Sonntag, 24. Juli 2016

Wo sind die “starken” Heldinnen?

Wo sind die “starken” Heldinnen?

Ich glaube einer der Gründe (nicht der einzige, aber ein sehr wichtiger) warum ich so gerne Gay-Romanzen lese, ist der, das ich Geschichten mag, in denen die Partner gleich stark sind. Ich finde es unheimlich spannend zu verfolgen, wie zwei einander ebenbürtige Menschen – egal welchen Geschlechts - eine Beziehung aufbauen.

Dass es dabei nicht um körperliche Kraft geht, muss ich ja wohl nicht extra betonen. Natürlich darf auch jeder der Helden bzw. der Heldinnen seine / ihre Schwächen haben, sonst wäre es ja langweilig. Aber ich mag es nicht, wenn sich die Geschichte darum dreht, dass einer der Partner ohne den anderen quasi nicht lebensfähig ist.

Wie ich gerade jetzt darauf komme? Vergangene Woche ist der neueste Band einer Serie erschienen, die ich am Beginn wirklich mochte, weil sie intelligent und mit augenzwinkerndem Humor geschrieben ist und in den ersten Teilen kluge, starke Frauen präsentiert, die es schafften, ihren sexy Traum-Mann zu erobern.

Ich rede hier von der Hailsboro-Reihe von Poppy J. Anderson, die es eigentlich wirklich drauf hat, in ihren Büchern Frauen zu präsentieren, mit denen man sich richtig gut identifizieren kann. Sie sind nicht unbedingt perfekt, aber sie stehen mit beiden Beinen im Leben und man spürt deutlich, dass sie sich einem Partner an ihrer Seite zwar wünschen, aber ihn nicht brauchen, um ihren Alltag zu meistern. Das gilt übrigens auch für die meisten Geschichten von den New York Titans (Die anderen Serien der Autorin kenne ich nicht, kann also nix darüber sagen).

Gerade beim letzten Band der Hailsboro-Serie hat aber mit „Rouke“ eine … neee „Heldin“ kann man hier wirklich nicht sagen … also … eine … mhhhh … Tussi (?) ihren Auftritt, wie sie mir in letzter Zeit in aktuellen Romanen häufiger begegnen. Die junge Dame ist eigentlich Psychologin, präsentiert sich aber schon auf der allerersten Seite als von ihren Patienten eher genervt und nicht auf den Job konzentriert, wirft auf den nächsten ihrem unsäglichen Noch-nicht-Exmann mal eben 100.000 Dollar hinterher, die sie gar nicht hat und muss / darf dann das Haus ihrer Eltern verkaufen, dass diese allerdings schon länger nicht mehr bewohnen. Rourke kehrt also nach Hailsboro zurück, in dem sie als Teenie gemobbt wurde (nicht verwunden, trotz Job als Psychologin) und …

… von da an wird es echt grausam. Wenn es wirklich heute noch Frauen gibt, die so unfähig sind, ihren Alltag zu organisieren, will ich nichts darüber lesen. Wirklich nicht. Darüber wird mich auch der tolle und sexy Nachbar, der sich - für mich völlig unerklärlich - in Rourke verliebt, in Zukunft nicht mehr hinwegtrösten.

Nach all dem Gemeckere: Um es noch einmal zu betonen, positive Beispiele für tolle Heldinnen sind bei Poppy J. Anderson auch zu finden. Ich weiß genau, dass ich das in einer oder zwei Rezis zu ihren Büchern explizit erwähnt habe.

Eigentlich war „Der und niemand sonst“ nur der Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hat. Ich habe schon in den Wochen davor in gefühlt 1000 Leseproben hineingeschaut, um ein Buch zu finden, das mir eine nette und kluge Heldin präsentiert. Eine, bei der ich dem Kerl, der sich für sie interessiert, nicht ständig zurufen will: „Flieh! Renn so schnell und so weit du kannst! Sieh dich nicht um!!!“



Also: Mich interessiert wirklich, ob ich die einzige bin, der in letzter Zeit in Hetero-Romanen jede Menge … richtig dumme Tussis begegnen. Schaue ich mir die falschen Geschichten an? Wo sind sie, die (erotischen) Romanzen mit witzigen, selbstbewussten, intelligenten Frauen, die einen Mann suchen, weil er das Leben schöner macht und nicht, weil sie ohne ihn an ihrer eigenen Unfähigkeit ersticken werden? Die ihre Frau stehen, statt einen Betreuer zu brauchen, der sie auf Schritt und Tritt vor ihrer eigenen Dummheit bewahrt?

Übrigens: Auch wenn jemand eine tolle Gay-Romanze mit zwei gleich starken Helden kennt, die ich unbedingt lesen sollte: Immer her damit!

Hilfe erwünscht!
Ich bin auf Anregungen gespannt und für Tipps wirklich dankbar!

Bildquelle: pixabay


Kommentare:

  1. Hallo Ulla, darf ich Deinen Artikel auf FB teilen?
    Vielleicht kommt ja die eine oder andere Anregung rein.
    Zudem muss / darf ich dir völlig recht geben, denn das war mit ein Grund, warum ich zum Gay-Genre gewechselt bin. Ich konnte das "mimimi" einfach nicht mehr lesen. Vielleicht auch deshalb, weil ich im realen Leben selbst meine Frau stehen darf und halt keinen Ritter hoch zu Ross habe, der mir die Unbilligkeit des Lebens abnimmt.
    LG El Ma

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    1. Hallo El Ma!
      Erst mal freue ich mich natürlich, dass wir einer Meinung sind. Grundsätzlich darf man meine Posts teilen, wenn ich sie "geheimhalten" wollte, würde ich sie nicht online stellen.

      GLG Ulla

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  2. Liebe Ulla,
    du sprichst mir so aus der Seele! Ich bin selbst Autorin und versuche, gegen den Trend der naiven "Heldin" auf der Suche nach ihrem eindimensionalen Nackenbeißer-Romanhelden anzuschreiben. Meine Heldin ist hochbegabt, total sarkastisch und versucht, in einer offenen Beziehung mit zwei Männern zu jonglieren. Das letzte, was sie will, ist "gerettet" werden! :D
    Aber aus Autorensicht kann ich jede Autorin verstehen, die lieber auf die sichere Bank setzt und das Klischee bedient, denn Romane, die nicht nach dem Muster "Das hilflose Hascherl und der Milliardär" gestrickt sind, sind heute Nischenliteratur und für Leserinnen schwer zu finden. Die vielgepriesene "Schwarmintelligenz" sorgt dafür, dass man lange alternative Geschichten suchen muss, denn ganz oben in den Listen steht eben die "Tussi-Lit". Mir persönlich ist das inzwischen als Leserin längst zu langweilig und ich bin gespannt, welche Kommentare zu hier noch bekommst, damit ich auch endlich mal wieder was zu lesen finde, was mir wirklich Spaß macht!
    Danke für den schönen Artikel und liebe Grüße,
    Sookie Hell

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    1. Hallo Sookie!
      Schöne Grüße zurück!
      Ich möchte hier aber nicht werten, sondern habe nur meine Meinung ausgedrückt. Wenn andere LeserInnen Tussis mögen, ist das für mich ok. Ich möchte auf diesen Weg aber wirklich ein paar neue, starke Heldinnen kennenlernen.

      GLG Ulla

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    2. Hallo Ulla!
      Werten möchte ich das natürlich auch nicht, tut mir leid, falls das so rübergekommen ist! Für mich hat (fast) jede Form von Literatur ihre Berechtigung, als ganz junge Frau hab ich auch "Naive Jungfrau verliebt sich in charmanten Schuft"-Romane verschlungen, am liebsten vor historischer Kulisse, hach! Aber man entwickelt sich ja auch als Leserin persönlich weiter und irgendwann reicht das einfach nicht mehr. Deshalb wünsche ich mir mehr Vielfalt, mit vielen verschiedenen Heldinnen, damit auch für jede Leserin in jeder Lebenslage das richtige Buch zu finden ist! Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich der Buchmarkt in den nächsten Jahren entwickelt und Diskussionen wie diese tragen sicher ein Tröpfchen dazu bei!
      LG, Sookie

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  3. Einen Tipp kann ich dir leider nicht geben, weil genau das der Grund ist, warum ich (abgesehen von 3 Buchreihen, die ich schon ewig verfolge) so gut wie keine Heterobücher mehr lese.

    Sicher gibt es auch in der Gay-Ecke ab zu und zu einen Kerl, der sich eher wie ein "Mädchen" aufführt, aber allgemein finde ich dort das, was ich suche. Gleichberechtigung und die Gleichstellung beider Partner, sowohl im Beruf als auch privat.

    Ich will nichts über arme Weibchen lesen, die vom tollen Alphakerl, der alles weiß und kann und potent ohne Ende ist, gerettet werden muss. Ich weiß, dass diese Bücher beliebt sind, das ist ja auch in Ordnung, jeder hat seinen Geschmack. Mich persönlich langweilen diese Geschichten allerdings zu Tode, darum lese ich lieber Gay. :-)

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    1. ;) Vergiss über das "Lesen" bloß das "Schreiben" nicht ...

      GLG Ulla

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    2. Keine Sorge, für 2017 fehlt mir nur noch 1 Buch, der Rest bis dahin ist schon fertig. :D

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    3. *schmoll*

      Schön das du fertig bist! Dann lass die Geschichten frei! Schließlich sitze ich hier rum und warte auf neue, gute Storys!

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    4. Geht nicht. Erst muss korrigiert werden. :D

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  4. Danke! Danke Danke Danke! Und ich fragte mich schon: "Herrje! Wo sind die Leserinnen, die nicht immer nur Aschenputtel lesen wollen? Wo?!"
    Jetzt weiß ich, ich bin nicht alleine.
    Erst kürzlich ist mir auf FB ein neuer Milliardärs-Roman in meiner Timeline aufgepoppt, was mich zu folgendem Post veranlasste (der - oh Wunder - viele Likes bekam).
    "Überall Millardärs- oder Millionärsromane. Überlege, einen Roman über einen Penner zu schreiben, der zu Geld kommt und dann unglücklich wird. So."

    Und nochmal: DANKE!

    Liebe Grüße
    Jo Berger

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    1. *lach*
      Also den lese ich sofort!!!
      Da ich aber ein wenig harmoniesüchig bin, sollte der unglückliche Ex-Penner trotzdem sein HE bekommen. Geht das?
      Wie, ist mir egal. ;)
      GLG und voller Erwartung auf die angekündigte "Anti"-Geschichte
      ulla

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    2. Hi Ulla!

      Da muss ich mich Jo Berger anschließen: DANKE! Schön, dass es mal einer sagt.
      In letzter Zeit bin ich entsetzt, was ich zu lesen bekomme. Vor allem die erotischen Szenen erschrecken mich immer mehr. Wenn man das denn so nennen kann - für mich sind diese oftmals frauenfeindlich, frauenverachtend und grenzen an Vergewaltigung.
      Vor meinem letzten Buch hatte ich mit einer Leserin eine nette Unterhaltung, die damit anfing, dass sie mich fragte, warum die Frauen in Büchern eigentlich immer geschminkt sind und zueinander passende Unterwäsche tragen. Sind wir doch mal ehrlich, buntes Höschen in Kombi mit einem getupften BH sind stinknormal =D
      Das Gespräch ist mir im Kopf geblieben während des Schreibens. Meine Heldinnen sind und waren zwar nie perfekte Püppchen, aber in Zukunft will ich noch mehr darauf achten, dass es stinknormale Frauen sind und auch starke Frauen - das lese ich selbst schließlich auch am liebsten ;-)

      Danke für deinen tollen Beitrag!
      Liebe Grüße,
      Aurelia velten

      PS: wenn du bad-ass-Heldinnen willst, empfehle ich dir Kresley Cole ;-)

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    3. Hallo Aurelia!
      Auf der einen Seite muss ich dir rechte geben: Es werden viele Geschichten veröffentlicht, die mit dem Thema einvernehmlicher Sex sehr unsensibel umgehen. Allerdings gibt es eine einfache Strategie dagegen: Wenn mir die Bücher nicht gefallen, meide ich in der Regel den Autor in Zukunft.

      Natürlich kann und darf sich die Frau / der Mann im Roman ein wenig von der Realität unterscheiden, zumindest in den Romanzen, um die es ja im Ausgangspost ging. Schließlich wollen wir LeserInnen vergnügt ein wenig vor uns hinschmachten, während wir das Buch genießen.
      Zu perfekt ist allerdings unglaubwürdig und macht dann auch keinen Spaß mehr. Gar nicht so einfach für die AutorInnen. ;)

      @Kresley Cole: Die kenne ich. Fast alle ... :)

      GLG ulla

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  5. Es ist leider wirklich so dass, gerade in der Hetero-Romantik-Erotik-Literatur, langsam alles gleich wirkt und immer nach demselben Schema abläuft. Und Millionäre/Milliardäre kann ich nicht mehr lesen.. xD
    Ich hab mir mal deine Romanzen/Erotik-Liste durchgesehen, dass ist ja ein wahrer Quell der Inspiration an Gayromance! Allerdings fehlt meine absolute Lieblingsautorin und ihre supertollen Gayromance-Geschichten: Rona Cole.
    Ihre Titel sind wirklich sehr empfehlenswert, ich habe alle mehrere Male gelesen.
    Liebe Grüsse und danke für deine Ehrlichkeit
    Steffi

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    1. Hallo Steffi!
      Ganz lieben Dank für dein Lob.
      Allerdings kann ich mir eines in meiner Antwort nicht verkneifen: Bei mir "fehlt" nix, weil ich gar keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe. Das hier ist mein privates (!) Lesetagebuch. Nicht mehr und nicht weniger. Ich lese weder systematisch, noch folge ich irgendeinem bestimmten Schema.
      Wenn wirklich etwas "fehlt", dann die Bücher, die ich gelesen habe, bevor ich mit diesen Notizen hier angefangen habe.
      Natürlich nehme ich deinen Hinweis auf Rona Cole gerne auf und werde mir die Bücher noch mal anschauen. Vielleicht habe ich ja irgendwann in nächster Zeit Lust, eines davon zu lesen. ;)
      GLG Ulla

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