fehlen?
Meine Katze! Sobald ich auf der Couch sitze, legt sie sich zu mir. Sie ist mein Ruhepol und hilft mir enorm dabei, alles andere auszublenden und mich komplett aufs Schreiben zu konzentrieren. Wenn sie sich auf mich legt, kann ich sowieso nicht aufstehen. Sie „zwingt“ mich also zur Arbeit ;) 


4. Gibt es geheime Suchtmittel beim Schreiben? (Kaffee, Tee, Kakao oder vielleicht eine dicke Zigarre??? ;) Schokolade oder lieber ein Schinkenbrot? Was ganz anderes?)
Brauchen tue ich nichts beim Schreiben. Außer natürlich einen funktionierenden PC oder zumindest einen Stift und Papier. Manchmal lenkt es mich sogar ab, wenn ich neben mir auf dem Tisch noch ein Glas Saft oder etwas zu Essen habe, weil ich mich selbst beim Schreiben unterbrechen muss, um danach zu greifen. Dadurch verliere ich manchmal den Faden. Deswegen steht auf dem Wohnzimmertisch meistens nicht mehr, als ein Glas oder eine Tasse. 

5. Hörst du Musik beim Schreiben (Welche?) oder brauchst du Stille?
Das kommt immer ganz darauf an, was ich schreibe. Bei manchen Projekten brauche ich die passende Hintergrundmusik. Für mein Märchen „Queery Tales – auf magischer Reise“ habe ich zum Beispiel beim gesamten Schreibprozess „Heart of Courage“ von „Two Steps From Hell“ gehört. Das ist instrumentale Musik, ohne Gesang, der ablenkt.
Wenn ich etwas zu Sully aus meiner „Little Things“- Reihe schreibe, höre ich oft fröhliche und leichte Musik, wo die Texte nicht wahnsinnig tiefsinnig sind, sondern einen einfach schmunzeln lassen und Lebensfreude ausstrahlen. Es kommt immer ein wenig auf die Grundstimmung der Geschichte an. Manchmal brauche ich auch absolute Stille. 

6. Magst du ein wenig über dein aktuelles Projekt erzählen?
Uff, welches davon? Auf meinem PC tummeln sich mehr Projekte, als ich in einem Leben bewerkstelligen könnte.

Seit über einem Jahr schreibe ich jetzt schon an „Der Geschmack von Freiheit“, was bisher mein größter Roman ist. Momentan bin ich bei etwas über 50.000 Wörter, Tendenz steigend. Aktuell komme ich leider nicht wirklich dazu, daran weiter zu arbeiten, aber das wird auf jeden Fall fertiggestellt, da mir die beiden Protagonisten sehr am Herzen liegen. Das Buch ist allerdings keine leichte Kost, weder beim Lesen, noch beim Schreiben. Das merke ich bei jedem neuen Kapitel.

Es geht um Lee, einen 25-jähriger Automechaniker aus Denver, der keine normale Kindheit hinter sich hat und dadurch als Erwachsener deutlich heraussticht. Was für uns im Alltag normal ist, stellt sich ihm immer wieder als Herausforderung in den Weg. Dadurch eckt er natürlich überall an. In der Geschichte trifft er auf Jayden, der sich nicht weiter daran stört und ihm hilft, sich langsam aus den Ketten zu lösen, die sein Vater immer noch um ihn bindet. Es ist keine reine fröhliche Romanze, sondern ein Kampf um Akzeptanz, Liebe und vor allem Freiheit.

Vielen Dank für deine Antworten!

P.S.: Zuletzt erschienen von Seth Ratio ist die Kurzgeschichte "Heimatliebe", eine sehr berührende Erzählung um die geheime Liebe eines amerikanischen Soldaten zu seinem Flügelmann im blutigen Wahnsinn des Irak-Krieges .

Link zur Autorenprofil von Seth Ratio bei BookRix:
www.bookrix.de/-mzbbc2b46a07d25/

Bildquelle: pixabay.com, amazon und Seth Ratio






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