Dienstag, 22. März 2016

"Die Magie des Königs" von Dahlia von Dohlenberg

Spannender High-Fantasy-Roman

Ausnahmsweise hier einmal zuerst die Bewertung, weil ich „Die Magie des Königs“ von Dahlia von Dohlenberg nicht besprechen kann, ohne ein wenig zu spoilern:

Die Geschichte gefällt mir sehr, leider gibt es aber auch ein paar kleinere Kritikpunkte. Deshalb 4 von 5 Punkten und eine Leseempfehlung, die sich übrigens ausdrücklich mehr an Fantasy-Leser richtet, auch wenn das Buch an erster Stelle unter „Liebesromane“ gelistet ist. Natürlich spielt die Liebe eine große Rolle, der Kern des Buches ist aber in meinen Augen eine spannende High-Fantasy-Geschichte voller Intrigen und Kämpfe.

Ab hier SPOILER möglich:

Jeder Junge wird in einem bestimmten Alter auf Magie getestet. Die „Gezeichneten“ wurden früher getötet, heute noch müssen sie die „Schule der Reinigung“ besuchen und niemand hört je wieder von ihnen. Nur einer der Jungen erlebt eine besondere Ehre: Er wird zum König gekrönt und unterstützt von diesem Tag an das herrschende Königinnenhaus mit seinen Gebeten.
Prinz Cassian lebt ein einsames und zurückgezogenes Leben in einem eigenen Palast. Seinen Vater hat Cassian nie kennengelernt, seine Mutter, die Königin, weigert sich seit langem, ihn zu empfangen. Nur zu seiner Zwilligsschwester Ash hat er ein recht gutes Verhältnis, auch wenn sich ihre Leben immer weiter auseinanderentwickelt haben. Nun soll Cassian den Verlobten und designierten König für die Zeit der Verlobung beherbergen. Korais Anblick trifft ihn mitten ins Herz. Natürlich hat ihre Liebe keine Chance. Aber hat nicht auch Ash einen Liebhaber?
Cassian macht sich auf die Suche nach Antworten. Die Zeit drängt, denn Rebellen versuchen Korai zu töten und zu Cassians Entsetzen scheint der wenig dagegen zu haben.
Zur gleichen Zeit bemerkt Kriswyn, dass ausgerechnet ihr geliebter kleiner Bruder der Verlobte der Königin ist. Sie setzt alles daran, ihn zu befreien und riskiert dabei mehr als ein Leben. Zum Glück findet sie unerwartete Verbündete. Doch kann sie diesen wirklich trauen?
Die Geschichten zweier Familien verflechten sich untrennbar miteinander und könnten die Geschichte eines ganzen Reiches für immer verändern!

Die Magie des Königs“ erzählt eigentlich drei miteinander verwobene Liebesgeschichte, die jede für sich wunderschön und sehr berührend. Im Kern steht die von Cassian und Korai, doch auch die seiner Schwester Ash zu ihrem Leibwächter Mishai ist eigentlich sehr berührend. Leider bleibt die Kronprinzessin ein wenig blass, während Mishai eine tragende Rolle zukommt. Er macht – neben Cassian – die größte Entwicklung durch, wobei er seinem Charakter treu bleibt: Mishai sorgt mit ganzem Herzen für die Menschen die er liebt, auch wenn diese es ihm nicht immer danken.

Der interessanteste Charakter der Geschichte ist aber Korais wilde Schwester Kriswyn. Voller Zorn über den Vorfall, der ihr den Bruder genommen, die Mutter das Leben gekostet und den Vater dazu gebracht hat, sich von der Familie abzuwenden, fühlt sich Kriswyn nur an wenige Gesetze gebunden. Sie träumt davon mit ihrem besten Freund Yorik fremde Länder zu bereisen und füllt dafür ihre Kasse mit waghalsigen Diebstählen auf. Ihre Beziehung zu Yorik beinhaltet durchaus auch Sex, den teilt Kriswyn aber auch mit anderen. Deshalb ist sie erstaunt, als Yorik plötzlich eifersüchtig auf Rolain reagiert. Die drei finden eine überraschend einfache Lösung für ihr Problem, das mir sehr gefallen hat.

Soweit zum „Liebesroman-Anteil“ der Geschichte. Ansonsten werden eine Menge Geheimgänge erkundet, Pläne geschmiedet und Kämpfe ausgefochten. Intrigen müssen gesponnen und Geheimnisse enttarnt werden. Unerwartete Wendungen erschweren das Leben der Helden und ein finsterer Bösewicht zieht im Hintergrund die Fäden. Was ich hier mit zwei Sätzen lapidar zusammenfasse, nimmt ebenfalls einen großen Teil der Geschichte ein. Leider konnte ich manchmal die Ansätze nicht ganz nachvollziehen.

Um es vorwegzunehmen: Das Buch ist ein guter und spannender Fantasy-Roman, den ich gerne gelesen habe. Gerade deshalb hat mir aber an manchen Tiefe gefehlt und es sind ein paar Fragen offen geblieben. Trotz des Umfangs war einfach nicht genug Zeit. Immerhin müssen drei Liebensaffären erzählt UND eine Menge Geheimnisse gelüftete werden. Alleine die bittersüße Liebe zwischen Mishai und Ash hätte ein ganzes Buch verdient. Genauso ist es mit der scheinbar hoffnungslosen Anziehungskraft zwischen den beiden Außenseitern Cassian und Korai. Ihre Gefühle werden leider immer nur angerissen. Wahrscheinlich wirken Kriswyn, Rolain und Yorik aus dem gleichen Grund nach ein paar angfänglichen Irritationen schon fast sachlich. Gefühlt lösen ihr Problem so: „Bei uns passt keine Zweierkonstellation, machen wir halt mehr daraus! In Ordnung?“ - „Passt.“ - „Ja, klar.“

Hey!?! Nicht nur hier wollte ich viel, viel mehr wissen! Hier hätte ich so richtig gerne mitgelitten und mitgeliebt, statt durch den gefühlt 125sten Geheimgang zu schleichen, auch wenn das für den Fortlauf der Geschichte noch so notwendig war.

Die Welt, die Dahlia von Dohlenburg für ihren Roman geschaffen hat, ist unheimlich komplex und interessant. Auch davon hätte ich gerne mehr gelesen. Dabei habe ich aber noch Hoffnung. Vielleicht kommt ja irgendwann einmal ein Buch über die Abenteuer, die Kriswyn, Rolain und Yorik gemeinsam erleben, oder eines darüber, wie Ash und Mishai das Reich in eine neue Zeit führen.

Cassian und Korai haben am Ende der Geschichte ihr verdientes Glück gefunden, insofern ist die Geschichte nicht ganz falsch in der Kategorie „Romantische Literatur für Homosexuelle“. Ihre Beziehung ist ein wichtiger Teil der Geschichte, aber nicht alles, was das Buch zu bieten hat. Mit seinen verflochtenen Handlungssträngen würde ich es eher unter „Fantasy“ einordnen. Zwei der Charaktere sind halt zufällig schwul. Und? Das ist mit Sicherheit nicht der (einzige) Kern der Story.


Der liegt eher in der Frage ob es sinnvoller ist, Traditionen oder seinem Herzen zu folgen. Dabei ist durchaus nicht nur die Liebe gemeint, sondern auch ein Gefühl für „Richtig“ und „Falsch“. Im Fantasy-Anteil lassen sich spannende Parallelen zu aktuellen (Umwelt-)Problemen entdecken, die ruhig noch ein wenig vertieft werden könnten.

Haben wollen? 

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Bildquelle: amazon

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