Samstag, 23. Juli 2016

"Im Zimmer wird es still" von J.Walther

Das Unausweichliche immer vor Augen …

- ganz persönlich, keine meiner üblichen Rezis ! -

Andreas pflegt Peter, seinen geliebten Partner, dessen Krebstod eigentlich nur noch eine Frage der Zeit ist. Die beiden agieren ein wenig wie in einer Blase, nicht wirklich im Leben, das mehr oder weniger an ihnen vorbeiströmt.

Eigentlich kann ich „Im Zimmer wird es still“ von Jana Walther nicht wirklich besprechen, weil ich – obwohl ich dieses Buch mehrfach gelesen habe – jedes Mal, wenn ich daran denke, nicht nur die Geschichte von Andreas und Peter vor Augen habe.

Ihre Geschichte hat mich unheimlich berührt und ich greife immer einmal wieder nach diesem Buch, weil ich sie zum ersten Mal in einer Zeit gelesen habe, in der ich selber einen geliebten Menschen gepflegt habe. Im Gegensatz zu Andreas war es nicht mein Partner, sondern jemand, vom dem mir immer wieder salbungsvoll gesagt wurde: „Das ist doch schon ein gesegnetes Alter …!“

Ja. War es. Aber genau wie Andreas musste ich damit klar kommen, dass es im Zimmer immer stiller wurde, lange bevor der Tod wirklich angeklopft hat. Wie bei Andreas und Peter wurden die Besuche von Freunden und Bekannten seltener, wie bei den beiden herrschte manchmal auch „im Zimmer“ eine gewisse Sprachlosigkeit, weil manche Dinge eben nicht besser werden, wenn man sie ausspricht.

Wirklich interessant – und für mich fast befreiend – waren die Schilderungen, wie sich Andreas in kleine Alltäglichkeiten flüchtet. Einerseits möchte man sich manchmal einfach in einer Ecke zusammenrollen und verflucht die Dinge, die erledigt werden müssen, egal wie mies man sich fühlt, andererseits scheinen gerade die tausendmal gemachten Handgriffe das einzige zu sein, was noch aufrecht hält.

Im Zimmer wird es still“ hat mich mehr als einmal getröstet, obwohl oder gerade weil es manchmal sehr sachlich wirkt. Noch mehr Emotionen wären zuviel gewesen …

Ich persönlich habe mich in der Geschichte an sehr vielen Stellen wiedergefunden und gerade das hat mir geholfen. Wenn man nämlich einen Angehörigen zuhause pflegt, ist es sehr, sehr oft so, dass es im Zimmer über einen langen Zeitraum immer stiller wird und das man letztendlich – trotz aller Versprechen in bunten Hochglanzbroschüren – oft alleine gelassen wird.

Was hat das jetzt konkret mit dem Buch zu tun?

"Im Zimmer wird es still" ist ein ganz besondere Geschichte, die mich auf vielen Ebenen berührt und in der ich eigene Erfahrungen wiedergefunden habe. Ich schäme mich nicht dafür, dass ich beim Lesen Tränen in den Augen hatte.

Es kommt mir merkwürdig vor, bei einem Buch, dass sich so intensiv mit dem Sterben auseinandersetzt, zu sagen „gefällt mir sehr“, wie es als Begleittext zu den 5 Sternen steht. „Berührt mich sehr“ würde es hier genauer treffen.

Leseempfehlung? Schwierig. Das hier ist keine humorvolle, seichte Love-Story, die von den ernsten Seiten an vom Alltag ablenkt, sondern manchmal schwer verdauliche Kost. Aber die Geschichte ist etwas ganz besonderes und hebt sich deutlich von dem üblichen, wenn auch sehr vergnüglichen Einheitsbrei auf dem Markt ab.

Vielleicht gibt es für solche Bücher eine bestimmte Zeit im Leben. Ich bin jedenfalls froh, dass ich es gefunden habe, als ich Trost brauchte.


P.S.: Normalerweise äußere ich mich eher selten zu den Covern der Bücher, die ich bespreche. Gerade hier gefällt mir das Cover aber sehr gut, nicht unbedingt, weil es mich optisch direkt angesprochen hat, sondern weil es einerseits perfekt zur Geschichte passt und andererseits den Herbst des Lebens symbolisiert. 

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"Im Zimmer wird es still"

Bildquelle: J,Walther (Homepage)

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