Freitag, 19. Mai 2017

"Will hier jemand Haggis?: Lauwarme Schottenromanze" von Jona Dreyer

Humor ist, wenn man trotzdem lacht!
Schottland ist heiß! Die Schotten in ihren Kilts sowieso, aber das ahnt der Texaner Adrien noch nicht wirklich, als er einen Urlaub dort bucht. Und so kommt er gleich nach seiner Ankunft mächtig ins Schwitzen, zuerst weil seine Klamotten nicht zu den sommerlichen Temperaturen passen und dann, weil seine Libido sich beim Anblick eines echten Highlanders förmlich überschlägt. Das Leben kann ja so hart für einen Mann sein!!!

Jona Dreyer kann Geschichten auf eine unvergleichlich lebhafte und humorvolle Art erzählen, wie sie schon in mehreren ihrer zeitgenössischen Storys bewiesen hat. Mit „Will hier jemand Haggis?“ legt sie allerdings noch einmal eine Schippe drauf. Beim Lesen der Urlaubserlebnisse von Adrien bleibt wirklich kein Auge trocken. Man sollte das Buch nur in Gesellschaft genießen, wenn man sich nicht an irritierten Blicken stört. Lautes Auflachen ist nämlich unvermeidlich!
Nicht nur Schottland-Fans kommen bei der Geschichte voll auf ihre Kosten, hier ist für jeden etwas dabei. Klischees werden genussvoll hervorgezerrt und vergnügt wieder demontiert. Das wirklich Tolle an der Story ist aber die Herzenswärme, die sie bei allem Humor ausstrahlt. Man lacht nie über die Menschen, sondern man lacht mit ihnen. Und man wird oft lachen, versprochen!

Besonders Adrien, aus dessen Sicht die Story erzählt wird, wirkt so sympathisch weil er seinen Humor auch dann nicht verliert, wenn ihm die absurdesten Dinge passieren. Die „erzählt“ er dem Leser ganz frei von der Leber weg und ohne sich Gedanken darum zu machen, ob er dabei eine gute Figur macht. Zusätzlich ist es ein pures Vergnügen, zusammen mit ihm den sexy schottischen Reiseführer anzuschmachten. *grins* Wenn man selbst einmal in Schottland war, hört man förmlich Lachlans dunkle Stimme mit dem typisch rollenden R, das so angenehm … ;) Ne, das gehört hier wirklich nicht hin.

Ich könnte noch seitenweise von Adrien, Lachlan und ihren (ersten gemeinsamen) schottischen Abenteuern schwärmen. Mache ich aber nicht.
Stattdessen gebe ich rasch 10 von 5 Punkten, eine begeisterte Leseempfehlung und den dringenden Rat, zumindest in die Leseprobe zu schauen. Die Story sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Mit Gute-Laune-Garantie!!!

Haben wollen?
 Hier kann man die Bücher von Jona Dreyer kaufen: 
- "Will hier jemand Haggis?
- "Sex, Drugs & Handicap"
- "Herzweh & Zahnklopfen"

Bildquelle: amazon

Donnerstag, 18. Mai 2017

"Warrior Lover: Shadow" von Inka Loreen Minden

Shadow hat es weit gebracht, seit die Warrior das Unrechtsregime unter der Kuppeln gestürzt haben: Als Minister kämpft er nun dafür, das Leben aller zu verbessern. Seine Warrior-Instinkte allerdings verlangen nach körperlicher „Action“: Die lebt er maskiert und unerkannt bei nicht wirklich legalen Käfigkämpfen aus. Sein Geheimnis ist in Gefahr, als er zwei ebenso faszinierende wie kluge Frauen kennenlernt. Oder ist es am Ende doch nur eine?
Kathryn setzt sich für die Outsider ein, die zwar nach den politischen Umwälzungen Zutritt zu den Kuppelstädten haben, aber nach wie vor am Rande der Gesellschaft leben. Außerdem hat sie dich Hoffnung noch nicht aufgegeben, ihren seit Jahren vermissten Bruder Nolan wiederzufinden. Einer der Käfigkämpfer scheint ihm verdächtig ähnlich zu sehen. Ablenkung kann sie gerade gar nicht brauchen. Hilfe schon …

WOW! WOW! WOW! Ich bin immer noch geflasht von den neuesten Entwicklungen in der harten Welt der „Warrior Lover“! Inka Loreen Minden präsentiert mit „Shadow“ den mittlerweile zehnten Band und die Story wird immer spannender und komplexer. Man kann für meinen Geschmack zwar jedes Buch auch als Stand Alone lesen, die Serie macht aber süchtig. Es lohnt sich deshalb auf jeden Fall mit „Jax“ anzufangen und dem Verlauf der Geschichte zu folgen. Das birgt außerdem dies das Vergnügen, liebgewonnene Helden (und Heldinnen) in kleinen Gastauftritten wiederzutreffen …
Jedes der Bücher hat für mich neben der großartigen und – typisch Inka Loreen Minden – leidenschaftlich und offenherzig erzählten Love-Story einen ganz eigenen Tenor.

Die Geschichte von Shadow und Cat beschäftigt sich mit der Verantwortung, die Macht nach sich zieht. Shadow kennen die meisten Menschen nur als Minister. Er ist ein Politiker, wie man ihn sich wünscht; einer der nicht um der Macht willen nach dem Amt gegriffen hat, sondern um etwas für andere zu verbessern. Shadow / Clint kümmert sich um die Anliegen der Menschen und Warrior, die er als Minister vertritt und als er ein einziges Mal sein Amt missbraucht, macht er das tatsächlich nur um jemand anderem zu helfen. Warum auch immer er den Namen „Shadow“ einmal erhalten hat, er passt immer noch: Statt sich ins Rampenlicht zu drängen, bleibt Clint im Hintergrund und arbeitet entschlossen und tatkräftig an seinen Zielen. Zielen übrigens, die nicht ein bisschen eigennützig sind, sondern dem Wohl der Allgemeinheit dienen.
Das Kathryn ihm in jeder Sekunde mehr verfällt, kann man nicht nur verstehen, man fühlt richtig mit ihr. Welche Frau kann schon einem Mann widerstehen, der göttlich aussieht und so … ehrenhaft (Ja, ja, das wirkt pathetisch, aber es gibt kein besseres Wort dafür!) ist?
Ein wenig gleicht Clint Stevenson irgendwie Clark Kent, allerdings hat er es nicht nötig, sich in einen hautengen Anzug mit Cape zu zwängen, um unerhört sexy zu wirkten. *grins* Seine tollen Muskeln genießt frau sowieso lieber … ganz ohne Anzug halt und zum Fliegen bringt er seine Lady anscheinend auch völlig problemlos.

Obwohl Clint eine Art "Supermann" ist, berührt die Story um Pyro und Acid fast noch mehr. Die zwei sind echte Tortured Heros, die wirklich alles verloren haben und nur noch im Schatten existieren. (Damit passt der Titel „Shadow“ auch perfekt zu den beiden). Sowohl Pyro, als auch Acid leben eigentlich nur für ihre Rache – ein Motiv, das ich normalerweise überhaupt nicht mag. Aber mitzuerleben, ob und wie die beiden zueinander finden, ob und wie sie ihre Rache hinter sich lassen und für sich einen neuen Mittelpunkt entdecken können, ist einfach nur großartig. Dabei zu sein, wie die zwei Männer einander mal zärtlich und mal leidenschaftlich zeigen, wie schön das Leben sein kann, ist genauso berührend wie heiß. Davon kann man einfach nicht genug bekommen.

Pyro ist übrigens etwas ganz Besonderes und einzigartig. Denkt er zumindest, bis er feststellt, dass es wahrscheinlich noch mindestens einen weiteren Mann gibt, der ähnliche „Eigenschaften“ hat. Ich will nicht spoilern, deshalb gehe ich hier nicht auf Details ein, nur soviel: Für die Serie „Warrior Lover“ öffnet sich mit diesem Band eine weitere Dimension, die weitere spannende und ungewöhnliche Geschichten verspricht. Ich bin jetzt schon mehr als neugierig auf die Story von Flame, den man in diesem Buch ganz kurz kennengelernt hat.
Es bleibt heiß!!! Das ist zumindest sicher!!!

Shadow“ zeigt ganz deutlich, dass Schatten und Licht manchmal dichter beieinander liegen, als man denkt und dass man mit Mut aus dem Schatten ins Licht treten kann. Mitzuerleben, wie die Warrior und ihre Frauen (oder Männer) den Schritt wagen, ist mitreißend, spannend und sexy.

Fazit: Toll! Richtig, richtig toll! Die Mischung aus packender Dystopie und erotischer Romanze stimmt einfach und macht auch nach dem 10.ten Band Lust auf mehr. Deshalb gibt es von mir restlos begeisterte 5 Punkte und die Hoffnung, dass es mit der Serie möglichst schnell weiter geht.
P.S. und ohne Einfluß auf die Wertung: Ich liebe das Cover!

Haben wollen?
 Hier kann man die Bücher von Inka Loreen Minden kaufen:

Teil 1: Jax 
Teil 2: Crome
Teil 3: Ice 
Teil 4: Storm
Teil 5: Nitro 
Teil 6: Andrew und Emma
Teil 7: Steel 

Teil 8: Fury
Teil 9: Tay
Teil 10: Shadow
Die Storys sind alle in sich abgeschlossen, gehören aber in einen übergreifenden Handlungsbogen. Zur meiner Übersicht über die Serie geht es hier *klick*.

Übrigens: Einen kurzen Überblick zu allen Büchern der Serie findet man hier gerade auf der Fantasy-Seite von xtme. Wer den Newsletter abonniert erhält außerdem als (kostenloses) Zückerchen  einen Einblick in die (Vor-)Geschichte von June und Flame. 

Autorenseite: Inka Loreen Minden

Bildquelle: amazon, xtme

Dienstag, 11. April 2017

"Mercy Thompson 10: Silence Fallen" von Patricia Briggs (engl.)

Das große Schweigen …
Nach den dramatischen Ereignissen in den Tri Cities, die den Marrok dazu gebracht haben, sich offiziell von Adams Rudel loszusagen, ist langsam wieder so etwas wie Ruhe eingekehrt. Mercy hätte ahnen sollen, dass es nur die Ruhe vor einem neuen Sturm ist, der sie bis ins ferne Italien … nun nicht „weht“, weil sie vor ihrer eigenen Haustür niedergeschlagen und entführt wird. Getrennt von ihren Liebsten muss sie sich alleine gegen die Meister von Mailand, den angeblich mächtigsten Vampir der Welt durchsetzen, der partout nicht verstehen will, was alle an Mercy finden und es auf sehr eigenartige Weise herauszufinden versucht. Zum Glück unterschätzt Bonarata, wozu eine Kojotin fähig ist. Mercy zeigt sich wie immer entschlossen, rasend schnell, gut darin zu überleben und darin, ihren Feinden eine Menge Ärger zu machen.
Ohne das Ende vorwegzunehmen: Wir alle können froh sein, dass Europa noch steht …

Ich liebe die Geschichten rund um die gewitzte VW-Mechanikerin Mercy Thompson und ihr Rudel und bin auch nach zehn Bänden und so einigen Kurzgeschichten noch süchtig nach „mehr“. Mit „Silence Fallen“ entführt Patricia Briggs nicht nur die Kojoten-Wandlerin, sondern auch den Leser der Serie auf ungewohntes Terrain. Mercy, die sonst eigentlich „nur“ und meist ungewollt Nord-Amerika in Aufruhr versetzt, verschlägt es zuerst nach Mailand und dann nach Prag. Allein, ohne Geld, Papiere und der Sprache(n) nicht mächtig, muss sie sich durchschlagen, bis Adam und ihre Freunde sie erreichen können. Sie wäre aber nicht sie selbst, wenn ihr dabei nicht ein paar der legendären übernatürlichen Gestalten über den Weg laufen würde, die in diesen Städten ihre Heimat gefunden haben.

Um es vorweg zuschicken: Mir hat das Buch gut gefallen und entsprechend werde ich es bewerten. Aber im Vergleich zu den anderen Bänden der Serie hat es jedoch ein „Problem“, dass dem Kern der Story und dem Setting geschuldet ist: „Silence Fallen“ ist eine Art Leitmotiv. Mercy verbringt viel Zeit in ihrer Kojotenform und das Gefährtenband ist allein durch die Entfernung nicht so „kommunikativ“ wie es sein könnte. Adam bringt natürlich nicht sein gesamtes Rudel mit nach Europa, dazu ist die Situation daheim zu prekär. Das alles führt dazu, dass mir der Teil der Serie, den ich sonst am meisten genieße, schmerzlich gefehlt hat: Die schnellen, mit trockenem Humor angefüllten Dialoge, die gerade in den letzten Büchern mehr als genial waren. Ich liebe dabei besonders die Szenen zwischen Adam und Mercy. Die gibt es hier nur am Anfang und am Schluss, nichtsdestotrotz sind sie für mich die Highlights der Geschichte. Ansonsten herrscht leider ziemlich oft das große Schweigen …

Auch wenn die Story nicht ganz an die letzten Bücher heranreicht (Die Messlatte lag auch sehr, sehr hoch!), ist sie immer noch richtig klasse. Es hat richtig Spaß gemacht, endlich den legendären Herrn der Nacht kennenzulernen, der scheinbar mühelos zahllose finstere Pläne parallel schmiedet und so dafür sorgt, dass er immer am Ende als Gewinner dasteht. Sehr gern hätte ich mehr von Kocourek, dem alten und neuen Meister von Prag erfahren, der für einen Vampir sehr ungewöhnlich ist.
Außerdem gibt es noch eine wirkliche Überraschung. Ok. Im Nachhinein ist es vielleicht keine Überraschung, aber mehr sage ich dazu sicher nicht. Schön selbst entdecken!!! ;)

Mir gefällt außerdem, dass keine Nebenfigur vergessen wird und auch Rudelmitglieder, die weiter unten in der Rangfolge stehen, es nach und nach schaffen, ein eigenes Profil zu entwickeln.

Fazit: Auch wenn mir persönlich „Silence Fallen“ im Vergleich zu den anderen Mercy Thompson Romanen sehr „still“ vorkam, so ist das hier doch großartige und spannende Urban Fantasy vom Feinsten. Die Story ist temporeich und punktet mit dem augenzwinkernden Witz, der für die Serie so typisch ist. Deshalb gibt es diesmal solide 4,5, aufgerundet 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Wie bei allen richtig guten Büchern kann man es – nachdem man die letzte Seite gelesen hat – kaum erwarten, wie es weitergehen wird.

Übrigens: Neueinsteiger können diese Story zwar lesen und verstehen, sie macht aber mindestens dreimal soviel Spaß, wenn man die Bücher in der richtigen Reihenfolge genießt.


Haben wollen? 

 Hier kann man die Bücher von Patricia Briggs kaufen: 
- "Silence Fallen“ (Band 10, engl.)

Mercy Thompson auf Deutsch:
- "Ruf des Mondes" (Band 1)
- "Bann des Blutes" (Band 2)
- "Spur der Nacht" (Band3)
- "Zeit der Jäger" (Band 4)
- "Zeichen des Silbers" (Band 5)
- "Siegel der Nacht" (Band 6)
"Tanz der Wölfe" (Band 7)
- "Gefährtin der Dunklheit(Band 8)
- "Spur des Feuers(Band 9, erscheint am 13. Juni 2017)

"Alpha & Omega" ("Partnerserie"):
- "Schatten des Wolfes(Band 1)
- "Spiel der Wölfe(Band 2)
- "Fluch der Wolfes(Band 3)
- "Im Bann der Wölfe(Band 4)

*Bildquelle: amazon

Montag, 10. April 2017

"The Chosen" von J.R. Ward (engl.)

Auserwählte und Entscheidungen

Die Auserwählte Layla ist nun Mutter von Zwillingen und könnte eigentlich glücklicher nicht sein. Ihre Kinder haben gegen jede Chance die dramatische Frühgeburt überlebt und nicht nur Qhuinn, der leibliche Vater der Beiden, sondern auch sein Mann Blay kümmern sich rührend um die kleine Familie. Leider sehnt sich Layla immer noch verzweifelt nach Xcor, den die Bruderschaft der Black Dagger gefangen hält. Eigentlich wollen sie ihn befragen – und dabei alles andere als zimperlich vorgehen – aber der Mann liegt seit Wochen im Koma. Gerade als er daraus erwacht, überschlagen sich die Ereignisse und nicht nur Layla muss sich entscheiden, welche Prioritäten sie in Zukunft setzten will.

Ich kann „The Chosen“ von J.R. Ward nicht besprechen, ohne zu spoilern, deshalb die Bewertung vorab: Vom mir gibt es solide 4 Punkte und eine Leseempfehlung für Fans. Das Buch gehört in die Reihe und ist ganz sicher nicht schlecht. Allerdings hat es mich nicht so begeistert, wie die letzten Bände.

Wer ein paar Details lesen möchte findet die weiter unten. Ich habe mich wirklich bemüht nicht alles zu verraten, aber „ganz ohne“ ging es diesmal eben nicht.

Ab hier SPOILER möglich:

Damit am Ende das Positive, was ja auch überwiegt, in Erinnerung bleibt, hier zuerst einmal die Kritikpunkte:
Wie immer erzählt J.R. Ward auch in „The Chosen“ nicht nur eine einzige Geschichte, sondern spinnt auch die der anderen Brüder weiter. Normalerweise liebe ich das und es ist für mich nervenzerfetzend, wenn mal wieder mitten in einer spannenden Szene der Fokus verschoben wird. Die Bücher werden damit zum echten Page-Turner. Hier habe ich es manchmal fast mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen, weil … einige Dinge einfach so übertrieben pathetisch dargestellt wurden, dass ich mir nicht mal hypothetisch vorstellen konnte, dass dies nun nicht nur eine Verwicklung auf dem Weg zum HE ist. Und wieso sollte man sich aufregen, wenn`s doch eh am Ende anders kommt …

Wenn man die Serie kennt, wird eigentlich schon im Prolog klar, dass einige alte Feindschaften sich im Laufe der Story wahrscheinlich sowieso in Luft auflösen werden. Wo der Lösungsansatz für die Brüderschaft und die Bastards liegt, ist eigentlich auch offensichtlich.

Wirklich klasse sind die Szenen mit Xcor und Layla, von denen ich mir allerdings viel mehr gewünscht hätte. Xcor ist ein Tortured Hero, wie er im Buche steht, und es ist toll ihn auf den letzten Metern eines Weges zu begleiten, der sich schon in den letzten Büchern abzeichnete. Richtig gut gefallen hat mir auch, wie sich seine Beziehung zu seinen Anhängern und zu Wrath entwickelt. Damit kommen endlich einige neue und sehr interessante Figuren in den Fokus, aus die ich schon länger gespannt war und die Stoff für weitere Geschichten liefern können.

Layla ist – nach Payne – erst die zweite Frau, die die Titelfigur eines der Bücher ist und die erste „Nicht-Kämpferin“, die so in den Mittelpunkt rückt. Phury hat die Auserwählten zwar „befreit“, was sie nun mit ihrer Zukunft machen, müssen sie aber selbst entscheiden. Das ist ein Prozess, den man bei Layla wunderbar mitverfolgen kann. Sie bemerkt nach und nach, dass die Freiheit zu wählen, auch die Gefahr mit sich bringt, Verluste zu erleiden. Sie hasst den Gedanken, dass sie gezwungen ist, sich zwischen ihren Kindern und der Liebe ihres Lebens zu entscheiden. Der bloße Gedanke, Xcor nie wieder sehen zu dürfen, zerreißt sie förmlich. Gibt es wirklich keinen Ausweg aus diesem Dilemma?

Weniger gut hat mir gefallen, was sich Qhuinn leistet, dessen tragische Geschichte man über den ganzen Verlauf der Serie verfolgen konnte und dem man sein Happy End mit Blay wirklich von Herzen gönnt. Die Kinder sind eigentlich das Tüpfelchen auf dem i. Qhuinn scheint sich aber nicht bewusst zu sein, wie zerbrechlich Glück ist. Er hat ohnehin nicht immer die klügsten Entscheidungen getroffen, einer seiner Aussetzer in diesem Buch ist allerdings ein absolutes No-Go und er kommt damit – in meinen Augen – noch viel zu gut davon. Fast bleibt das Gefühl übrig, dass mit dem Gips und der Farbe, die die Folgen seiner kopflosen und hasserfüllten Aktion übertünchen, auch schon wieder alles vergessen ist. Das Layla, die mit ihren eigenen Schuldgefühlen kämpft, ihm verzeiht, ist verständlich. Die anderen Frauen (und Männern) im Haushalt, besonders die mit eigenen Kindern, haben diese Ausrede nicht und gehen doch recht schnell wieder zur Tagesordnung über. Das kann und will ich mir so eigentlich nicht vorstellen.

Am Anfang gibt es außerdem einige Szenen mit Thor, der auch gegen Ende noch einmal eine wichtige Rolle spielt. (Warum? Wie gesagt, wer die Serie kennt, kommt schnell dahinter …) Die Art und Weise, wie er sich mit dem Verlust von Wellsie auseinandergesetzt hat, mag man, oder man mag sie eben nicht. Natürlich heilt auch eine neue Liebe diese alte Wunden und seine Trauer nicht, allerdings dachte ich eigentlich nicht, dass Thor immer noch auf einem so schmalen Grad wandert.

Throe dagegen ist ja immer noch auf der Flucht vor den Black Daggern, lässt es sich dabei aber vergleichsweise gut gehen. Zumindest bis er ein geheimnisvolles Artefakt findet, dass eine sehr, sehr merkwürdige Auswirkung auf ihn hat. Anscheinend wird er gerade als der neue „Böse“ aufgebaut. So richtig ernst nehmen kann ich ihn aber irgendwie (noch) nicht. Dazu fehlt ihm das Charisma, das man bei seinem ehemaliger „Boss“ Xcor von der ersten Sekunde an spürte.

Die anderen Handlungsfäden werden diesmal eher knapp angerissen.
Assasil kämpft weiterhin mit den Dämonen, die die Folgen seiner Sucht sind. Trez erlebt eine riesige Überraschung. Und Vishous …
Hm. Was der gerade so denkt, hat mich wirklich überrascht. Trotzdem war es klasse, mal wieder ein wenig mehr von dem absolut coolsten der Brüder zu lesen.
Während die anderen Jungs recht kurz kommen, haben die Mädels diesmal einen starken Auftritt und machen sogar vor Wrath keinen Rückzieher mit ihren Forderungen.

Zum Abschluss: Ich hätte in dem Buch gerne mehr von Layla und Xcor als Paar gelesen, weil sie beiden eine unheimlich interessante Beziehung haben, in der ein überraschendes Kräftegleichgewicht herrscht. Außerdem kommen mir die anderen „Bastards“ ein wenig zu kurz.

Zwei weiter interessante Stränge aus den letzten Büchern werden gar nicht oder so gut wie gar nicht aufgegriffen: Was ist denn nun aus dem geretteten Blutsklaven geworden? Und wann erfährt man mehr über Jo?

Ansonsten ist dies eine solide und spannende Geschichte aus dem mittlerweile riesigen „Black Dagger – Universum“, die wirklich zu empfehlen ist, auch wenn sie nicht unbedingt das Highlight der großartigen Serie darstellt. Aber schließlich liegt die Latte auch ziemlich hoch, oder?

Wie allen Bücher bisher macht auch „The Chosen“ auf jeden Fall Lust darauf, nicht nur eine, sondern eine ganze Menge weiterer Geschichten rund um die Bruderschaft der Black Dagger und den Blinden König zu lesen.


Haben wollen? 

 Hier kann man die Bücher von J.R. Ward kaufen: 

- "The Chosen“ 

Als letztes auf Deutsch erschienen sind:
- "Krieger im Schatten" (Band 27)
- "Ewig geliebt" (Band 28)

P.S.: Es gibt das Buch aktuell in zwei Ausgaben. Die verlinkte ist preiswerter, darunter stehen aber einige Rezis, die gar nicht zu dem Buch, sondern zu dem Kompendium gehören, das J.R. Ward vor ein paar Jahren herausgegeben hat. Also nicht irritieren lassen ...

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"In Erfüllung seiner Pflicht" von Mathilda Grace

Intellektueller Filter

Garrett fällt aus allen Wolken, als an einem Augusttag plötzlich sein totgeglaubter Verlobter Tyler vor der Tür steht. Vor der Tür des Hauses wohlgemerkt, das er zusammen mit Ty gekauft hat, aber nun mit Kade bewohnt. Kade, der so eine Art Bruder und der beste Freund von Ty war, mit Garrett um ihn getrauert hat und nun Garretts neuer Partner ist.
Schnell wird klar, dass Tyler zwar die unmenschlichen Bedingungen, unter denen er die letzten fünf Jahre gefangen gehalten wurde, überlebt hat, aber nicht nur körperliche, sondern auch seelische Narben mit sich trägt, die noch lange nicht verheilt sind.
Garrett und Kade sind überfordert. Und plötzlich steht auch ihre Beziehung auf dem Spiel ...

Ich mag die Geschichten von Mathilda Garce unheimlich gerne und habe mich auf dieses hier besonders gefreut, weil eines meiner aktuellen Lieblingsbücher ein ähnliches Thema behandelt: Ein Soldat überlebt eine traumatische Gefangenschaft, kämpft mit PTBS und findet sich zwischen bzw. mit zwei Männern wieder, die ihm alles bedeuten.
Im direkten Vergleich wird eines schnell klar: „In Erfüllung seiner Pflicht“ ist sehr, sehr gut recherchiert. Realistisch wird beschrieben, mit welchen Problemen die ehemaligen Soldaten und auch ihre Angehörigen oft zu kämpfen haben. Jedoch stellt sich während des Lesens eine gewisse Distanz ein, weil die Hauptperson in dem Buch eben nicht der traumatisierte Ex-Soldat Ty, sondern Garrett ist, der die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt. Entsprechend kommen Tys Gefühle und Problem beim Leser nicht direkt an, sondern nur durch eine Art „intellektuellen Filter“. Man erfährt immer nur, wie Garrett Ty sieht oder was er über ihn denkt. 

Natürlich könnten auch Garretts Erlebnisse und Eindrücke sehr berührend sein. Der Leser darf sie aber (leider) sehr oft gar nicht „unmittelbar“ miterleben. Garrett „schildert“ seine Gefühle und Reaktionen auf Tys Aus- oder Zusammenbrüche nämlich regelmäßig erst in der Retrospektive, nachdem oder während er gezwungen ist, noch einmal darüber nachzudenken, sei es im Gespräch mit seinen „Jungs“, mit seinem Bruder Cord, der Psychologe ist und entsprechend bedeutungsschwere Fragen stellt, oder mit dem Traumaspezialisten Connor.
Entsprechend ist man als Leser bei vielen Szenen nicht mitten im Geschehen, sondern eher in der Rolle eines stillen Zuhörers am Rande, der einem Erlebnisbericht lauscht.
Überraschend unspektakulär ist übrigens die Auseinandersetzung mit der „Beziehung zu dritt“, obwohl gerade bei den dreien Konfliktpotential vorhanden wäre. Vielleicht überwiegen aber einfach Tys gesundheitliche Probleme alles andere. Oder vielleicht liegt es daran, dass Garrett und Kade Tyler sehr lange nicht wie einen Erwachsenen, sondern eher wie einen Teenager behandeln. Erst ganz am Ende ändert sich ihr Verhältnis ein wenig und ich würde wirklich gerne lesen, wie die drei zu einer harmonischen und gleichberechtigten Beziehung finden. Zu diesem Buch passt es allerdings, dass die Männer erst auf dem Weg zu ihrem Happy End sind. Es gibt echte Hoffnung, aber es werden wahrscheinlich auch immer wieder Probleme und Rückschläge kommen, mit denen sie kämpfen müssen.

In Erfüllung seiner Pflicht“ entzieht sich meinem üblichen Bewertungsschema. Es wirkt stellenweise eher intellektuell und als berührend, obwohl es um ein hochemotionales Thema geht und PTBS hier in Romanform beschrieben wird. Das Buch packt den Leser aber trotzdem. Es macht betroffen und regt dazu an, sehr lange und intensiv darüber nachzudenken. 
Wenn ich vor dem Kauf ein wenig genauer hingeschaut hätte, wäre mir übrigens sicher aufgefallen, das Mathilda Garce das Buch gar nicht (wie von mir angenommen) unter „Liebesromane“ gelistet hat. Es wäre extrem unfair diese wirklich toll geschriebene und lesenswerte Geschichte abzustrafen, weil sie eben nicht die herzerreißende Romanze ist, die ich erwartet habe. 

4 Punkte heißt deshalb bei mir deshalb dieses Mal: Sollte man lesen. Wirklich. Das Buch rückt vieles in eine andere Perspektive und macht extrem nachdenklich.

Haben wollen? 
 Hier kann man die Bücher von Mathilda Grace kaufen: 

- "In Erfüllung seiner Pflicht"


Ich kann's mir nicht verkneifen, auch wenn es eigentlich nicht zu dem ersten Thema dieses Buches passt. Aber vielleicht braucht man gerade danach was fürs Herz. Etwas bei dem am außerdem herzlich lachen kann ...

Ich liebe die "Nachbar für's Herz"- Serie von Matty Grace!

Stachlige Schönheit
Durchblick gesucht
(h)Eiskalt erwischt
Spiel auf Risiko
- „Zaun an Zaun"
- „Tinkerbell"
- „Ein bisschen Escort"
- „Pinselspiele"

Neuigkeiten von Mathilda Grace findet man hier: mathilda-grace.blogspot.de

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Mittwoch, 22. März 2017

"Sunset Park" von Santino Hassell

New York … und die Menschen, die die Stadt ausmachen!
Raymond ist zuerst stinksauer, als er erfährt, dass sein Bruder Michael mit seinem Geliebten Nunzio zusammenziehen und das elterliche Haus vermieten will. Deshalb muss er sich nämlich eine eigene Wohnung suchen. Und einen Job, um sie zu bezahlen. Blöd nur, dass es nicht gerade seine Stärke ist, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen oder eine gut bezahlte Stelle auch zu behalten, wenn er zufällig mal eine gefunden hat.
Als David, der schwule Arbeitskollege seines Bruders, ihm vorschlägt eine WG zu gründen, zögert Ray nicht lange. Erstens mag er David, auch wenn der sich manchmal wie eine menschliche Klette aufführt, und zweitens … wäre es eine perfekte Gelegenheit endlich einmal auszuprobieren, ob Sex mit Männern ihm auch in der Praxis so gut gefällt wie in den Videos, die er sich heimlich anschaut.
Alles in allem könnte es eine perfekte Freundschaft mit gewissen Vorzügen sein, aber leider macht die raue Wirklichkeit an den Türen der WG nicht halt. Sind die Ansprüche, die Ray und David an ihr Zusammenleben und ihre Zukunft stellen, zu unterschiedlich?

Seit „Sutphin Boulevard“ bin ich ein absoluter Fan von Santino Hassell und seinen atomsphärisch dichten „Geschichten aus den fünf Stadtbezirken“ von New York. „Sunset Park“ knüpft zwar direkt an die erste Story an, kann aber auch durchaus als Stand Alone gelesen werden. Wie schon im ersten Buch schafft es der Autor, den Leser von der ersten Seite an zu packen und nicht mehr loszulassen, bis man weiß, ob und wie Ray und David sich zusammenraufen können.

Mich fasziniert, dass ich ein Buch nicht aus der Hand legen konnte, obwohl ich die beiden Helden am Anfang nicht einmal besonders mochte. Raymond lässt sich treiben, hat keine Ziele und scheint sich auch ansonsten vor jeder Entscheidung zu drücken. David … kommt einem in dem ersten Buch nicht gerade als der sympathischste Mensch der Welt vor. Es gelingt Santino Hassell aber schnell, die Emotionen und Ängste der beiden greifbar zu machen. Interessanterweise entdeckt man ihre Stärken erst nach und nach, ganz so als würden sie erst in dem Moment sichtbar, in denen sich die Männer darüber klar werden, wo sie liegen. Ray und David sind zwar keine Teenies mehr, aber erst im Laufe der Geschichte werden die beiden wirklich erwachsen und lernen für sich, ihre Wünsche und Hoffnungen einzustehen. Sie haben sich beide auf ganz unterschiedliche Art treiben lassen und finden nun ihren Platz im Leben.

Die Beziehung der beiden ist auf eine ganz eigene Art sinnlich und körperbetont, gerade weil für Ray schwuler Sex Neuland ist. Zwar vergnügt er sich schon lange damit, zuzuschauen, selbst ausprobiert hat er ihn aber bisher noch nicht. Interessanterweise scheint David, der sich oberflächig betrachtet sehr offensiv gibt, zögerlicher zu sein. Auch wenn Ray zuerst noch herausfinden muss, was genau er mit seinem Leben machen will, auf sein Selbstbewusstsein und darauf, wie wohl er sich in seinem (^^ absolut heißen!) Körper fühlt, hat das wenig Einfluss.

Auch in „Sunset Park“ gibt es wieder eine Menge New Yorker Lokalkolorit, weitab der Touristenrouten. Diesmal geht es allerdings weniger um die verschiedenen Orte in der Stadt, als vielmehr um die unterschiedlichen Kulturen, die dort leben und teilweise stark voneinander abweichende Lebensweisen und / oder – einstellungen haben. Dabei ist Hassell nicht plakativ, sondern beherrscht "Show, don't tell" in Reinform. Man hat das Gefühl, keinen Moment das Gefühl belehrt zu werden, im Gegenteil mal lernt die Menschen wirklich kennen. Sie werden in ihrer Vielfalt sehr greifbar, nicht nur die Hauptcharaktere, sondern auch Nebenpersonen, wie z.B. Rays ehemaliger Chef Rolly. Hassell zeigt dabei nicht die Glitzerwelt der oberen Zehntausend, sondern die bunte Mischung aus hart arbeitenden Männern und Frauen in allen möglichen Jobs, die jeden Tag versuchen in der Stadt, die niemals schläft irgendwie zu überleben. „Sunset Park“ führt den Leser nicht - wie „Sunset Boulevard“ – in die Clubs und das Nachtleben der Stadt, sondern zeigt das alltägliche Leben in den lebhaften Straßen, in den Cafes, auf den öffentlichen Plätze und in den Parks, in denen die Menschen ihre Freizeit verbringen.

Das Buch ist sicher keine typische Romanze und ich weiß nicht so ganz genau, wo ich es einordnen soll. Es ist aber auf jeden Fall wirklich lesenswert. Wie Santino Hassell im Nachwort zugibt, glaubt er nicht an perfekte Beziehungen. Gerade das macht seine Geschichten so unheimlich spannend. Die Wege, die seine Helden gehen, sind nicht glatt und einfach, sondern verschlungen und voller Stolperfallen. Wie das echte, meist eben unperfekte, Leben halt …

Fazit: Von mir gibt es wieder begeisterte 5 Punkte und eine Leseempfehlung. Ich bin jetzt schon auf den nächsten Band gespannt. Natürlich habe ich schon mal gespinkst um wen es geht und festgestellt, dass ich die Helden den nächsten Buches … kein bisschen leiden kann. Bisher zumindest. Aber Santino Hassell hat mich schon zweimal überrascht, dazu verführt, die Bücher zu verschlingen mir Menschen nahegebracht, die ich eben nicht auf den ersten Blick mochte. Das können nicht viele Autoren schon von sich behaupten!


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 Hier kann man die Bücher von Santino Hassell kaufen:
- "Sutphin Boulevard (Band 1, Michael und Nuzio)
- "Sunset Park“ (Band 2. Raymond und David)

Ich bin ein bisschen erstaunt, wie unterschiedlich man ein Buch sehen kann. Ganz anders als ich haben "Gaylesen" und "Sabrina's Welt der Bücher" die Geschichte beurteilt.
Ich glaube, die Charaktere von Santino Hassel liebt man, oder man hasst sie. Gleichgültig lassen sie niemanden, der sie liest.


Bildquelle: amazon


Dienstag, 14. März 2017

"Mitten im Irgendwo" von Roan Parrish

Ein Nerd und ein sanfter Riese geben ein unmögliches Paar ab. Oder?

Daniel hat niemals irgendwo dazu gehört. Zumindest fühlt es sich für ihn so an. Seine Familie versteht ihn nicht, weil er sich für englische Literatur begeistert, statt Football zu schauen und Bier aus Dosen zu trinken. Für Freundschaften hat er kaum Zeit, weil er sich sein Studium mit diversen Jobs selbst finanziert. Und er hat seine Heimatstadt Philadelphia noch nie verlassen, bevor er sich als Prof an einem winzigen College mitten in Michigan bewirbt. Dabei ist er mit seinem Hintergrund und den vielen Tattoos, die er sorgfältig unter langärmeligen Hemde verbirgt, sicher kein typischer Intelektueller.
Als Dan zufällig Rex trifft, ahnt er nicht einmal, dass der riesige Mann in Holzfällerklamotten sein Schicksal sein könnte. Wenn er sich nur darauf einlassen würde …


Um es vorwegzunehmen: „Mitten im Irgendwo“ von Roan Parrish ist einfach klasse! Man stolpert mit Daniel, aus dessen Sicht die Geschichte in der Ich-Perspektive erzählt wird, über Rex, der scheinbar ein wandelndes Klischee ist: Ein riesiger Hinterwäldler mit einem Gewehr, der in einer einsamen Holzhütte lebt. Sofort spulen sich vor Daniel geistigem Auge sämtliche Horrorfilme, die er je gesehen hat, ab.

Die Story bedient auf den ersten Blick so viele Vorurteile, dass man erst nach und nach dahinter kommt, was die Menschen wirklich antreibt. Da sind zuerst einmal die manchmal leicht skurrilen Bewohner der Kleinstadt Holiday, die den schwulen, tätowierten, koffeinsüchtigen Neubürger mit Argusaugen beobachten. 
Aber auch die Lehrer und Studenten am College scheinen nicht immer sicher zu sein, was sie von Dan zu halten haben. Oder ist es am Ende Daniel selber, der nicht genau weiß, wo sein Platz im Leben ist und deshalb misstrauisch darauf wartet, von allen anderen weggeschoben zu werden? 

"Mitten im Irgendwo“ steht dementsprechend nicht nur für den winzigen Ort im Hinterland, in den es Daniel verschlägt, sondern auch für sein Selbstbild. Dan ist so lange seinem Traum hinterhergerannt, dass er dringend einmal innehalten und sich umschauen muss. Ist sein altes Ziel, für das er so hart gearbeitet hat, eigentlich noch aktuell?

Der ruhige, auf seine stille Art unheimlich hilfsbereite Rex scheint auf den ersten Blick sehr in sich selbst zu ruhen. Mit seiner Bodenständigkeit und seinen geschickten Händen bildet er den perfekten Gegenpart zu dem nerdigen Dan, der zwar widerwillig auch alles über Autos gelernt hat, aber sich ansonsten handwerklich völlig unbegabt zeigt und beim Kochen ein Totalversager ist. Warum auch Rex ein wenig im „Nirgendwo“ hängt, erschließt sich dem Leser erst nach und nach. Man findet es zusammen mit Dan heraus, der bei aller Klugheit eine ganze Weile braucht, um Rex und seine Motive zu durchschauen.

Mitten im Irgendwo“ ist eine spannende, vielschichtige Geschichte, die von ihren ungewöhnlichen Charakteren lebt, von denen Roan Parrish mit Worten lebendige Bilder zeichnet. Es macht wirklich Spaß, die beiden Männer kennenzulernen und sie ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten. Obwohl Dan und Rex erwachsen sind, mit beiden Füssen im Leben stehen und problemlos für sich selbst sorgen können, so machen sie doch mit- und füreinander eine große Entwicklung durch. Dabei begleiten sie ihre neuen und alten Freunde. Die Nebencharaktere sind übrigens nicht nur Stichwortgeber, sie haben ihre eigene Tiefe und machen unheimlich neugierig auf weitere Geschichten „aus dem Nirgendwo“.

Fazit: Mich hat die Geschichte berührt und begeistert. Deshalb gibt es von mir 5 Punkte und eine Leseempfehlung.
Ich freue mich jetzt schon besonders auf die Übersetzung Story um Dans Bruder.

P.S.: Ich liebe das wunderschöne Cover. Das sticht mir schon ins Auge, seit das Buch auf Englisch am Markt ist ...

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Bildquelle: DreamspinnerPress