Freitag, 26. Februar 2016

"Ein Wolf in der Küche" von Kim Fielding

Werwolf vs. Hinterwäldler

Dylan ist ein erfolgreicher Architekt, hat ein gutes Verhältnis zu seinem Bruder und seiner Schwägerin und eine tolle Wohnung mitten in der Stadt, die als Besonderheit ein Zimmer mit stahlverstärkter Tür und einem kompliziert zu bedienendem Schloss enthält. Man braucht Hände um es zu öffnen und über die verfügt Dylan einmal im Monat nicht: Bei Vollmond verwandelt er sich in einen Wolf, der jagen und töten will. Das Tier hasst sein Gefängnis und auch der Mann ist langsam nicht mehr glücklich damit.

Raus aufs Land, wo der Wolf rennen kann, ohne jemanden zu verletzen! Das scheint die einzige Lösung zu sein. Dylan findet sein Traumhaus und ausgerechnet der Nachbar, der ihm eigentlich zu nahe wohnt und ihn fast davon abgehalten hätte, das Haus zu kaufen, erweist sich als wahrer Glücksfund. Chris kann nicht nur alles reparieren, erweist sich als guter Handwerker und ist ein toller Koch, er sieht auch noch klasse aus.

Langsam kommen die beiden Männer sich näher. Doch Dylan traut sich nicht, sein Geheimnis zu verraten, und Chris versteht sein Schweigen völlig falsch. Haben ein einsamer Werwolf und ein schüchterner Hinterwäldler wirklich die Chance auf eine gemeinsame Zukunft?

Ein Wolf in der Küche“ von Kim Fielding ist ganz klar eine humorvolle Romanze und kein Horror-Roman, trotzdem unterscheidet sich die Story deutlich von den Gestaltwandlergeschichten, die gerade so in Mode sind. Werwölfe, auch Dylan, sind gefährlich und haben sich in ihrer tierischen Form nur sehr begrenzt unter Kontrolle. Ihr Biss ist entweder tödlich oder bringt einen neuen Werwolf hervor. Kim Fielding schafft es grandios, Dylans „wölfisches“ Verhalten glaubwürdig zu schildern. Die Szenen mit Dylan als Wolf sind teilweise … mit derbem Witz geschrieben, aber das Gesamtbild ist stimmig. Sie sind genauso toll zu lesen, wie die in denen er als Mensch agiert.

Interessanterweise ist Dylans "Wolfsein" zwar ein wichtiger Bestandteil der Story, aber nicht ihr Kern. Im Grunde geht es um zwei sehr einsame Männer, die die Hoffnung auf einen Partner fürs Leben eigentlich schon aufgegeben haben.

Da die Story aus Dylans Sicht erzählt wird, kann man mit ihm zusammen hemmungslos Chris anschmachten. Das macht Spaß, weil der Mann nicht nur gut aussieht (Ohne es zu wissen, gerade das macht es so unwiderstehlich …) sondern auch noch total sexy ist. Kim Fielding beschreibt seinen Körper und die erfreulichen Dinge, die Dylan und er miteinander anstellen, unvergleichlich heiß. Die expliziten Szenen gehen über die Beschreibung von Stellungen oder Techniken weit hinaus und sind ein wahres Fest für die Sinne.

Wunderschön ist es, wie sich die beiden Männer nach und nach einander öffnen. Das gegenseitige Interesse ist zw
ar von Anfang an da, aber zuerst sind die beiden eher Kumpel, die gemeinsam arbeiten, dann werden sie Freunde mit gewissen Extras und merken schließlich, dass sie alles füreinander sein könnten. Es ist einfach klasse, wie sie umeinander herum schleichen. Beide glauben, nicht gut genug für den jeweils anderen zu sein, können aber auch nicht voneinander lassen. Dylan hat dabei natürlich vor allem Angst, dass er Chris verletzen könnte, wenn er mal wieder mit Klauen und Zähnen durch die Gegend rennt, Chris ist sein Leben lang immer wieder verlassen worden und glaubt nicht, dass ihn jemand wirklich lieben könnte.

Das Buch konzentriert sich sehr auf Dylan und Chris, deshalb bleibt wenig Raum für die Nebencharaktere. Die sind zwar solide angelegt, gewinnen aber nicht wirklich an Tiefe. Darunter leidet der kleine Thrillerplot ein wenig, der sich um Dylans eifersüchtigen Ex-Freund dreht.

Aufgewogen wird dies in meinen Augen, weil die beiden Hauptpersonen wirklich toll dargestellt werden. Sie zeigen genau die richtige Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit, um mit ihnen zu lieben und zu leiden. Kim Fielding erzählt ihre Geschichte mit Schwung und Humor, der mich mehr als einmal dazu gebracht hat, laut zu lachen.

Mein Fazit:Ein Wolf in der Küche“ ist eine erstklassige, etwas ungewöhnliche und sehr humorvolle Werwolf-Romanze mit sympathischen, sexy Helden. Von mir gibt es verdiente 5 Punkte und eine Leseempfehlung, die ausdrücklich Leute einschließt, die sonst mit Gestaltwandlern wenig anfangen können.


Anmerkung: Bei dem Namen „Kim Fielding“ klingelte irgendetwas weit hinten in meinen Gehirnwindungen. Tatsächlich habe ich schon eine andere Story der Autorin gelesen, die von Stil und der Thematik her völlig anders ist, mir aber auch sehr gefallen hat. „Sprachlos“ ist eine faszinierende Kurzgeschichte, deren Preis allerdings für die Seitenzahl gesalzen ist. Auch „Ein Wolf in der Küche“ hat eigentlich ein Preis/Seiten-Verhältnis, das ich nicht besonders gut finde. Allerdings konnte ich nach der Leseprobe die Finger nicht von dem Buch lassen und weiß jetzt schon, dass ich auch die beiden Fortsetzungen lesen werde, sobald sie auf Deutsch erscheinen.

Noch was: In meinen Rezis sage ich ja selten etwas zu dem Cover, weil ich mich in der Regel sofort auf den Text stürze. Cover locken mich zwar an, sind mir aber im Grunde egal, wenn der Inhalt stimmt. Dieses hier war mir aber mehr als einen Blick wert. Es gefällt mir außerordentlich gut und passt ausgezeichnet zu der Geschichte um Dylan und Chris.


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 Hier kann man die Bücher von Kim Fielding kaufen:
Die meisten liegen allerdings bisher nur in Englisch vor.
- "Ein Wolf in der Küche"
- "Sprachlos"

Bildquelle: amazon

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