Mittwoch, 13. Juli 2016

"Ryvan'ar" von Sandra Gernt

Wunderbare Parabel über viel mehr als eine (fast) unmögliche Liebe

Andru kämpft in einem Krieg, den er noch nie verstanden hat. Weil er sich weigert, seine Menschlichkeit aufzugeben, wird er zum Tode verurteilt. Ausgerechnet in der Nacht vor seiner Hinrichtung sperrt man einen seiner Feinde zu ihm, der nach der Folter schon dem Tode nahe zu sein scheint. Andru hat am eigenen Leib erfahren, was das bedeutet. Er kann den Mann nicht retten, aber er bringt es auch nicht Herz, ihn leiden zu lassen.

Ich bin immer noch überrascht und sehr berührt, was für eine wundervolle Geschichte Sandra Gernt uns Lesern mit „Ryvan’ar“ präsentiert. Man kann sich in dieser toll geschriebenen Romanze mit Fantasy-Hintergrund verlieren, die davon erzählt, wie aus Hass und Feindschaft gezwungenermaßen erst Respekt und dann viel mehr wird. Die Story geht total unter die Haut, weil man beide Charaktere sofort mag und ihre gegenseitige Zuneigung keine Chance zu haben scheint. Nicht nur die Zugehörigkeit zu verfeindeten Völkern, die sich im Krieg gegenüberstehen, auch Sorins Verwandlung zum Dämon, von der es nur eine einzige Erlösung gibt, steht zwischen ihnen …

Ryvan’ar“ ist ein wunderbare, berührende Liebesgeschichte und außerdem – wenn man möchte - eine richtig gut geschriebene, tiefsinnige Parabel auf die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt.

Fazit: Weil ich gemerkt habe, dass die Rezi Spoiler enthalten könnte, die Bewertung vorab: Ich bin mehr als begeistert, gebe mindestens 5 Punkte und eine von Herzen kommende Leseempfehlung!

P.S.: Auch die Bonusgeschichte „Sturmnacht“ handelt von der Begegnung zwischen einer Art Dämon und einem Menschen. Diese verläuft allerdings völlig anders, als es sich der junge Illyz vorgestellt hat …

Die Story war schon in „Gayheimnisse“ zu lesen. Sie ist wirklich klasse, richtig heiß und egal, ob man sie schon kennt oder noch nicht: Sie (noch einmal) zu lesen lohnt sich auf jeden Fall!



Kann ab hier SPOILER zu „Ryvan’ar“ enthalten:

Sandra Gernt hat mit Andru und Sorin zwei Charaktere geschaffen, die wirklich Tiefe haben. Bei aller Gutmütigkeit und Freundlichkeit, die man an Andru in den Rückblenden aus seinem Leben kennenlernt, hat auch er im Krieg einen großen Teil seiner Unschuld verloren. Selbst wenn er seine Taten verdrängt, in seinen Träumen holen sie in immer wieder ein.

An dieser Stelle wird die Geschichte deutlich mehr als eine simple Romanze. Andru kämpft mit seinen Kameraden in einem Krieg, den sie sich nicht ausgesucht haben, gegen ein Volk, das sie nicht einmal im Ansatz verstehen. Die Gründe für die Auseinandersetzungen sind so absurd wie belanglos und fordern doch Leben um Leben. Selbst die Männer und Frauen, die dem Tod entgehen, haben es noch lange nicht geschafft. Ihre Wunden, körperlich wie seelische, schwären weiter.

Auch wenn in der Story die Auflösung der Situation hier sehr idealistisch ist, mindert das nicht ihre Aussagekraft. Meiner Meinung nach geht es nämlich um etwas anderes: Krieg ist sinnlos und grausam. Irgendwann gibt es in dem Auseinandersetzungen keine Grenze mehr zwischen Gut und Böse. Jeder der Kämpfer lässt sich zu irgendeinem Zeitpunkt dazu hinreißen, schreckliche Dinge zu tun, die sich eigentlich nicht mit seiner Menschlichkeit vereinbaren lassen, und verliert so seine Unschuld. Trotzdem müssen die Männer und Frauen weiterleben und irgendwie wieder in „Privatleben“ ankommen.

Das macht auch die Gestalt „Sorin“ so interessant. Er stirbt voller Hass und wird damit zum Rachedämon, der eigentlich alles vernichtet. Rücksicht auf Freund oder Feind nimmt er dabei normalerweise nicht.

Doch Andrus sanftes Herz, sein Mitleid, sind etwas, was auch Sorin nicht außen vor lassen kann. Er blickt bis tief in die Seele seines Feindes und findet dort keinen kalten Schlächter, sondern einen Mann, der bei aller Schuld nicht bereit war, ein Kind zu töten. Einen Menschen, der lieber sein eigenes Leben opfert, als das eines winzigen Wesens, das wahrlich unschuldig ist.

Vielleicht ist die „Lösung“ ja doch viel einfacher, als man es sich eingestehen will: Wenn eine einzige gute Tat die Kette von Krieg und sinnloser Gewalt unterbrechen kann, gibt es wirklich Hoffnung. Eine schönere Botschaft kann eine „Fabel“ nicht enthalten, finde ich.

Übrigens: Wer diese Rezi liest, glaubt vielleicht, die Story wäre zuckersüß. Das ist sie nicht, im Gegenteil. Sandra Gernt hat etwas geschrieben, dass tief unter die Haut geht, nachdenklich macht und oft auch traurig. Aber wie es sich für eine wirklich gute Geschichte gehört, entzündet sie einen hellen Funken Hoffnung im Herzen der Leser!


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- "Ryvan'ar"

Übrigens gibt es von den "Gayheimnissen" noch ein paar Restexemplare in Papierform zu kaufen. Tatsächlich kenne ich das Buch (noch) nicht und bin im Moment schwer in Versuchung ...

Hier auch noch, wie fast schon üblich, der Hinweis auf eine meiner Lieblingsgeschichten der Autorin, die übrigens auf den ersten Blick ein ähnliches Thema behandelt:
- „L(i)ebenswert" (Hier geht es zur *Rezi*)

Bildquelle: amazon

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