Samstag, 4. Juni 2016

"Warm und köstlich" von Julia Leijon

(Leider) eher kühl und träge

Robin findet in seinem Dasein als Vampir wenig Sinn. Die endlose Zeit, die ihm zur Verfügung steht, verleitet ihn dazu, alle Dinge auf die lange Bank zu schieben und zu einem Schatten zu werden. Erst als er Martin, den Besitzer des Coffee Shops „Warm und Köstlich“ entdeckt, erwacht er langsam aus seiner Lethargie. Zu Robins Überraschung bemerkt Martin ihn nicht nur, trotz seiner vampirischen Fähigkeit, mit der Umgebung zu verschmelzen, sondern fühlt sich von ihm genauso angezogen, wie es umgekehrt der Fall ist. Aber wie können ein Vampir und ein Mensch eine Beziehung führen?

Zum Kauf des Buches hat mich das wunderschöne Titelbild und schließlich auch der Titel verlockt:
Warm und köstlich hört sich für mich unheimlich sinnlich an. Auch der „Ruf“ der Vampire ist ja heutzutage eher dunkel-erotisch als kühl und gefährlich. Julia Leijon hat – auf den ersten Blick - mit Robin eine weitere interessante Variante geschaffen: Den traurigen Einzelgänger, der nicht wütend mit seinem Schicksal hadert, sondern fast aufgegeben hat. Der warmherzige und auf ruhige Art lebensbejahende Martin gibt den perfekten Gegenpart dazu ab.

Leider gibt es bei der Geschichte von Julia Leijon einen Haken: Die beiden Charaktere sind so ruhig und undramatisch, dass sich in dem Buch einfach keine wirkliche Spannung aufbaut. So faszinierend der Gedanke auch am Anfang ist, eine ganz neue Facette des alten Vampir-Themas kennenzulernen, sie schläft spätestens dann langsam ein, wenn Sätze wie dieser kommen: „Sie (Martin und Robin) blieben lange wo sie waren und machten einfach träge auf dem Sofa herum.“

Die Idee, Robin nicht heißblütig und als eher trägen Charakter anzulegen, funktioniert so gut, dass man ihm seine Gefährlichkeit kaum abnimmt. Gleich zu Anfang wird außerdem betont, dass er einen Menschen nicht töten muss, um zu überleben. Übrig bleibt ein sehr anmutiger und hübsch aussehender, ewig junger Mann, dem man irgendwann einen gepflegten Tritt in den Allerw*** verpassen möchte, damit er endlich mal in die Pötte kommt.

Dem sanften und freundlichen Martin gelingt es durch seine unendliche Geduld schließlich auch, Robin zurück ins Leben zu holen, aber irgendwie hätte ich Martin einen Partner gewünscht, der ihn für seine verkorkste Kindheit und Jugend mit Feuer und Leidenschaft entschädigt.

Nun ja. Vielleicht ist die relative Ruhe, genau das, was die beiden Männer brauchen. Man bekommt eben als Leser nicht immer, was man will.

Fazit:Warm und köstlich“ hat meinen persönlichen Geschmack trotz der interessanten Ansätze nicht wirklich getroffen. Man kann das Buch lesen, ich selbst konnte es aber auch immer wieder völlig problemlos zur Seite legen. Es ist nicht schlecht, aber es hat mich auch nicht mitgerissen oder begeistert. Damit erhält es von mir solide 3 Punkte und eine eher zurückhaltende Empfehlung.

Übrigens: Die Story hat gut angelegte und liebevoll ausgestaltete Nebencharaktere, was ich normalerweise sehr zu schätzen weiß. Aber es liegt in der Natur der Sache, dass die Nebendarsteller alleine eine Geschichte nicht retten können.


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Bildquelle: amazon

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