Donnerstag, 9. Juni 2016

"Guarded" von Kim Fielding (engl.)

Wer schützt und wer wird beschützt?

Volos arbeitet als Wächter im Palast seines Königs. Im letzten Krieg hat er hart für sein Land gekämpft, obwohl sein Vater der verfeindeten Nation angehörte. Volos Ruf ist trotz seiner Abstammung untadelig, alleine Prinz Berhanu scheint ihn deswegen zu hassen …

Kim Fielding schreibt normalerweise wunderschöne, eher sanfte Geschichten. Gewalt wird zwar nie verschwiegen, macht aber nie den eigentlichen Kern der Story aus. Das ist zwar auch in „Guarded“ nicht der Fall, hier werden allerdings eine Szenen geschildert, die ziemlich hart sind. Auch der Sex zwischen Volos und Berhanu ist zunächst alles andere als sanft.
Ich bin immer noch nicht ganz sicher, was ich von der Story zu halten habe. Einerseits hat sie eine sehr klare und eindeutige Botschaft: Nicht die Abstammung macht einen Menschen aus, sondern sein handeln. Die Szenen, in denen es darum geht, sind sehr eindringlich und wunderbar ausgearbeitet.

Weniger gefallen hat mir, wie die Beziehung zwischen Volos und Berhanu geschildert wird. Es gibt auch hier sehr berührende Momente, aber die Motive der beiden Männer sind manchmal schwer nachzuvollziehen.

Fazit: Ich kann der Story nicht mehr als 3,5, aufgerundet 4 Punkte geben. Auch mit einer Leseempfehlung halte ich mich eher zurück. Die Grundidee finde ich eigentlich klasse, die Umsetzung ist hier aber weniger gut gelungen. Vielleicht hätte die Story mehr Raum gebraucht …

Wer noch ein wenig mehr wissen möchte, findet weiter unten ein paar weitere Details. Sie können allerdings SPOILER enthalten!

Volos, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, ist ein wirklich toller Charakter, den man als Leser sofort mag und dessen Handlungen und Motive man – bis auf eine Sache - gut nachvollziehen kann. Nicht ganz klar wird nämlich, warum dieser gestandene Mann, der durch die Hölle und zurück gegangen ist, sich ausgerechnet in den ihm gegenüber absolut unausstehlichen Prinzen verliebt. Nur wegen dessen körperlicher Schönheit? Das passt nicht zu Volos. Er hat zuviel gesehen und ertragen, um Wert auf Äußerlichkeiten zu legen. Was Volos an einem Mann findet, der ihn richtiggehend mobbt, erschließt sich nicht.

Zu seinem Charakter dagegen passt ausgezeichnet, dass er sich allein auf eine Rettung-Mission mit sehr zweifelhaften Ausgang begibt, die ihn sein eigenes Leben kosten könnte. Seine Ehre ist ihm wichtig. Dass er dabei auch die Heimat seines Vaters kennenlernt und wieder Frieden mit seiner Abstammung schließen kann, war ihm nicht klar und ist einfühlsam beschrieben.

Volos befreit Berhanu in einer tollkühnen Aktion und unter Einsatz seines Lebens aus den Händen brutaler Entführer, die ihn nicht nur gequält, sondern auch missbraucht haben.

Ob ein Opfer darauf ausgerechnet so reagiert, wie Berhanu? Keine Ahnung. Hier hätte die Story sich in meinen Augen viel mehr Zeit nehmen sollen, die Motive des Prinzen klarer zu machen. Zunächst scheint er einfach weiterhin ein Ar*** zu sein. Seine Wandlung – man könnte auch sagen, er wird endlich erwachsen – wird nur angedeutet, weil er sich in dieser Zeit von Volos fernhält.

Zusammenfassend gesagt: Echt klasse fand ich fast alle Ideen hinter der Story und die meisten Charaktere, allen voran Volos. Ein wenig vermiest hat mir das Lesevergnügen, dass ich mit dem verwöhnten Prinzen Bernhanu nicht so richtig warm geworden bin.

Wieso der Titel „Guarded“ absolut passend ist, erschließt sich übrigens im Laufe der Geschichte. Der Grundgedanke ist wunderschön und hätte deutlich mehr Raum vertragen können. Er ist aber einer der Gründe, warum ich das Buch trotz aller Kritikpunkte mag und weshalb ich mich für Volos freue, dass Berhanu sich schließlich zu ihm bekennt.

Haben wollen?
 Hier kann man die Bücher von Kim Fielding kaufen:
- "Guarded"

Auf Deutsch liegen unter anderem vor:
- "Brutus, der Dorttrottel" (Fantasy)
- "Ein Wolf in der Küche" (Urban Fantasy)
"Sprachlos" (zeitgenössische Romanze)

Bildquelle: amazon

Kommentare:

  1. Du hast es gut auf den Punkt gebracht, was auch mich bei dieser Geschichte umgetrieben hat. Ich fand sie sehr eindringlich geschrieben und bei manchen Szenen war mir diese Intensität einfach zuviel, weil das Negative, die Gewalt und insgesamt eine bedrückende Atmosphäre in dieser Geschichte sehr intensiv rüberkamen.

    Eine nette und von der Stimmung her viel leichtere Ergänzung gibt's auf Kim Fieldings Homepage kostenlos zum Download. Hier geht es um Mato, den mutigen Wirt aus "Guarded".
    http://www.kfieldingwrites.com/matos-tale/

    LG Gabi

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    1. Hi Gaby!
      Das ist ja ein toller Tipp! Danke schön!
      Mato ist wirklich klasse und die Geschichte werde ich umgehend lesen.
      GLG Ulla

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