Montag, 16. September 2019

"Die Popstars und ihr Anwalt (Gabelstone-Reihe 1)" von Norma Banzi

Viel mehr als eine heiße Ménage!

Vincent Gable ist DER „Anwalt der Stars“ und lässt sich von den riesigen Egos in der Branche schon lange nicht mehr beeindrucken.
Deshalb lehnt er es zunächst auch ab, den Popstar „Angel“ zu vertreten. Dann aber lernt er den echten Menschen hinter der Marke kennen: Mark Stone ist ein sensibler und talentierter Musiker, der erheblich mehr Facetten hat, als er der Öffentlichkeit zeigt. Aber die glaubt ja auch, Angel wäre hetero …
Vince und Marc wissen es besser. Im Bett harmonisieren die beiden ausgezeichnet und auch außerhalb finden sie einander sympathisch. Doch reicht das, um den Altersunterschied, die beruflich bedingten Trennungen und die Tatsache, dass Marc sich aus Marketinggründen nicht outen soll, zu überwinden? Außerdem ist da noch Jamie, Marcs Cousin und gleichzeitig bester Freund mit gewissen Vorzügen. Wenn die Männer nicht ihre ganz eigene Lösung finden, wird es wohl bei einer heißen Affäre bleiben … 

Die Popstars und ihr Anwalt“ von Norma Banzi ist die gründlich überarbeitete Neuauflage des ersten Bandes einer ungewöhnlichen Serie, die ich wirklich lieben gelernt habe. Um eines vorweg zu schicken: Die Überarbeitung hat sich gelohnt! Die Atmosphäre in dem Buch ist noch dichter als zuvor.

Es gibt wenige Romane und / oder Serien, die sich so intensiv und schlüssig mit dem Thema Ménage und Polyamory auseinandersetzen, wie die um Vincent Gable und seine Liebhaber. Die Männer führen eine offene Beziehung, sie sind sich weniger mit dem Körper, als viel mehr mit dem Herzen treu. Alle drei mögen Sex, nicht nur untereinander, sondern hin und wieder auch mit anderen, Das halten sie halten jedoch nicht geheim, sondern teilen ihre heißen Erlebnisse.

Die Story geht über das übliche Kennenlernen-Zweifeln-Streiten-Versöhnen und dann Happy End weit hinaus und legt den Grundstein für etwas, was ein wenig wie die Biographie der Männer wirkt. Es gibt Höhen und Tiefen, der Handlungsbogen bleibt selbst nach dem HE in gewisser Weise offen, weil man deutlich spürt, dass Vince, Marc und Jamie noch nicht am Ende ihres Weges angekommen sind. Es macht unglaublich viel Spaß, sie dabei zu begleiten, wenn aus einem sehr offenherzig geschilderten erotischen Abenteuer langsam mehr wird und man den Beginn einer tiefen Liebe miterlebt. Vielleicht gerade weil die Männer sich so ergeben sind, ist Eifersucht (fast) kein Thema zwischen ihnen.

Richtig gut gefallen hat mir außerdem, die Schilderung des Alltags von Vince, Jamie und Marc. Die Männer verdienen ihr Geld schließlich damit, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren und wohnen schließlich nicht in einem kleinen Kaff am Ende der Welt, sondern in Los Angeles. Als Star steht vor allem Marc aka Angel immer im Focus der Presse. Das die drei beschließen, ihre Beziehung nicht an die große Glocke zu hängen, hat ganz aber am Ende auch andere Gründe.

Die interessante Dynamik der Story ergibt sich aus den völlig unterschiedlichen Charakteren: Vince ist ein cooler und mit allen Wassern gewaschener Anwalt, der von den dreien am meisten in sich ruht. Er weiß was er will und hat eine Menge Erfahrung. Der Altersunterschied zu seinen beiden jungen Liebhabern macht ihm allerdings manchmal zu schaffen. Marc ist ein sehr ambivalenter Charakter, der auf den ersten Blick manchmal ziemlich überdreht wirkt. Faszinierend ist es, ihn zwischen der Kunstfigur „Angel“, die er perfekt verkörpert, und seinem „privaten Ich“ hin und her wechseln zu sehen. Ein Teil von Marc liebt den Erfolg, den Ruhm und das damit verbundene Scheinwerferlicht. Ein anderer Teil aber leidet oft unter dem Druck, in der Öffentlichkeit immer auf sein Image achten zu müssen. Das wird im Verlauf der Geschichte sehr deutlich und ist unheimlich gut dargestellt. Jamie, der Dritte im Bunde, ist eher introvertiert und still, weiß aber genau was er will. Er liebt Musik genauso wie Mark, steht aber als Komponist und Songwriter deutlich weniger in der Öffentlichkeit. Jamie erkennt klarer als Marc, wo seine Grenzen sind. Er versteht, dass man manchmal Abstand braucht, auch wenn man sich liebt.

Mir gefällt an der Geschichte immer wieder, dass es eben nicht für alle Probleme sofort eine Lösung gibt. Das wäre sonst einfach nicht glaubwürdig. Jeder der drei Männer hat sowohl positive als auch negative Eigenschaften, die sie nicht einfach ablegen, weil sie plötzlich in einer Beziehung sind. Wie im richtigen Leben ist es wunderbar, die wahre, echte Liebe zu finden, aber sie verändert nicht den Kern eines Menschen.

Vincent, Marc und Jamie kämpfen um ihr Glück. Ihre Liebe und die gegenseitige Achtung hilft den dreien und obwohl ich inzwischen weiß, wie ihre Geschichte weitergeht, fiebere ich bei jedem Re-Read genauso wie bei dieser Neuauflage mit, leide, wenn es Streit oder Probleme gibt und freue mich, wenn den Jungs das Glück wieder lacht.

Als echter Fan müsste ich hier eigentlich die ganze Serie empfehlen, allerdings scheint Norma Banzi sie komplett überarbeiten zu wollen. Deshalb sollte man evtl. mit dem Kauf auf die Neuerscheinungen warten.

Natürlich habe ich in der Neuauflage des ersten Bandes nicht Seite für Seite verglichen, um die Änderungen herauszufinden. Ich kenne die Story aber mittlerweile so gut, dass mir einige Dinge gleich ins Auge gefallen sind. Besonders gelungen finde ich, dass die Handlungen von Marc jetzt deutlich besser nachzuvollziehen sind. Marc ist und bleibt ein komplizierter Charakter, aber er folgt dabei einfach seinem Herzen, das wird nun noch erheblich besser klar. Alleine dafür hat sich der … Hm. Darf man Re-Read sagen, wenn`s das erste Mal bei einer Neuauflage ist? Egal, es hat sich auf jeden Fall mal wieder gelohnt, die Geschichte zu lesen! 

Fazit: Nach diesen begeisterten Worten muss ich ja wohl nicht mehr extra betonen, wie sehr ich die Serie und besonders dieses „neue“ Buch liebe. Deshalb gibt es von mir mindestens 5 Punkte, eine Leseempfehlung und eine Suchtwarnung.

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- "Die Popstars und ihr Anwalt"

Link zur Homepage: Norma Banzi 

Bildquelle: amazon

Samstag, 14. September 2019

"Heilung (The Protectors Band 2)" von Sloane Kennedy

Erlösung

Ronan ist eigentlich ein Arzt, ein Heiler (Insofern passt der deutsche Titel "Heilung" in mehrfacher Hinsicht!). Aber ein traumatisches Erlebnis kostet ihn das Leben seines Geliebten und sein Vertrauen in die Gerechtigkeit. Mit seinem Erbe baut Ronan eine geheime Organisation auf. Unerbittlich jagt er mit seinen Männern Verbrecher, die durch die Lücken des Gesetzes geschlüpft sind. Seine Männer, „The Protectors“ sind Richter und Henker, um zukünftige Opfer zu verhindern …
Seth hat seine gesamte Familie verloren. Nun Ronan, der Verlobte seines toten Bruders ist ihm geblieben. Doch der hält ihn auf Abstand und sieht immer noch den kleinen Jungen in ihm. Ist Seth stark genug, die Mauern um Ronans Herz einzureißen? Und kann er damit leben, was der Mann, den er immer bewundert hat, nun Leben nimmt, statt sie zu retten? Werden die beiden für einander die Erlösung sein, die sie verdient haben?

Mit „Heilung“, liegt nun endlich auch der zweite Teil der Serie „The Protectors“ von Sloane Kennedy auf Deutsch vor. Man erfährt man mehr über den undurchsichtigen Ronan und seine geheime Organisation, die man ja schon in „Absolution“ kennengelernt hat. Klasse fand ich, dass Jonas, Cole und Mace kleine Auftritte als Nebencharaktere hatten.

Das Buch selbst ist ziemlich schwere Kost weil beide Helden in ihrer Vergangenheit so schwer verletzt worden sind, dass sie kaum damit leben können. Beide kämpfen vor allen mit den seelischen Auswirkungen und fühlen sich schuldig für Dinge, die nicht in ihrer Hand liegen.

Wie sehr oft bei Sloane Kennedy wird schnell klar, dass Stärke nichts mit körperlicher Kraft zu tun hat. Obwohl Ronan älter, muskulöser und ein tödlicher Kämpfer ist, hat es Seth schon geschafft, aus eigener Kraft einige Schritte in die richtige Richtung zu machen, um seine Traumata zu überwinden. Dass er trotzdem Schutz braucht, ist der Rahmenhandlung geschuldet, die ich dieses Mal ein wenig … naja … an den Haaren herbeigezogen fand. Während es eigentlich noch plausibel erscheint, warum Seth bedroht wird, ist die Art und Weise eher unverständlich.

Wie Ronan zu seinem Erbe gekommen ist, halte ich für fast unmöglich. Schade ist auch, dass man fast nichts aus seiner Vergangenheit vor seiner Beziehung zu Seth Bruder erfährt. Damit hätte sich dann vielleicht eher erschlossen,warum er oft sehr, sehr merkwürdig reagiert. Nicht nur Seth kann meist nicht nachvollziehen, warum sich Ronan immer wieder komplett zurückzieht. (Mir liegt auf der Zunge zu sagen: „Wie ein schmollender Teenie …“). Das scheint nicht ganz zu dem knallharten Mann zu passen, zu dem er geworden ist.

Fazit: Weil Ronan sich bis zum Ende nicht wirklich öffnet, springt der Funke bei "Heilung" auch nicht so hell funkelnd über wie sonst immer bei den heißen Bettspielen, die in den Büchern von Sloane Kennedy nicht fehlen dürfen.

Allerdings liegt meine Messlatte bei dieser Autorin auch sehr hoch, deshalb solide 4 Punkte und eine Leseempfehlung, die für die gesamte Serie gilt.

P.S.1: Ich kaufe zwar nicht nach Cover, aber diesmal kann ich es mir nicht verkneifen: Das der Originalausgabe ist einfach sinnlicher ...

P.S. 2: Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Band, in dem es um Ronans Mentor Hawke und den junge Tate geht. Außerdem lernt man dort den kleinen Matty kennen, der wirklich ein Held ist und außerdem ein goldenes Herz hat.

Ich liebe diese Story!

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 Hier kann man die Bücher von Sloane Kennedy kaufen: 

- "Absolution (The Protectors 1)" (Jonas, Mace & Cole)
- "Heilung (The Protectors 2)" (Ronan und Seth)

Schon auf Deutsch erschienen ist die "Finding"-Serie
- "Ein Zuhause finden“ 
- "Vertrauen finden"
- "Frieden finden"
- "Vergebung finden"

Samstag, 7. September 2019

"Blind für die Wahrheit" von Mathilda Grace

Die Scham der Opfer

Conner schleicht seit Monaten um Cord herum – aber der sucht keinen Mann fürs Leben, sondern höchstens eine Affäre. Außerdem fällt der kräfig gebaute Riese ohnehin nicht in Cors Beuteschema. Er mag seine Männer eher sanft und zierlich. Doch irgendetwas an Conner fasziniert Cord. Er lässt zu, dass dieser ihm gefährlich nahe kommt. Plötzlich beginnen die Schutzmauern zu bröckeln, mit denen Cord ein altes Geheimnis hütet, über das er nicht nachdenken, geschweige denn sprechen will …

Schon „In Erfüllung seiner Pflicht“ von Mathilda Grace war alles andere als leichte Kost. „Blind für die Wahrheit“ ist fast noch schwieriger zu lesen. Ich möchte auf keinen Fall spoilern, was in Cords Vergangenheit vorgefallen ist.

Seine Geschichte ist schwer zu lesen, weil sie – anders als das Drama um seinen Schwager Tyler – jeden Tag passieren kann, in der eigenen Familie, in der Nachbarschaft, im Bekanntenkreis. Während Tylers Trauma „weit weg“ seinen Anfang nahm, ist Cord dort etwas passiert, wo er eigentlich in Sicherheit sein sollte.

Intellektuell wissen die meisten von uns, dass so etwas häufig vorkommt, mit dem Herzen wollen wir es aber nicht glauben. Auch das macht die Geschichte oft so bedrückend. Man ist persönlich nah dran, muss sich fragen ob und wo man vielleicht die Augen schon einmal verschlossen hat.

Damit nähert man sich dem zweiten Kernthema des Buches: Schuld. Wer trägt die Schuld an einem Verbrechen? Der Täter? Oder vielleicht doch das oder die Opfer, weil sie sich willig in eine bestimmte Situation begeben haben? Ist ein Verbrechen überhaupt ein Verbrechen, wenn es kein eindeutiges „nein“ gab?

Blind für die Wahrheit“ ist kein einfaches Buch. Es ist manchmal schwer zu lesen, weil es unbequeme Fragen stellt, die weiter am Leser nagen, wenn Cord und Conner sich längst gefunden haben …

Fazit: Nein, das Buch hat mir nicht „gut“ gefallen. Es hat mit geärgert, genervt, mich zum Grübeln gebracht. Und wahrscheinlich deshalb konnte ich es nicht aus der Hand legen …
Die Story passt nicht ins übliche Bewertungsschema. „Blind für die Wahrheit“ bekommt von mir 4 Punkte, weil man es lesen sollte, weil es vielleicht die Augen ein klein wenig mehr öffnet für unbequeme Wahrheiten und weil es für ein schwieriges Thema sensibilisiert, das einfach nicht totgeschwiegen werden darf.
Nach dieser Rezi dürfte allerdings klar sein, dass die Story nichts für jemanden ist, der eine locker flockige Romanze sucht …

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- "Blind für die Wahrheit"

Wer sich für die Story von Garrett, Tyler und Kade interessiert, findet sie hier:
- "In Erfüllung seiner Pflicht"

Die Chicago-Reihe geht übrigens weiter. Infos dazu findet man auf der Homepage von Mathilda Grace: https://www.mathilda-grace.de/chicago-reihe/

Bildquelle: amazon


Mittwoch, 4. September 2019

Neues Netzwerk: "Wir schreiben queer"

Da ich bekennender FB-Abstinenzler bin, kennt vermutlich jeder schon diese neue Seite, über die ich eher zufällig gestolpert bin:

https://www.wir-schreiben-queer.de/

Interessant finde ich sie, weil man einen guten Überblick über Autoren UND Blogger erhält, die sich mit queeren Büchern und Themen beschäftigen. Außerdem findet man auch eine Zusammenstellung von queeren Verlagen.
Mir persönlich gefällt besonders der Newsfeed.

Die Seite versteht sich als Netzwerk. Ich bin gespannt!!!

Dienstag, 3. September 2019

"Strand der Hoffnung" von Shira Anthony


Fragile Erinnerungen

Im Urlaub verliebt sich Adam in den sympathischen Tauchlehrer Jonah und sie verbringen eine gemeinsame Nacht. Doch bevor mehr daraus werden kann, sucht Jonah das Weite und Adam muss zurück nach Hause, wo eine schwierige geschäftliche Entscheidung ansteht. Auf ihn wartet eine ziemliche Überraschung …

Strand der Hoffnung“ von Shira Anthony fängt geradezu paradiesisch an: Die Beschreibung der wunderschönen Insel, der Tauchgänge und die langsame Annäherung der beiden Männer ist wunderbar sinnlich geschildert. Man fühlt mit ihnen, spürt Adams Vorsicht … und seine leise Hoffnung auf mehr als ein kurzes Abenteuer. Man fühlt auch Jonahs Zerrissenheit, seine Unsicherheit, weil er sich nicht an seine Vergangenheit erinnern kann … und es offensichtlich auch nicht will. Seine Träume sind ebenso aufschlussreich wie traurig.
Leider hat die Geschichte auch einige kleine … „Aussetzer“ ist nicht ganz das richtige Wort, aber mir fällt gerade kein besseres ein. Zuerst einmal hat man als aufmerksamer Leser bereits bei ca. 30 % eine Offenbarung, die einen großen Teil der Spannung aus der Story nimmt und sie vorhersehbar werden lässt. Darüber trösten dann aber einige wirklich tolle Szenen hinweg. Die – teilweise fragilen – Erinnerungen von Jonah / Jackie, aber auch die von Adam sind unheimlich berührend.
Geärgert und massiv gestört haben mich mehrere Logiklücken in der Story, die so offensichtlich sind, dass sie zumindest mir den Spaß an der Geschichte richtig verdorben haben. Ich habe das Buch immer wieder aus der Hand gelegt und musste mich richtig dazu zwingen, es zu Ende zu lesen.

Fazit: Guter Stil, toller Anfang, zunehmend weniger spannend. (Der Fairness halber: Ich habe gerade andere Besprechungen zu dem Buch gelesen, die das nicht so sehen.) In meinen Augen kann man die Story lesen, man muss es aber nicht. Die 3 Punkte sind sozusagen ein Mittelwert, der Beginn hat mir sehr gefallen, dann war ich zunehmend weniger begeistert.

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Strand der Hoffnung"


Bildquelle: Cursed




Samstag, 24. August 2019

"Lone Wolf: Herzensgefährte" von Anna Martin

Gefährten: Hat das Schicksal sich geirrt?
Als Leo buchstäblich in Jackson hineinrennt, bleibt dessen Herz fast stehen: Nicht nur, dass er unerwartet seinen Seelengefährten gefunden hat, der Typ ist erstens kein Werwolf und zweitens definitiv keine Frau …

Alles scheint gegen Leo und Jackson als Paar zu sprechen. Hat das Schicksal sich etwa geirrt? Oder gibt es eine Chance für die beiden Männer?

Wenn man „Lone Wolf: Herzensgefährte“ von Anna Martin liest, fragt man sich über weite Strecken wirklich, was das Universum im Sinn hatte, als es Leo und Jackson zu Gefährten machte. Das fragt man sich unter anderem deswegen, weil nicht nur die Umgebung der beiden Männer, sondern vor allem Jackson die Beziehung unheimlich skeptisch sieht und sich lange Zeit dagegen wehrt. Besonders hadert er mit der Tatsache, dass Leo ein Mann ist. Immer wieder betont Jackson „hetero“ zu sein und es ist nicht immer nachvollziehbar, warum er und Leo sich doch hin und wieder auch körperlich nahekommen. Das „Knistern“ fehlt, die Funken springen nicht über.

Überraschenderweise zweifelt Leo zu Beginn kaum an der Gefährtensache, obwohl er sie nicht wirklich spüren kann. Er ist trotzdem bereit, sich auch Jackson einzulassen und – zu Recht – irgendwann enttäuscht, als der ihm kaum entgegenkommt.

Trotz dieser Kritik hat mich die Geschichte berührt und ich würde unheimlich gerne noch mehr aus der interessanten Welt und den spannenden Charakteren lesen, die Anna Martin da entworfen hat. Die Ausgrenzung der Werwölfe (und der Schwulen) hält dem Leser einen Spiegel vor, der nicht immer ein angenehmes Bild zeigt. Wie oft schaut man weg, weil man sich von einem Problem nicht betroffen fühlt? Wie oft lässt man sich davon einlullen, dass die Rechte einer Gruppe auf dem Papier gleich sind – obwohl man weiß, dass sie es in der Realität noch lange nicht sind?

Das alles wird eher unaufgeregt und fast beiläufig dargestellt, ohne es groß in den Fokus zu rücken. Vielleicht gerade deshalb sinkt die Erkenntnis umso tiefer ein …

Lone Wolf: Herzensgefährte“ ist eine eher ruhige Geschichte von zwei Männern, die nicht ganz so sicher sind, ob sie sich wirklich auf das Schicksal verlassen sollen. Weil sie ihm zumindest eine Chance geben wollen, werden sie erst einmal Bekannte, dann Freunde und schließlich mehr. Den weiteren Weg dabei geht auf jeden Fall Jackson, aber auch Leo entwickelt sich.

Fazit: Hat mir – trotz all der Kritik – überraschend gut gefallen. Deshalb gibt es 4 Punkte und die Hoffnung auf eine Fortsetzung.


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Lone Wolf: Herzensgefährte

Bildquelle: Cursed

Mittwoch, 21. August 2019

"Die Begabten (Eine bessere Welt 1)" von Victoria Sue

Superhelden auf Probe

Finn kommt aus einer ziemlich verkorksten Familie und hat nur ein Ziel: Er will unbedingt FBI-Agent werden. Das scheint in unerreichbare Ferne zu rücken, als man ihm plötzlich ein merkwürdiges Angebot macht. Finn hat nichts zu verlieren und landet in einer neuartigen, noch nicht wirklich genehmigten Einheit, in der sogenannte Begabte arbeiten. Die „normalen Menschen“ sollen eher der Beruhigung der Bevölkerung dienen, weil die Begabten aufgrund ihrer übernatürlichen Fähigkeiten gehasst und gefürchtet werden. Seine neuen Kollegen reagieren entsprechend angesäuert, doch die Zeit drängt und es gibt mehr als einen Fall, der Zusammenarbeit von einem Team fordert, dass erst noch zusammenwachsen muss.
Das alles wäre schon kompliziert genug, auch ohne die widersprüchlichen Gefühle, die Talon und Finn füreinander empfinden.

Ich habe „Die Begabten“ von Victoria Sue eine Weile ignoriert, obwohl das Buch genau in mein Beuteschema passt. Nachdem ich allerdings einmal angefangen hatte, konnte ich die Geschichte nicht mehr aus der Hand legen, bis ich wusste, wie sie endet.

Man spürt deutlich, dass „Die Begabten“ der Start einer neuen Serie ist (von der es im Englischen schon vier Teile gibt.) Victoria Sue lässt sich Zeit, nicht nur ihre Helden und die Nebencharaktere, sondern auch die Welt in der sie leben vorzustellen. Besonders gefallen hat mir dabei, dass sie nicht einfach erklärt, sondern den Leser anhand von vielen kleinen Situationen selbst herausfinden lässt, mit welchen Schwierigkeiten sich Begabte auseinandersetzen müssen. Fast schon traurig ist, dass sie offensichtlich „anders“ sind und dafür gehasst werden. Viele der positiven Reaktionen gibt es nur, weil die Jungs, teilweise unter Einsatz ihres Lebens, für die gute Sache kämpfen. Sie werden ungewollt zu Helden, sonst würden sie wohl weiter in der Gefahr schweben, ihr Leben als Aussätzige zu verbringen.

Das hat so viele Parallelen zu der aktuellen politischen Situation, dass es manchmal ziemlich erschreckend ist.

Was mir übrigens richtig gut gefallen hat: Es gibt Gute und … sagen wir mal weniger Gute sowohl bei den Menschen, als auch bei den Begabten. Auch das ist ein kleiner Seitenhieb: Nicht das Aussehen (oder eine kleine Narbe gekoppelt mit einer ungewöhnlichen Fähigkeit) sagt etwas über den Charakter eines Menschen aus, sondern seine Taten.

Man kann die Story aber auch problemlos genießen, ohne diese zweite Ebene zu bemühen: „Die Begabten“ ist so spannend und unterhaltsam, dass man als Leser sogar kleine Logiklücken verzeiht, weil man unbedingt wissen will, ob und wie sich die Superhelden auf Probe bewähren dürfen. Das Zückerchen obendrauf ist die sich anbahnende Beziehung zwischen dem freundlichen, meist eher optimistischen Finn und dem eher wortkargen und immer einer wenig knurrigen Talon. Die beiden scheinen so gar nicht zusammen zu passen und ergänzen einander doch perfekt.

Fazit: Gut gelaunte 4,5, aufgerundet 5 Punkte und eine Leseempfehlung für Freunde des Genres. Man muss ein wenig Aktion mögen, da diese genauso viel Raum einnimmt wie die Romanze.

P.S.: Hoffentlich werden die anderen, bereits erschienen Teile der Serie schnell übersetzt. Besonders interessiert mich im Moment der zweite Teil, indem die noch recht fragile Beziehung zwischen Talon und Finn wieder Thema sein wird, bevor sich die folgenden Bände dann anderen Begabten zuwendet.

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- "Die Begabten (Eine bessere Welt 1)"

Auch dieses Buch ist schon seit Juni zu haben, entsprechend gibt es auch schon einige andere Meinungen dazu:
Laberladen
Gaylesen (Besprechung der Original-Ausgabe)

Weiter geht es bisher leider nur auf Englisch:
- "Who We Truly Are" (Band 2, wieder Finn und Talon)
- "Beneath This Mask" (Band 3, Gael und Jake)

- "The Strengh of His Heart" (Band 4, Vance und Angel)
- "Guarding his Melody" (Sebastian und Gray, scheint eine Side-Story zu sein)



Bildquelle: Dreamspinner