Donnerstag, 5. Mai 2016

"Gartenglück in der Stadt: So finden und gestalten Sie ihre grüne Oase" von Alex Mitchell

Gärtnern für die Seele

Wer einmal … nein, nicht Blut geleckt, sondern frisch geerntete, sonnenwarme Tomaten, Erdbeeren oder duftende Kräuter genossen hat, will eigentlich nicht mehr davon lassen.

Leider glauben vielen Menschen, dass ihnen der Platz dazu fehlt, ihr eigenes kleines grünes Paradies zu verwirklichen. Denken sie zumindest.

Alex Mitchell zeigt in ihrem Buch "Gartenglück in der Stadt: So finden und gestalten Sie ihre grüne Oase" erstaunliche Alternativen zum traditionellen Garten hinter dem Haus, umgeben von einem festen Zaun. Die liebenswerten Worte und die wunderschönen Bilder regen dazu an, sich in der eigenen Umgebung einmal genauer umzusehen. Muss der struppige Bodendecker dort wirklich stehen, oder könnten da nicht Blumen und Salat wachsen? Ist in der tristen Hofecke nicht vielleicht Platz für einige Pflanzkübel? Wie breit sind eigentlich meine Fensterbänke? Reicht das nicht, um Pflücksalat, Erdbeeren und meine Lieblingskräuter anzubauen?

Wenn man anfängt, so zu denken, ist der Weg zum „Gartenglück in der Stadt“ schon nicht mehr weit.

Das gleichnamige Buch gliedert sich in drei Abschnitte:

1. Pflanzen

2. Finden

3. Halten

Eindeutig den größten Raum nimmt dabei der erste Teil ein, der verschiedene Urban- Gardening Projekte und Ideen von ganz unterschiedlichem Ausmaß vorstellt. Dabei werden Menschen und ihre Gärten rund um den Globus gezeigt. Besonders gefallen hat mir z.B. die Geschichte eines 78jährigen New Yorkers mit chinesischen Wurzeln, dem es im Altersheim zu langweilig geworden ist und der das verwahrloste Gelände an einer nahegelegenen Bushaltestelle nach und nach in einen wunderschönen Garten verwandelt hat. Mitmachen und Naschen erlaubt!

Interessante Fakten belegen, dass Urban Gardening nicht die Idee von „einigen grünen Träumern“ ist, sondern in vielen Teilen der Welt einen wichtigen und unverzichtbaren Beitrag zur Ernährung der Stadtbevölkerung bietet. Aber auch in gut versorgten Industrie-Regionen macht es Sinn: Pflanzen zu säen und zu pflegen „erdet“ auch den Menschen. Lange Transportwege werden unterbunden, die Klimabilanz ist positiv.

Übrigens auch die Bilanz des sozialen Klimas: Sinngemäß wird erwähnt, dass man sich über eine Rose, so hübsch und wohlriechend sie auch sein mag, mit seinen Nachbarn vielleicht 10 Minuten unterhalten kann. Die gemeinsame Tomatenernte dagegen bietet einen Anknüpfungspunkt für stundenlange Gespräche über verschiedene Sorten, Zubereitungsarten, das jeweilige italienische Lieblingsrestaurant, die Planung für den nächsten Urlaub …

Was hat das noch mit der Tomate zu tun? Nix! Aber die Gärten, selbst die kleinsten, können schnell zu Treffpunkten werden, die aus der Nachbarschaft mehr als einen Haufen von Leuten macht, die zufällig in derselben Straße leben.

Garten und Gärtnern sind also richtig gut für die Seele. Man sollte einfach von Anfang an einen Sitzplatz und (bei größeren Projekten) einen Platz zum gemeinsamen Feiern einplanen.

Abgerundet wird der erste Teil von ein paar praktischen Anleitungen für kleine Projekte. Übrigens findet man auch zu den vorgestellten Gärten immer wieder nützliche Tipps, wie diese im eigenen Umfeld verwirklicht werden können.

Im Teil „Finden“ geht es darum, wie vorhandene Bäume und Pflanzen z.B. in öffentlichen Parks oder auf verlassenen Grundstücken genutzt werden können. Außerdem regt der Teil dazu an, mit offenen Augen nach der Natur in den Städten zu suchen. Nicht nur die „Rurbanites“, die Menschen, die die Vorteile des Stadtlebens nicht aufgeben und trotzdem gärtnern wollen, sondern auch viele Wildtiere und sogar ein paar seltene Pflanzen haben längst erkannt, dass es sich zwischen den Häuserschluchten eigentlich ganz gut leben lässt.

Der letzte Teil „Halten“ zeigt mit ein paar Beispielen auf, wie aus Urbanen Gärtnern sogar Kleinbauern werden können. Das geht natürlich nicht so einfache ohne weitere, tiefergehende Informationen, ist aber interessant zu lesen.

Fazit:Gartenglück in der Stadt“ von Alex Mitchell ist eine gelungen Mischung aus fundierten fachlichen Infos, der Vorstellung von interessanten Gärten und Projekten und vor allem auch von den echten und völlig unterschiedlichen Menschen, die dahinter stehen.

Einen Garten, um die eigene Versorgung zu gewährleisten BRAUCHEN die wenigsten in einem Land wie Deutschland. Nach der Lektüre hat man aber einfach LUST, einfach ein wenig mehr (essbares) Grün zu pflanzen.

Das Buch ist kein trockenes Fachbuch, das Basiswissen zum Gemüseanbau vermittelt. Es birgt eine andere Botschaft: Ein wenig Planen, Dinge einfach einmal ausprobieren und eigene Erfahrungen sammeln, macht einfach Spaß.

Ich fand es toll. Deshalb begeisterte 5 Punkte und eine Schmöckerempfehlung.

Vorsicht! Wird Folgekäufe im nahegelegenen Gartencenter nach sich ziehen! Ich spreche da schon aus Erfahrung. ;)




Haben wollen?
 Hier kann man die Bücher von Alex Mitchell kaufen:
- "Gartenglück in der Stadt: So finden und gestalten Sie ihre grüne Oase

Ich habe das Buch übrigens - was ich in den Rezis bei einem großen Online-Händler nicht so sagen darf - zufällig auf dem Grabbel-Tisch eines Discounters entdeckt. Augen offen halten lohnt sich auf jeden Fall, denn für die dort verlangten 3,99 € war das Buch ein echtes Geschenk.

Nachdem ich es gelesen habe, wäre ich allerdings auch bereit den vollen Preis zu zahlen, weil ich jetzt schon weiß, dass es eines der wunderschön bebilderten Gartenbücher ist, die ich immer wieder in die Hand nehmen werde.

Bildquelle: amazon

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