Sonntag, 8. Mai 2016

"Black Dagger Legacy 1: Kuss der Dämmerung" von J.R. Ward

Die nächste Generation der Black Dagger geht an den Start!

In den beiden letzten Büchern, die sich eigentlich um das Schicksal der Schatten Trez und iAm drehen, wird bereits angedeutete, dass Wrath und seine Black Dagger mit dem Gedanken spielen, eine neue Generation von Soldaten auszubilden. „Black Dagger Legacy“ ist so etwas wie ein SpinOff der Black Dagger - Originalserie und konzentriert sich hauptsächlich auf die Männer und Frauen, die das knallharte Trainingsprogramm durchlaufen.

Der erste Band handelt nun von Paradise und Craeg, zwei der jungen Leute, die sich beworben haben und zuerst einmal schwierige körperliche und mentale Prüfungen bestehen müssen, die zeigen sollen, ob sie überhaupt geeignet sind, den Vampiren als Krieger zu dienen. Unterschiedlicher könnten zwei Menschen nicht sein: Paradise ist die behütete Tochter eines alten Adelsgeschlechts, Craeg ein Bürgerlicher, der sich seit den Überfällen der Lesser allein durchgeschlagen hat. Als Paradise verschweigt, wie ihr familiärer Hintergrund ist und dass ihr Vater dem König als erster Ratgeber dient, will sie eigentlich damit nur verhindern, eine Sonderstellung einzunehmen. Sie kann nicht ahnen, dass Craeg die Glymera fast so sehr hasst, wie die untoten Feinde ihrer Rasse.

Kann die gemeinsame Ausbildung die Standesunterschiede schrumpfen lassen, oder werden sie immer als unüberwindliche Barriere zwischen den beiden stehen?

Zur Freude aller Fans der Serie haben auch altbekannte Charaktere kurze oder längere Gastauftritte: So ist z.B. Butch nun verantwortlich für das Training, ähnlich wie es früher einmal Tohr war. Außerdem muss er den Tod einer jungen Vampirin aufklären und bemerkt plötzlich, dass sich in seine Beziehung zu Melissa trotz ihrer tiefen Liebe Probleme eingeschlichen haben.

Mit „Kuss der Dämmerung“ schlägt J.R. Ward nicht nur ein ganz neues Kapitel in der Geschichte der Black Dagger auf, sie versucht auch merklich sich pro Buch auf einige wenige Handlungsfäden zu konzentrieren und diese abzuschließen. Obwohl das Leben der Brüder natürlich weitergeht, erfährt man neben der Hauptgeschichte um Paradiese und Craeg im Wesentlichen nur das, was zwischen Butsch und Marissa geschieht.

Neueinsteiger, die die pure Anzahl der bereits vorhanden Bücher und der darin vorkommenden Charaktere, bisher immer abgeschreckt hat, können damit die Chance nutzen, die spannende Welt der Black Dagger quasi erst einmal vom Spielfeldrand aus kennenzulernen. Als Fan der Original-Serie finde ich allerdings, Ton dort etwas härter und erotischer ist und auch die Charaktere vielschichtiger angelegt sind. Allerdings werden im vorliegenden Buch natürlich zuerst einmal die Rahmenbedingungen abgesteckt und einige neue Personen vorgestellt, die man in den folgenden Büchern sicher noch näher kennenlernen wird.

Fazit: Um nicht zu spoilern, hier zunächst einmal meine Bewertung. Wer sich für weitere Details interessiert, findet diese im Anschluss.

Insgesamt hat mir „Kuss der Dämmerung“ als Einstieg in den SpinOff „Black Dagger Legacy“ gut gefallen und ich bin sehr gespannt wie es weiter geht. Das Buch hat aber in meinen Augen auch ein paar kleine Schwächen. Deshalb 4 Punkte sowie eine Leseempfehlung für alle Fans der Black Dagger und für solche, die es werden wollen.

Hintergrundwissen aus der Originalserie ist nicht wirklich notwendig, erhöht aber für die „alten“ Fans natürlich den Lesegenuss.

Achtung, ab hier SPOILER enthalten:

Wie oben schon erwähnt, gefällt mir das Buch zwar gut, ich bin aber nicht so restlos begeistert, wie das bei den letzten Büchern aus der Original-Serie der Fall war.

Die Liebesgeschichte zwischen Paradiese und Craeg hat mich nicht so berührt und mitgerissen, wie das bei den Brüdern, bei John, Blay und Qhuinn, bei Rhev oder den Schatten der Fall war.

Zum einen entwickelt sich die Beziehung zwischen den beiden jungen Leuten sehr, sehr schnell und - wenn man ganz ehrlich ist - auch fast völlig unproblematisch. Craegs Hass auf die Glymera ist zwar nachvollziehbar und auch Paradise´ Motive sind verständlich, aber ihre Beziehung wirkt ein wenig teeniehaft: Drama, Drama, Drama - bei dem hin und wieder das Gefühl hochkommt, mit den Augen rollen zu müssen. Tatsächlich klärt sich nach einem Gespräch fast alles auf (Hätten die nicht schon früher mal ein wenig offener sein können?) und schließlich tanzen die beiden auf einem großen Ball (Der scheint einem amerikanischen Teenie-Highschool-Filmen entlehnt zu sein, wo sowas unverzichtbar ist ...) in den gefühlten Sonnenuntergang.

Dabei kann man Paradise und ihre Suche nach dem Kern ihres Ichs noch richtig gut nachvollziehen. Die junge Frau schüttelt die Fesseln ihrer konservativen Erziehung ab und wird im Verlauf der Geschichte erwachsen. Sie findet ihre innere Stärke und lernt zu sich selbst und ihren Entscheidungen zu stehen.

Leider bleibt Craeg, der eigentlich ein unheimlich interessanter Charakter sein könnte, eher blass. Man erfährt nur sehr wenig über seine Kindheit und Jugend, Freunde scheint er im Gegensatz zu Paradise auch keine zu haben. Mich hätte wirklich interessiert, wie er es geschafft hat, ganz auf sich gestellt zu überleben, nachdem seine Familie von den Lessern getötet wurde. Leider spart es sich J.R. Ward auch in diesem Buch wieder, endlich einmal darauf einzugehen, wie das Leben der Vampire jenseits der Glymera aussieht. Craeg ist der erste Hauptcharakter, der nicht aus dem Adel stammt und wäre damit eigentlich der ideale Kandidat gewesen, um hier ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen.

Es gibt allerdings neben Craeg noch ein paar andere Nicht-Adlige, die am Trainingsprogramm teilnehmen. Deshalb habe ich die Hoffnung darauf, dass meine Neugier in dieser Richtung endlich gestillt wird, noch nicht ganz aufgegeben. Die Jungs - und das einzige andere Mädel - werden ein wenig vorgestellt und scheinen alle relativ interessant zu sein. Ich bin schon gespannt auf ihre Geschichten, vor allem auf die von Novo, die mich ein wenig an Xhex erinnert und die ziemlich though ist.

Neben der Beziehung von Paradise und Craig nimmt die von Butch und Melissa in dem Buch viel Raum ein. Obwohl ihre Liebe zueinander ungebrochen ist, haben sich im Alltag Schweigen und Missverständnisse eingeschlichen. Die Situation eskaliert, als in Melissas Zuflucht eine junge Vampirin auftaucht, die brutal misshandelt wurde. Weil gerade alle Ärzte der Bruderschaft im Einsatz sind, bleibt Melissa nichts anders übrig, als sich an ihren Bruder Havers zu wenden. Obwohl sie eigentlich mit ihm und der Glymera gebrochen hatte, wird sie wieder in die Gesellschaft hineingezogen.

Butch wird mit seiner Vergangenheit als Detektive konfrontiert, weil niemand außer ihm in der Lage zu sein scheint, ein Verbrechen systematisch aufzuklären. Von den dunklen Abgründen, die sich dabei auftun, will er seine geliebte Shellan gerne fernhalten.

Doch in einer guten Beziehung braucht man Offenheit und die beidem müssen sich in einem schmerzlichen Prozess als Paar wiederfinden. Das sind die emotionalsten und absolut stärksten Szenen in dem Buch. Gegen Ende gibt es eine mit Butch, Marissa und V zusammen, die zum Sterben schön ist. Alleine dafür lohnt es sich, das Buch mehr als einmal zu lesen.

Übrigens passt die Geschichte vom Paradise und Craig sehr gut zu der von Marissa und Butch, weil die Paare einige Parallelen aufweisen: Eine Adlige und ein Underdog verlieben sich gegen alle Widerstände unsterblich in einander. Mir hat gefallen, den Anfang der jungen Liebe mitzuerleben und gleichzeitig zu verfolgen, dass auch nach einem Happy End eine Beziehung nur dann gut bleibt, wenn die beiden Partner achtsam und aufmerksam miteinander umgehen.

Ich bin jedenfalls jetzt gespannt, wie es mit den jungen Leuten weitergeht, welche Paare sich finden werden und wie die jungen Krieger ihren Platz in der Vampirgesellschaft finden werden, die sich ja in einem grundlegenden Wandel befindet. Dabei bin ich fest davon überzeugt, dass es J.R. Ward es in den folgenden Büchern wieder schafft, die Charaktere so tief und lebendig anzulegen, wie man es von ihr gewohnt ist, und ihre Helden mit spannenden Problemen zu konfrontieren. Damit wäre „Black Dagger Legacy“ nicht nur ein netter SpinOff, sondern eine wirklich großartige Ergänzung zur Original-Serie und eine tolle Erweiterung des großen Black-Dagger-Universums.


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- "Kuss der Dämmerung“ (Black Dagger Legacy, Band 1)

Bildquelle: amazon

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