Freitag, 8. Januar 2016

Null Toleranz und eine Armlänge Abstand …

… oder: Wo leben wir eigentlich?
Kann, darf, muss, will ich als Buchblogger „gesellschaftspolitische Themen“ kommentieren?

Ich muss sicher nicht und normalerweise will ich es auch nicht.

Ich kann es und ich darf es, weil eben nicht nur Bücher lese, sondern auch Zeitungen und Nachrichten im internet, die mich beschäftigen. Ich kann und darf es, weil ich in einem freien Land lebe. Einem Land mit vielen Rechten und einigen Regeln.

Die Vorgänge in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof haben mich persönlich sehr schockiert. Ich liebe Köln und bin gerne dort. Nie hätte ich geglaubt, dass so etwas in gerade dieser Stadt möglich ist, einer Stadt die viel Erfahrung mit feiernden Menschen hat und sie normalerweise auf ihre ganz eigene Art zusammenwachsen lässt. Köln steht für Toleranz. Köln steht auf und sagt: „Asch hu, Zäng ussenander“ und schaltet rechten Dummbürgern einfach das Licht aus. Köln ist freundlich und lässt jeden auf seine eigene Art glücklich werden.

Ich habe keine Ahnung, wie es sich eine Situation in Köln derart zuspitzen konnte und bin ganz sicher nicht in der Position, zu beurteilen ob und wie sie hätte verhindert werden können. Was geschehen ist, muss rasch und lückenlos aufgeklärt werden. Denn es verstößt eindeutig gegen die Regeln, die nicht nur in Köln, sondern im ganzen Land gelten. Darüber braucht man meiner Meinung nach nicht weiter zu diskutieren.

Muss ich wirklich öffentlich sagen, dass ich mit den Opfern fühle und die Täter verurteile? Das ist doch eine Selbstverständlichkeit, oder? Vielleicht sollte ich es trotzdem tun, um meine Solidarität zu bekunden. Punkt. Mehr gibt es dazu nun wirklich nicht zu sagen.

Manche Politiker sehen das natürlich anders. Sie lamentieren laut in jedes Mikro, das ihnen unter die Nase gehalten wird oder posten es eifrig in allen sozialen Netzwerken.

Über zwei Dinge habe ich mich besonders aufgeregt: 

1. „Null Toleranz gegenüber straffälligen Ausländern!“
Hä? Was bitte soll mir dieser Satz denn jetzt sagen? Ich lebe in einem Rechtsstaat und erwarte, dass jeder Straftäter entsprechend den Gesetzen verurteilt wird. Egal welcher Nationalität er angehört. Oder dürfen deutsche Vergewaltiger etwa mit Toleranz rechnen? Weil sie blond sind und schöne blaue Augen haben?

2. „Eine Armlänge Abstand!“
Hallo? In welchem Jahrhundert leben wir noch einmal? Dieser Satz macht mich, egal ob er jetzt gut gemeint war oder nicht, unglaublich wütend. Für mich suggeriert er, dass die Opfer eine Teilschuld tragen, weil sie eben nicht „Abstand“ gehalten haben. Weil sie nicht „aufgepasst“ haben …

Wie sehr das an der Lebenswirklichkeit vorbei geht, fasse ich einfach nicht. Was ist denn der nächste Tipp? Nicht in einen überfüllten Bus steigen? Bloß keine kurzen Röcke tragen? Ganz zuhause bleiben?

Natürlich gibt es Verhaltensregeln, die dazu dienen, sich selbst zu schützen. Aber gerade nach Tagen oder Nächten, wie der in Köln, darf es nur einen einzigen Tipp geben. Der geht an die Täter und lautet „Hände weg!“

Niemand (!!!) hat das Recht eine andere Person ohne deren Einwilligung zu berühren. Das muss ohne Einschränkungen immer wieder deutlich gemacht werden und gilt unabhängig von Geschlecht, Alter und Herkunft.

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