Samstag, 30. Juli 2016

"Audreys Rückkehr" von Ann Westphal

"Geistreiche“ Hilfe zum Glück!

Die Brüder Max und Paul scheinen auf den ersten Blick alles zu haben. Sie sind erfolgreich im Beruf, nicht unvermögend und die Frauen liegen ihnen zu Füssen oder wo auch immer sie sie haben wollen. Trotzdem scheint beiden etwas zu fehlen, mit dem Herzen sind sie nicht bei der Sache.
Als ihr Vater plötzlich erklärt, dass er auf jeden Fall sein großes Haus mit dem riesigen Garten behalten will, weil dort nicht nur die Erinnerungen an seine verstorbene Frau lebendig sind, sondern er sogar ihren Geist immer wieder körperlich spürt, halten seine Söhne ihn zuerst einmal für verrückt.
Aber ist dieses merkwürdige Kribbeln im Nacken, das sie manchmal fühlen, wirklich auf einen Windhauch zurückzuführen? Max beginnt zu „glauben“, als ihm eine Böe seine absolute Traumfrau in die Arme weht. Mitten auf einem windstillen, unterirdischen U-Bahnhof wohlgemerkt …

Wenn man die Callboy-Reihe von Ann Westphal kennt und bei „Audreys Rückkher“ etwas Ähnliches erwartet, wird man überrascht sein. Während es sich bei den Callboy-Romanen um klassische erotische Romanzen handelt, in denen sich pro Buch ein Pärchen findet, muss „Audrey“ dafür sorgen, dass ihre beiden Söhne glücklich werden und auch ihr geliebter Mann Hans seinen Lebensmut wieder findet. Das Buch handelt also im Grunde von drei Männern und ihrer Suche nach dem Glück.

Den größten Anteil an der Story bestreiten Max und Charlotte aka Charlie. Max ist geschieden und keine Kind von Traurigkeit. Charlie hat die Nase voll von gutaussehenden Männern, denen die Frauen zu Füssen liegen. Es macht totalen Spaß zu lesen, wie Max sich mächtig anstrengt, um Charlie nicht nur von seinen Vorzügen zu überzeugen, sondern auch von seinen ernsten Absichten. Er ist sich nämlich sicher, dass Charlie die eine Frau ist, mit der er bis an sein Lebensende glücklich sein wird. Dabei gerät er allerdings hin und wieder in ziemliche Erklärungsnöte, schließlich lösen sich seine zahlreichen (Ex-)Gespielinnen auch mit „geistreicher“ Hilfe keineswegs in Luft auf.

Paul dagegen treibt es immer wilder und erst als gar nichts mehr geht, begreift er, dass er die Liebe seines Lebens längst gefunden und durch sein Verhalten wieder vertrieben hat. Audreys kleine „Hilfen“ ignoriert er, bis sie schwere Geschütze auffahren muss. Seine Fehler ungeschehen machen ist nicht möglich. Aber darf er vielleicht auf einen Neuanfang hoffen?

Lieder kann ich nicht verraten, ob und wie auch Hans schließlich wieder glücklich wird. Das wäre ein echter Spoiler.

Die Story ist temporeich und mit viel Humor erzählt. Sie punktet mit sexy Traummännern, die nur umso liebenswerter sind, weil sie eben nicht perfekt sind. Das scheint zwar bei Paul die Untertreibung des Jahrhunderts zu sein, allerdings ist gerade seine Wandlung vom Saulus zum Paulus (Nomen est omen?) richtig spannend zu lesen. Wenn ich einen einzigen Kritikpunkt an dem Buch habe, dann den, dass ich gerne noch mehr von den Brüdern und ihren Frauen gelesen hätte.

Fazit:
Audreys Rückkehr“ ist nicht unbedingt Mainstream und gerade deshalb so lesenswert. „Geistreich“ wird die Geschichte einer Familie erzählt, die durch einen tragischen Todesfall ein wenig aus der Bahn gerät, bis sie mit „geistreicher“ Unterstützung ihr Glück findet. Spannend, humorvoll, erotisch, berührend. Bitte mehr davon!
Ach ja! Von mir gibt's natürlich auch was: 5 Punkte und eine Leseempfehlung.

Übrigens: Sonst empfehle ich ja immer, vor dem Kauf die Leseprobe zu lesen. Hier ausnahmsweise nicht, weil die ersten Kapitel zwar für die Geschichte notwendig sind, aber aus bestimmten Gründen einen deutlich anderen Tenor als der Rest des Buches haben.

Zwei Dinge noch:
1. Ich habe mir aktuell dieses Buch sehr bewusst ausgesucht, weil Ann Westphal in ihren Büchern nicht nur sexy Kerle, sondern auch sympathische, kluge Frauen präsentiert, die mit beiden Beinen im Leben stehen. Bin auch hier nicht enttäuscht worden!!!

2. Bei Skoutz.de hat die Autorin gerade (Juni 2016) ein tolles Interview gegeben: 


Haben wollen? 
 Hier kann man das Buch von Ann Westphal kaufen: 
 "Audreys Rückkehr"

Übersicht über die Callboy-Reihe:
Band 1: "Little ... einmal nur" (Tom und Caro)
Band 2: "Ein Callboy kommt selten allein" (Marc und Sophie)

Band 3: 
"Leo – Auftragslover küsst man nicht" (Leo und Jo)
Band 4: "Callboy gesucht - Engel gefunden" (Gabriel und Mona alias M)

 Ich freue mich jetzt schon darauf, dass es wohl noch in diesem Jahr die Geschichte von "Jonas" geben wird, der in Band 4 seinen ersten und ziemlich beeindruckenden Auftritt hatte.

Bildquelle: amazon

# Die Rezension enthält Werbelinks.

Sonntag, 24. Juli 2016

Wo sind die “starken” Heldinnen?

Wo sind die “starken” Heldinnen?

Ich glaube einer der Gründe (nicht der einzige, aber ein sehr wichtiger) warum ich so gerne Gay-Romanzen lese, ist der, das ich Geschichten mag, in denen die Partner gleich stark sind. Ich finde es unheimlich spannend zu verfolgen, wie zwei einander ebenbürtige Menschen – egal welchen Geschlechts - eine Beziehung aufbauen.

Dass es dabei nicht um körperliche Kraft geht, muss ich ja wohl nicht extra betonen. Natürlich darf auch jeder der Helden bzw. der Heldinnen seine / ihre Schwächen haben, sonst wäre es ja langweilig. Aber ich mag es nicht, wenn sich die Geschichte darum dreht, dass einer der Partner ohne den anderen quasi nicht lebensfähig ist.

Wie ich gerade jetzt darauf komme? Vergangene Woche ist der neueste Band einer Serie erschienen, die ich am Beginn wirklich mochte, weil sie intelligent und mit augenzwinkerndem Humor geschrieben ist und in den ersten Teilen kluge, starke Frauen präsentiert, die es schafften, ihren sexy Traum-Mann zu erobern.

Ich rede hier von der Hailsboro-Reihe von Poppy J. Anderson, die es eigentlich wirklich drauf hat, in ihren Büchern Frauen zu präsentieren, mit denen man sich richtig gut identifizieren kann. Sie sind nicht unbedingt perfekt, aber sie stehen mit beiden Beinen im Leben und man spürt deutlich, dass sie sich einem Partner an ihrer Seite zwar wünschen, aber ihn nicht brauchen, um ihren Alltag zu meistern. Das gilt übrigens auch für die meisten Geschichten von den New York Titans (Die anderen Serien der Autorin kenne ich nicht, kann also nix darüber sagen).

Gerade beim letzten Band der Hailsboro-Serie hat aber mit „Rouke“ eine … neee „Heldin“ kann man hier wirklich nicht sagen … also … eine … mhhhh … Tussi (?) ihren Auftritt, wie sie mir in letzter Zeit in aktuellen Romanen häufiger begegnen. Die junge Dame ist eigentlich Psychologin, präsentiert sich aber schon auf der allerersten Seite als von ihren Patienten eher genervt und nicht auf den Job konzentriert, wirft auf den nächsten ihrem unsäglichen Noch-nicht-Exmann mal eben 100.000 Dollar hinterher, die sie gar nicht hat und muss / darf dann das Haus ihrer Eltern verkaufen, dass diese allerdings schon länger nicht mehr bewohnen. Rourke kehrt also nach Hailsboro zurück, in dem sie als Teenie gemobbt wurde (nicht verwunden, trotz Job als Psychologin) und …

… von da an wird es echt grausam. Wenn es wirklich heute noch Frauen gibt, die so unfähig sind, ihren Alltag zu organisieren, will ich nichts darüber lesen. Wirklich nicht. Darüber wird mich auch der tolle und sexy Nachbar, der sich - für mich völlig unerklärlich - in Rourke verliebt, in Zukunft nicht mehr hinwegtrösten.

Nach all dem Gemeckere: Um es noch einmal zu betonen, positive Beispiele für tolle Heldinnen sind bei Poppy J. Anderson auch zu finden. Ich weiß genau, dass ich das in einer oder zwei Rezis zu ihren Büchern explizit erwähnt habe.

Eigentlich war „Der und niemand sonst“ nur der Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hat. Ich habe schon in den Wochen davor in gefühlt 1000 Leseproben hineingeschaut, um ein Buch zu finden, das mir eine nette und kluge Heldin präsentiert. Eine, bei der ich dem Kerl, der sich für sie interessiert, nicht ständig zurufen will: „Flieh! Renn so schnell und so weit du kannst! Sieh dich nicht um!!!“



Also: Mich interessiert wirklich, ob ich die einzige bin, der in letzter Zeit in Hetero-Romanen jede Menge … richtig dumme Tussis begegnen. Schaue ich mir die falschen Geschichten an? Wo sind sie, die (erotischen) Romanzen mit witzigen, selbstbewussten, intelligenten Frauen, die einen Mann suchen, weil er das Leben schöner macht und nicht, weil sie ohne ihn an ihrer eigenen Unfähigkeit ersticken werden? Die ihre Frau stehen, statt einen Betreuer zu brauchen, der sie auf Schritt und Tritt vor ihrer eigenen Dummheit bewahrt?

Übrigens: Auch wenn jemand eine tolle Gay-Romanze mit zwei gleich starken Helden kennt, die ich unbedingt lesen sollte: Immer her damit!

Hilfe erwünscht!
Ich bin auf Anregungen gespannt und für Tipps wirklich dankbar!

Bildquelle: pixabay


Montag, 11. Juli 2016

"Animalische Leidenschaft 1: Fury" von Laurann Dohner

Elektrisierender Serienauftakt!

Ellie ist eigentlich eine ganz normale Krankenschwester, die für ein namhaftes Pharmaunternehmen arbeitet. Zu ihrer Überraschung tritt eines Tages jemand an sie heran und bittet sie, bei der Überprüfung eines unglaublichen Gerüchtes zu helfen: Angeblich werden in geheimen Labors unsägliche grausame Experimente an Gefangenen durchgeführt. Die Wahrheit ist noch schrecklicher, als Ellie es sich vorstellen konnte, und bringt auch ihr Leben in Gefahr. Doch für einen der Männer, die im Keller angekettet sind, würde sie alles tun …

Die eigentliche Geschichte von Ellie beginnt 11 Monate, nachdem die Gefangenen befreit worden sind. Aber man kann sie nicht einfach wieder in ein „altes Leben“ oder zu einer Familie entlassen. Die „New Species“ wurden in den illegalen Labors gezüchtet, indem man menschliche DNA mit tierischer vermischt hat. An ihnen wurden zahlreiche Medikamente, Drogen und Hormone getestet, die die Männer und Frauen zu etwas einzigartigem und fremdartigem machen. Sie sind stärker und schneller als „normale“ Menschen, reagieren aber oft auch scheinbar irrational, weil sie den starken Instinkten folgen, für die ihr tierischer Genanteil verantwortlich ist.

Ellie hat der Gedanke an das Schicksal des unbekannten New Species Mann mit der Nummer 416 nie losgelassen, den sie im Labor zurücklassen musste, um brisanten Informationen an die Öffentlichkeit zu bringen. Sie arbeitet nun in „Homeland“, einer Art Kaserne, die die Regierung ihnen als geschützten Ort überlassen hat, damit sie sich an ihre Freiheit gewöhnen können.

Das ist nicht einfach. Den New Species sind viele Dinge völlig fremd und unerklärlich, nachdem sie ihr Leben lang wie Laborratten behandelt wurden. Hassgruppen bestehen darauf, dass sie Tiere sind, denen keine Menschenrechte zustehen, weil ihre DNA verändert wurde.

In Homeland trifft Ellis zum endlich wieder auf 416, der sich nun Fury nennt. Leider freut er sich überhaupt nicht, sie zu sehen. Stattdessen rastet er völlig aus, als sie sich zum ersten Mal begegnen, ohne das er in einer Zelle und angekettet ist.

Fury ahnt ja nicht, welche Gründe Ellie damals für ihr Verhalten hatte. Außerdem muss er sich eingestehen, dass seine Wut zum großen Teil unerfülltes Verlangen ist. Mit der Rache, die er plant, stellt er sich unerwartet selber eine Falle. Eigentlich will er Ellie nie wieder gehen lassen, nachdem er sie einmal in den Händen hat, und zu seiner Überraschung scheint die recht wenig dagegen zu haben. Aber die beiden befinden sich auf unbekanntem Terrain. Noch nie haben sich ein New Species und eine menschliche Frau zusammengetan. Diese Kombination stößt auf beiden Seiten aus unterschiedlichen Gründen auf Misstrauen. Und auch Fury und Ellie müssen erst lernen, ob trotz sie ihrer Unterschiede genügend Gemeinsamkeiten für eine Zukunft zu zweit haben.

Animalische Leidenschaft 1: Fury“ ist mit Sicherheit nicht der nicht der sprachlich ausgefeilteste Roman, den ich je gelesen habe. Die Geschichte holpert manchmal ein wenig. Aber die Idee dahinter ist aber unglaublich faszinierend und fesselt den Leser von der ersten Seite an. Ich freue mich unglaublich, dass mit „Fury“ der erste Band der „New Spezies“-Serie jetzt endlich auf Deutsch vorliegt.

Der Kern der Story ist eine erotische Romanze, die mit expliziten Szenen nicht eben spart. Dabei geht es auch mal etwas härter zur Sache, allerdings spürt man immer, wie viel Gefühl hinter den Handlungen steckt. Ellie und Fury sind – bei allen Klischees, die sie bedienen – nie eindimensional. Sie haben genug Ecken und Kanten, um sie wirklich glaubwürdigen Persönlichkeiten zu machen. Bei aller Dramatik überraschen sie, wenn plötzlich unerwarteter Humor oder wirklich zärtliche Momente aufblitzen. Man fiebert nicht nur mit den beiden, ob und wie sie zueinander finden, sondern auch ob sie es schaffen werden, dass ihre Umgebung sie als Paar akzeptiert.

 Warum man irgendwann persönlich losgehen und ein paar wirklich solide Türschlösser kaufen möchte, um sie den beiden zu schenken, muss schon jeder selbst herausfinden …

Neben der heißen und oft auch witzigen Love-Story überzeugt das Buch – genau wie die komplette Serie – durch eine Rahmenhandlung, die es in sich hat. Sie ist überraschend tiefsinnig und sehr aktuell, obwohl das Buch in Original wohl schon 2001 geschrieben wurde und 2011 zum ersten Mal in den Handel kam.

In der Story wird etwas sehr Interessantes angerissen: Wie soll eine Gruppe aus dem Nichts eine völlig neue Gemeinschaft aufbauen? Welche Vorbilder und Ziele gibt es, welche Regeln sollen gelten und wie setzt man sie durch?

Außerdem spannend ist die Frage, wie viele Gemeinsamkeiten ein Paar braucht. Reicht körperliche Anziehung und toller Sex, wenn man auf einem Weg ist, der noch nie beschritten wurde?

Und auch wenn es vielleicht nicht der Kern ist, in der Geschichte steckt aber noch wesentlich mehr: Ob Laurann Dohner es wollte oder nicht, in der Story stellen sich grundlegende Fragen nach dem Umgang mit Fremden, nach Toleranz und Menschlichkeit. Das gibt dem Buch eine überraschende Aktualität.

Mein Fazit:Fury“ hat mich von der ersten Seite an so elektrisiert, weil ich GERNE erotische Fantasy lese, aber lebendig erzählte Geschichten LIEBE. Fury und Ellie sind ein tolles Paar, man kann ihre Geschichte nicht zur Seite legen, bis man weiß ob und wie sie alle Hindernisse überwunden haben. Die Rahmenhandlung wartet mit einer interessanten Story-Line auf und die starken Nebencharaktere machen Lust auf mehr. Man kann das Buch als heißen, erotischen Urban-Fantasy-Roman lesen und wird gut bedient sein. Man kann aber auch über die wirklich interessanten und aktuellen Fragen nachdenken, die es aufwirft und die es auszeichnet.



Also: Deutlich mehr als 5 Punkte und eine Leseempfehlung. Für Genre-Fans ist das Buch in meinen Augen ein MUSS.

Ich hoffe, dass der Lago-Verlag möglichst rasch die gesamte Serie übersetzt, weil dieser elektrisierende Serienauftakt definitiv Lust auf „mehr“ macht.


Haben wollen? 
 Hier kann man die Bücher von Laurann Dohner kaufen: 

"Fury" ist meines Wissens nach der erste Roman der Autorin, der auf Deutsch erschienen ist. Wer wissen möchte, wie es mit Fury, Slade, Justice und den anderen weiter geht, kann hier schon mal reinschnuppern. Die Bücher liegen aber bisher nur auf Englisch vor.

Der klick auf den Titel führt direkt zum Buch, der auf "Rezi" ... Das erklärt sich selbst, oder?


1. "Fury" (Rezi)
2. "Slade" (Rezi)
3. "Valinat" (Rezi)
4. "Justice" (Rezi)
5. "Brawn" (Rezi)
6. "Wrath" (Rezi)
7. "Tiger" (Rezi)
8. "Obsidian" (Rezi)
9. "Shadow" (Rezi)
10. "Moon" (Rezi)
11. "True" (Rezi)
13. "Smiley" (Rezi)
14. "Numbers" (Mourn und Hero) (Rezi)

Ganz zum Schluss: Ich kann und will mir eine kleine Randbemerkung nicht verkneifen: Eine in dem Genre recht erfolgreiche, deutschsprachige Autorin mit einem sehr "melodischen" Namen hat von sich selbst früher in ihrem Autorenprofil behauptet, sie würde schreiben, was sie gerne liest und auch nicht verheimlicht, dass sie sich hauptsächlich englischsprachige Romane zu Gemüte führt. (Warum sie das wohl seit einiger Zeit nicht mehr macht???) Ich begeistere mich immer wieder für ihre Romanideen und bin jedes Mal völlig frustriert, wie platt sie umgesetzt werden. Reingefallen, sozusagen ...

Bei Laurann Dohner kann man nachlesen, wie eine tolle Idee mit wirklichem Leben gefüllt wird, wie jemand Charaktere zum Leben erweckt und eine komplexe, in sich schlüssige Rahmenhandlung schreibt. So gut wird ein Roman, wenn er keine dahingeschluderte Kopie, sondern ein Original ist, und voller Herzblut steckt.
Dafür reicht es eben nicht, wenn man aus "Fury" einen "Rage" macht, ein paar Details ändert und den Rest zusammenstoppelt, um von einer flachen Sex-Szene zur nächsten zu kommen.

Bildquelle: amazon

# Die Rezension enthält Werbelinks.

Freitag, 8. Juli 2016

"Love - Sex - Fantasy" - Betrag zur Blogtour "Die Sturmfalken von Olbian"






Love – Sex – Fantasy

Wie alles, folgt auch der Buchmarkt gewissen Trends. Zwar ist und bleibt das Genre „Fantasy“ ununterbrochen „in Mode“, die Untergenres aber wechseln. Während man früher nur zwischen High- und Urban-Fantasy unterschied, findet man heute in beiden Sparten eine ganze Reihe von Unterkategorien. Romantische und erotische Fantasy sind da nur Beispiele, aber um genau die geht es in diesem Blogbeitrag.

Der Erfolg ist eigentlich nicht schwer zu erklären: In den fantastischen Welten sind Dinge erlaubt und machbar, die in der realen Welt unerreichbar zu sein scheinen. Die ewige Liebe (und meist auch die ewige Treue) garantiert ein Biss oder ein Gefährtenband, die überwältigende Potenz und der Einfallsreichtum im Bett von Vampiren und Werwölfen ist mittlerweile kein Geheimnis mehr und die makellose Schönheit von Elfen tröstet darüber hinweg, dass sie hin und wieder eine ziemlich fiese Ader haben können. Natürlich lieben auch sie ihr Love-Interest über alles. In Fantasy-Romanen ist alles eine Nummer größer, besser und man darf sich vergnügt in die Geschichte fallen lassen, ohne das eine lästige Stimme im Hinterkopf anmerkt, das alles wäre zu schön, um wahr zu sein und "in echt" sähe ja alles ganz anders aus ... 


Hey! Das ist Fanasy! Das muss sich gar nicht an der Realität messen!

Und doch oder vielleicht gerade deshalb hat Fantasy auch einen zweiten Aspekt, der vielen ausgerechnet bei diesem Genre vielleicht gar nicht in den Sinn kommt: In den fremden Welten erlauben wir Leser es uns, unerschrocken und vorurteilsfrei neue Lebensformen und Ideen zu betrachten. Vielleicht bin ich ja zu idealistisch. Aber ich glaube fest daran, dass wir genau davon auch immer wieder etwas mit zurück in den Alltag nehmen. Wenn ich einmal akzeptiert habe, dass "anders" nicht "schlecht" heißt, setzt sich das im Hinterkopf fest, oder?

Die Idee ist übrigens NICHT neu. Fantasy gab es schon immer, nur das man sie früher "Märchen" nannte und den Erzählern sehr bewusst war, dass sei eine Geschichte unter die Leute brachten, um unauffällig für eine Moral zu werben.
(Funktioniert übrigens nicht immer nach Plan, ich habe schon als Kind geheult, wenn der "böse" Wolf sterben musste, wo das doofe Rotkäpchen doch an allem schuld war, weil es von Weg abgewichen ist ...)

Gute Fantasy Bücher ist immer etwas Besonderes. Es ist gar nicht so einfach, eine ganze Welt zu erfinden, die in sich plausibel ist. Nur auf den allerersten Blick widersprechen sich bei den Romanen die Wörter „Logik“ und „Fantasie“. Damit die Geschichten stimmig werden, müssen sie nachvollziehbaren Regeln folgen, die nicht gebrochen werden dürfen. Nichts ist langweiliger als ein Fantasy-Roman, in dem alle Probleme durch – bildlich gesprochen – ein Fingerschnippen und einen Zauberspruch gelöst werden.

Fantasy ist immer dann spannend und innovativ, wenn sie ihre Leser mit einer neuen Sichtweise überraschen - einer die sich im Alltag vielleicht noch nicht angeboten hat oder um die man sich vielleicht sogar bewusst herum gedrückt hat..

Der Urvater der modernen Fantasy, J.R.R. Tolkien, schrieb mit „Herr der Ringe“ nicht nur einen großartigen Epos über Mut, Freundschaft und Toleranz, sondern auch eine zornige Anklage gegen die Industrialisierung und den Landverbrauch. Das Geniale an Fantasy ist, dass man sie als Leser auf sehr unterschiedliche Weisen genießen kann. Gerade bei Tolkien schwärmt der eine von den vielschichtig angelegten Charakteren, der nächste von den epischen Schlachten und der dritte über den virtuosen Gebrauch von Sprachen.
Über tolle Sex-Szenen in den Büchern selbst freut sich bei Tolkien niemand, weil sie schlicht nicht vorkommen. Die zarte Romanze zwischen Aragon und seiner Elfenprinzessin nimmt nicht annähernd so viel Raum ein, wie die Beziehungen der Männer untereinander. (Vom heutigen Standpunkt aus gesehen: Was hätte man daraus alles machen können … 
Ich bin mir ziemlich sicher, dass einige Leser dieses Blogs die geschilderten Freundschaften in ihrem Kopfkino nicht ganz so unschuldig sehen, wie Tolkien sie zu Papier gebracht hat.)

Deutlicher wird da schon die nächste Generation der Fantasy-Autoren. Als Beispiel möchte ich hier besonders Marion Zimmer Bradley nennen, die in ihren „Darkover“-Romanen immer wieder explizite Sex-Szenen integriert. Dabei sind viele ihrer Helden und Heldinnen durchaus dem eigenen Geschlecht zugeneigt, was nicht nur angedeutet, sondern auch ganz klar gesagt wird. Für mich persönlich ist aus heutiger Sicht das Buch „Herrin der Falken“ eine Art Schlüsselerlebnis gewesen. Zu einer Zeit, als Schwule in den Medien – wenn überhaupt – sehr klischeehaft und meist als schrille Tunten dargestellt wurden, lernte ich auf einmal Orain kennen. Die Heldin Romilly verliebt sich in den Mann, er kann ihre Liebe aber nicht erwidern, weil er nur Männer ihn erregen. Orain ist vielleicht kein lupenreiner Held, aber er ist ein ganz normaler Mann mit normalen Wünschen und Träumen, den auf den ersten Blick nichts von seinen Mitstreitern unterscheidet. Diese Botschaft hat sich bei mir tiefer eingegraben, als jedes einzelne überzeichnete Bild, das ich vorher gesehen hatte.


Ziemlich innovativ war MZB übrigens auch in einer anderen Hinsicht: Gerade im Moment findet man zunehmend wieder Menage-Romane auf dem Markt. Wer sich durch den Darkover-Zyklus hindurch liest, findet mehr als einen Dreier, Vierer und auch ein paar saftige Orgien. 

(Die Bücher aus dem Darkover-Zyklus gibt es seit einiger Zeit endlich wieder zu kaufen, leider mit ... total hässlichen Covern.)

Heute suchen und finden die Helden in den romantischen und/oder erotischen Fantasyromanen meist wieder die große, die wahre und einzige Liebe. Dabei sind ganz unterschiedliche Spielarten durchaus erlaubt und werden auch offen geschildert. Sex gehört zu Fantasy-Romanen fast so selbstverständlich dazu wie Magie.
Jeder, der ein paar Bücher mit erotischer Fantasy gelesen hat, war sicherlich überrascht, zu welchen Diskussionen die *räusper* fast-schon-Blümchensex-Szenen in SoG geführt haben. Sehr sinnliche Fesselspiele findet man schon lange in Büchern wie z.B. „Engelskrieger“ von Nalini Singh oder bei J.R. Ward. Deutlich härter zur Sache geht es in den „Anita-Blake“ Romanen von Laurell K. Hamilton. Gute Fantasy beschränkt sich dabei nicht darauf, eine Sex-Szene an die nächste zu reihen, sondern zeigt den Menschen (meinetwegen auch den Vampir, den Elfen oder den Werwolf), der aus mehr als seiner Sexualität besteht.

Dabei tauchen auch im Mainstream wieder immer häufiger und selbstverständlicher Helden auf, die sich dem eigenen Geschlecht zugeneigt fühlen. J.R. Ward baut gleich zwei Mal die Liebe zwischen Männern ein, lässt das eine Paar aber eher als Bromance laufen und … wird auch bei dem zweiten nicht wirklich deutlich, nachdem die Schlafzimmertür zu ist. Ähnlich sieht es bei Tina Folsom aus. Ziemlich offen und in jeder Beziehung und richtig heiß dagegen sind die Storys von Inka Loreen Minden. Außerdem gibt es heute eine ganze Reihe toller Gay-Fantasy-Romane, die jeden Geschmack von romantisch bis kochend heiß bedienen.

Etwas zu finden, über das man noch nie gelesen hat, ist dagegen gar nicht so einfach. Doch in der Vielzahl der Neuerscheinungen findet man hin und wieder – manchmal sogar unerwartet – echte Perlen. Gerade weil wirkliche Überraschungen so sind selten, prägen sich dafür umso nachhaltiger ein. Für mich persönlich ist „Die Sturmfalken von Olbian“ von Leann Porter einer dieser Romane. Sie zählt zu den Autoren, die ich „blind“ kaufe, deshalb hat es mich total überrascht, dass Jawed, einer der Helden sozusagen dem dritten Geschlecht angehört. Ich weiß nicht einmal, ob die Sidhe-Metra wirklich für Intersexualität stehen, aber ich fand es unheimlich spannend und berührend zu lesen, wie schwierig es für Jawed ist, sich selbst zu akzeptieren. Erst als er seine Heimat verlässt und in einer toleranteren Gesellschaft ankommt, beginnt er so etwas wie Selbstbewusstsein und Stolz zu entwickeln. Nachdem er sich selbst endlich akzeptiert hat, kann er auch glauben, dass er liebenswert ist und sich seinem Partner öffnen.


Leann Porter doziert nicht mit erhobenem Zeigefinger. Sie zeigt, geschickt verpackt in eine unheimlich spannende und stimmige Geschichte, wie wichtig Akzeptanz und Offenheit sind. Dabei wird die Grundidee der Sidhe-Metra konsequent zu Ende gedacht. Besonders gefallen hat mir das Bild ihrer Familien, bei denen klar ist, dass die Kinder zwei Väter haben und die ganz selbstverständlich akzeptiert werden.

Fazit: Love, Sex und Fantasy gehören - zum Glück - untrennbar zusammen. Sie erlauben es den Leser, sich vergnügt in fremde Welten zu träumen, von ewiger Liebe, unglaubliche heißer Erotik und den tausend verschiedenen Spielarten von Sex zu träumen. 
Wieviele der Träume sich ein kleines Stück in den Alltag retten, bleibt natürlich jedem selbst überlassen.


Gewinnspiel

Wer Lust hat, mehr über die "Sturmfalken von Olbian" zu erfahren, findet meine Rezi dazu hier: 
*klick*, das Buch kann man z.B. hier kaufen: *klick*.
Die anderen, spannenden Beiträge im Rahmen der Blogtor sollte man sich natürlich auch anschauen:

Buch und Autorin – http://www.corinnasworldofbooks.de
Welt – http://yllinfox.blogspot.com
Figuren – http://bambinis-buecherzauber.blogspot.de
Sidhe – https://likeagaydream.wordpress.com

Sankanische Spiele – http://bookwormdreamers.blogspot.de

Morgen erscheint dann noch folgender Artikel:
Dead Soft Verlag und Autorin – http://romanticbookfan.blogspot.de

Im Rahmen eines - nun natürlich beendeten Gewinnspiels - hatte ich folgende Frage gestellt:

Meine Frage:
Welche Fantasy-Bücher oder -Filme haben euch besonders beeindruckt und vielleicht sogar eine kleinen Einfluss auf euren Alltag hinterlassen?

Über die interessanten Antworten habe ich mich sehr gefreut!

Bildquelle: amazon, pixabay, Leann Porter und Juliane Seidel alias Koriko von "Like a Gaydream"

# Die Rezension enthält Werbelinks.